Solarkocher, Sanddüne, versteckter Garten

Weddinger Stadtnatur: Im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße. Foto: Hensel
Weddinger Stadtnatur: Im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße. Foto: Hensel

Es gibt Orte im Wedding, die findet man nur, wenn jemand sie empfiehlt. Und wenn man sie dann gefunden hat, dann offenbaren sie sich nicht sofort, sondern erst nach und nach. Das Schul-Umwelt-Zentrum (SUZ Mitte) ist ein solcher Ort. Er liegt versteckt in der Scharnweberstraße, hoch oben im Wedding. Von der Straße aus sieht man nur ein unscheinbares Tor, einen Weg, der irgendwie ins Grüne führt. Der Lange Tag der Stadtnatur lud kürzlich dazu ein, dieses versteckte Paradies auf vielfältige Weise zu erkunden.

Bienenrettung wie im Märchen

Dieser junge Mann fotografierte die zerstörten Bienenbeuten und trug die Nachricht mit seinem Twitterkonto KMKBerlin in alle Welt. Foto: Andrei Schnell

Es war einmal ein öder Platz neben dem Kinderbauernhof Pinke-Panke und dem Pankower Bürgerpark. Da sagten die Nachbarn: „Wir zäunen die wüste Öde ein, wir pflanzen früh blühende Blumen, wir stellen Bienenkörbe auf. Da haben die Menschen mit Behinderung etwas, wo sie sinnvoll etwas tun können und wir haben guten Honig.“ Das ging gut, bis eines Nachts böse Menschen kamen, die zerstörten die Bienenstöcke und 90.000 Bienen starben. Und die Bösen lachten noch dabei. Da war das Unglück groß. Wo sollten die Menschen mit Behinderung arbeiten? Wo das Geld hernehmen für neue Bienen? Doch Hilfe war näher als gedacht.

Bee cool: Warum es im Wedding summt

Bis vor zehn Jahren war Imkern so ziemlich das Uncoolste, was man sich in einer Großstadt wie Berlin vorstellen konnte. Doch seither steigt die Anzahl von Bienenvölkern, Bienenstöcken und Imkern kontinuierlich an. Auch vor Dächern, Balkonen oder Kleingärten macht der neue Trend nicht Halt. Das vielfältige Nahrungsangebot der Millionenstadt sorgt dafür, dass der Berliner Honig besser ist als der aus dem brandenburgischen Umland. Auch im Wedding summt es überall.

Beim Imkerkollektiv in der Grüntaler Straße

Das Imkerkollektiv: Philipp, Benjamin und Laura (von links).
Das Imkerkollektiv: Philipp, Benjamin und Laura (von links).

Haselnuss und Schneeglöckchen, Apfel und Kirsche, Robinie, Lavendel und Herbstanemone. Imker leben von Blüte zu Blüte. Sie wissen immer genau, was blüht und welchen Honig ihre Bienen gerade herstellen. Auch Laura, Benjamin und Philipp, die in einer Wohngemeinschaft in der Grüntaler Straße zuhause sind, kennen sich im Blühkalender bestens aus. Als Imkerkollektiv „aus.beuten“ betreuen sie im Soldiner Kiez derzeit drei Bienenvölker. Das sind im Sommer zusammen bis zu 180.000 summende Tiere, die im Viertel auf Pollenjagd gehen.

Solidarisches Imkern: Auf Pollenfang im Mauerpark

Die Imker und ihre Helfer aus dem Mauergarten.
Die Imker und ihre Helfer aus dem Mauergarten.

Vor kurzem sind in den Gemeinschaftsgarten Mauergarten zwei Honigbienenvölker eingezogen. Inzwischen haben sie sich in ihren Bienenkisten, den so genannten Beuten, eingerichtet und suchen in der Umgebung unermüdlich nach Nahrung. Auswahl haben sie als echte Stadtbienen jede Menge, denn das Stadtimkern ist inzwischen auch wegen der größeren Artenvielfalt populär geworden. Balkonkästen, Kleingärten, Parkanlagen und Straßenbäume bieten den Stadtbienen ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot.