Nur mal kurz in den Baumarkt?

Warteschlange vor dem Baumarkt

Draußen im Park liegen oder stundenlang die Sonne genießen ist im Moment etwas schwierig – Zeit also, den Balkon aus dem Winterschlaf zu holen. Baumärkte dürfen noch geöffnet haben, sie gehören in Berlin zu den systemrelevanten Betrieben. Was wäre der Deutsche auch ohne seinen Baumarkt? Wenn man sich die teilweise mehrere hundert Meter langen Schlangen vor Bauhaus, OBI, Hellweg und Co. anschaut, wird klar: Die Menschen brauchen in Zeiten der Ausgangsbeschärnkungen Beschäftigungen oder haben vielerorts Projekte in Angriff genommen, für die sie auch mal willens sind, stundenlang anzustehen.

Noch nicht vom Winde verweht: die Sanddüne Wedding

Irgendwie will diese eigenartige Landschaft nicht an diesen Unort passen. Auf der einen Seite liegt die Sprint-Tankstelle am Bauhaus-Baumarkt, davor ein Geschäftshaus und nebenan ein paar Mehrfamilienhäuser. Mit Hilfe von Freiwilligen ist es in den letzten Jahren gelungen, die Düne wieder als ein deutschlandweit einmaliges innerstädtisches Naturschutzgebiet erlebbar zu machen.

Kolumne: Richtig gedübelt

Was ist bloß los mit den Frauen in Wedding? Sie organisieren Kulturfestivals, gründen Second-Hand-Läden oder schicke Bars und machen Politik. Viele von ihnen ziehen noch das eine oder andere Kind groß, gehen nebenher arbeiten oder studieren. Die Frauen in Wedding können offensichtlich alles, aber „Bauhaus“ befürchtet: sie können keine Bohrmaschine halten, keinen Nagel in die Wand schlagen, kein Regal zusammenbauen… Wie anders ist zu erklären, dass der Baumarkt am Kapweg einen Tag vorm Weltfrauentag ausschließlich Frauen zu Heimwerker-Workshops namens „Women’s Night“ einlud. Das ist mal eine Firma, die die Defizite der gemeinen Weddingerin erkannt hat und etwas dagegen unternimmt. Ganz selbstlos – selbstverständlich!

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls jeden Samstag im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.