90 Jahre „Blutmai“ im Wedding: Führung und Lesungen

Vor 90 Jahren sorgte ein Demonstrationsverbot des Polizeipräsidenten für den 1. Mai in Berlin für Aufstände und brutale Polizeieinsätze, denen vor allem im Wedding zahlreiche Menschen, auch Unbeteiligte, zum Opfer fielen. Eine hochrangig besetzte Lesung aus dem Buch „Barrikaden am Wedding“ ruft die Ereignisse am 27. April wieder ins Gedächtnis. Am 1. Mai gibt es eine Stadtführung und eine weitere, kostenlose Lesung im Kiezhaus Agnes Reinhold.

Die Panke entlang (Teil 2)

Gedenkstein WiesenstrIm ersten Teil sind wir schon von der Mündung der Panke am Nordhafen bis zur Pankstraße entlanggewandert – durch eine Art Niemandsland, zwischen Wohnhauszeilen und alten Fabrikgebäuden. Jetzt geht es weiter durch Gesundbrunnen bis fast zum Bürgerpark Pankow.

Wir starten an der Pankstraße 83. Idyllisch fließt hier die kanalisierte Panke zwischen den Brücken der Pankstraße und der Wiesenstraße, entlang begrünter Hinterhöfe und Wohnhäuser der 1950er Jahre. Der erste nachweisbare Siedlungskern des Wedding, ein landwirtschaftliches Gut im Besitz der Stadt Berlin und später des Kurfürsten, erstreckte sich genau hier ab dem 13. Jahrhundert. Die letzten Gebäude des Weddinghofes verschwanden erst während des Mietskasernenbaus der Gründerzeit. Genauso schwer ist heute vorstellbar, dass am 1. Mai 1929 in der Kösliner Straße, die sich hinter den Neubauten befindet, Straßenschlachten tobten, die mindestens 19 zivile Todesopfer forderten. Dieses Gebiet war eine kommunistische Hochburg, die den Beinamen des Bezirks „Roter Wedding“ prägte. Nur ein Findlings-Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke erinnert heute noch daran – die einst so stadtbildprägenden Mietskasernen sind hier jedenfalls verschwunden.

Ein Gedenkstein soll kommentiert werden

Gedenkstein WiesenstrDas Tageszentrum Wiese 30, eine therapeutische Tagesstätte, lädt für den 10. Februar von 17:00 bis 19:00 Uhr zu einer „AG-Gedenkstein“ ein. Anlass bildet ein Findling auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Einrichtung, der an die politischen Ereignisse des 1. Mais 1929 erinnern soll und in den 1950er Jahren enthüllt wurde. Nach dem Wunsch der Initiatoren dieser AG-Gedenkstein soll dort zukünftig eine zusätzliche Gedenktafel die historischen Zusammenhänge erläutern.