Prinzenallee 58 Soldiner Kiez

Prinzenallee 58: Die jüdische Familie Gattel und ihre Hutfabrik

In der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts lag der Wed­ding noch weit außer­halb, aber die Dyna­mik der Grün­der­zeit ließ Ber­lin aus allen Näh­ten plat­zen. Im Jahr 1880 hat­te die noch jun­ge kai­ser­li­che Reichs­haupt­stadt 1,1 Mil­lio­nen Ein­woh­ner und 25 Jah­re spä­ter bereits etwas mehr als 2 Mil­lio­nen. Damals wur­de der Wed­ding als Spe­ku­la­ti­ons­ob­jekt und neue Hei­mat ent­deckt. Auch in der Prin­zen­al­lee 58 begann mit der Hut­fa­brik Gat­tel ein neu­es Kapitel.

Genossenschaft PA 58

Hausfest der PA 58. Grafik PA 58.
Haus­fest der PA 58. Gra­fik PA 58.

35 Jah­re Selbst­ver­wal­tung fei­er­te die Genos­sen­schaft PA 58 in der Prin­zen­al­lee im Okto­ber 2016. Da die Genos­sen­schaft das Gelän­de der vor­ma­li­gen Hut­fa­brik Gat­tel nutzt, lag das Mot­to des Haus­fests nahe: Hut ab! Die Genos­sen­schaft­ler sind stolz, seit 35 Jah­ren zu bewei­sen, dass eine selbst ver­wal­te­te Wohn­form funktioniert.

Über die PA 58

Vorderhaus der Prinzenallee 58
Vor­der­haus der Prin­zen­al­lee 58

Vor 35 Jah­ren schrieb man das Jahr 1981. In der Selbst­be­schrei­bung auf www.wohnprojekte-portal.de steht jedoch das Jahr 1977 als Jahr des Ansto­ßes. Da ver­kauf­ten die alten Eigen­tü­mer das Fabrik­ge­län­de. Der neue Eigen­tü­mer woll­te die Fabrik ent­mie­ten, abrei­ßen und Woh­nungs­neu­bau betrei­ben. Doch zunächst wur­de erst ein­mal Leer­stand ange­strebt. Ein ver­brei­te­tes Phä­no­men in West-Ber­lin damals. Die­je­ni­gen Mie­ter, die ein­fach nicht aus­zie­hen, instand­be­setz­ten (wie man damals sag­te) schließ­lich die Fabrik. Es sei das 100. besetz­te Haus in West-Ber­lin gewesen.

Heu­te woh­nen die Genos­senchaft­ler nach Umbau­ten in den 80er Jah­ren in gro­ßen WGs und das Erd­ge­schoss ist in allen Höfen an sozia­le Pro­jek­te und klei­ne Gewer­be­trei­ben­de vermietet.

Hutfabrik Gattel

Die Fabrik in der Prin­zen­al­lee 58 wur­de laut Ber­li­ner Denk­mal­lis­te von 1889 bis 1891 von Georg Lewy (hier ein Foto vom Archi­tek­ten) gebaut. Lewy bau­te für die in Ber­lin berühm­ten Kauf­leu­te Tietz ein Geschäfts­haus in der Klos­ter­stra­ße und wei­te­re Fabri­ken in Kreuz­berg. Das Vor­der­haus des Miet­hau­ses Prin­zen­al­lee 58 gestal­te­te Lewy sehr reprä­sen­ta­tiv und nutz­te sogar Mar­mor. Die Hut­fa­brik Gat­tel im Hof wur­de bereits 1933 zu Woh­nun­gen umge­baut. Ein Grund: Die Fabri­kan­ten­fa­mi­lie Gat­tels wur­den von den Nazis ver­folgt, muss­ten die Fabrik auf­ge­ben. An vier von den ermor­de­ten Fami­li­en­mit­glie­der erin­nern Stol­per­stei­ne in der Prin­zen­al­lee 58.

LINKS
Infor­ma­tio­nen zum Haus­fest gibt es auf Face­book unter der Ver­an­stal­tung Haus­fest 35 Jah­re Selbst­ver­wal­tung in PA 58.

Autor And­rei Schnell, Gra­fik PA 58