Sinuscase: Der Ghettoblaster des 21. Jahrhunderts

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Ein Koffer wird zum Lautsprecher (Bild: sinuscase)
Ein Kof­fer wird zum Lautsprecher…

Mit einem alten grü­nen Sieb­zi­ger­jah­re-Kof­fer in der Tür­ken­stra­ße fing alles an. Weil er alte Sachen schick fin­det, nahm Alex­an­der Hor­nung das her­ren­lo­se Gepäck­stück mit in sei­ne Wed­din­ger Woh­nung. „Als mir ein­mal mein PC-Laut­spre­cher auf den Boden fiel und in sei­ne Ein­zel­tei­le zer­sprang, hat­te ich einen Ein­fall“, erzählt der 34-Jäh­ri­ge. Denn Alex­an­der ist umwelt­be­wusst und wirft nicht gleich alles Alte weg – so er fing er an, Musik­bo­xen in Kame­ra­ta­schen und Kof­fer ein­zu­bau­en. Die Idee zum Sinu­s­ca­se war geboren!

Sinuscase Lederkoffer „Ich habe früh gemerkt, dass ich etwas Hand­werk­li­ches machen will“, sagt der Künst­ler, der in sei­nem Schlaf­zim­mer sägt, bohrt und schraubt. Dort wer­den die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten auf das jewei­li­ge Aus­gangs­pro­dukt abge­stimmt. Alex­an­ders Woh­nung ist vol­ler Schät­ze, die er im Lau­fe der Zeit zusam­men­ge­tra­gen hat. Und in der „Wed­din­ger Luft“, wo er die bes­ten Ideen hat, fühlt sich Alex­an­der nach 36 Umzü­gen end­lich am rich­ti­gen Ort. „Ich fin­de den Wed­ding tem­pe­ra­ment­voll, weil er noch so ist wie Ber­lin frü­her war, ruhig, weil einen die Leu­te auf der Stra­ße irgend­wann grü­ßen und lie­be­voll, weil ich die unfreund­li­chen Men­schen gar nicht mehr bemerke.“

Tragbares Design für tragbare Musik

Alexander HornungZurück zur Tech­nik der klin­gen­den Kof­fer und Taschen. Zwei Drei-Wege-Horn­bo­xen brin­gen eine Leis­tung von bis zu 150 Watt, die von einen leis­tungs­star­ken 300-Watt-Ver­stär­ker gespeist wer­den. Die Sinu­s­ca­se-Uni­ka­te kann man zuhau­se mit dem mit­ge­lie­fer­ten Netz­teil betrei­ben, doch für unter­wegs besit­zen sie einen 12 Volt-Akku, der sechs bis sie­ben Stun­den hält. Einen MP 3‑Player kann man dank der ein­ge­bau­ten Buch­sen an jedes Sinu­s­ca­se pro­blem­los anschlie­ßen. Neu­er­dings gibt es auch Kof­fer mit Blue­tooth-Ver­bin­dung –  für alle, die die Kabel stö­ren. „Wich­tig ist mir der mobi­le Ein­satz“, sagt der gebür­ti­ge Saar­län­der, der schon seit jeher auf Floh­märk­ten unter­wegs ist. Mit sei­nem blau­en Klang­kof­fer beschallt er die Stra­ßen im Wed­ding, in Fried­richs­hain und in der U‑Bahn, vor­zugs­wei­se mit elek­tro­ni­scher Musik. Die­se Form der „Wer­bung“ ist dem Tüft­ler wich­tig, denn dadurch erlebt er über­wie­gend posi­ti­ve Reak­tio­nen. „Man wird von Leu­ten auf das Sinu­s­ca­se ange­spro­chen, von denen man es am wenigs­ten erwar­tet“, berich­tet Alex­an­der über sei­ne Erfah­run­gen. Die Musik passt zu Ber­lin, fin­det er, und ohne sie wäre das Leben nur halb so schön. Er hat für sich auch die schö­nen alten Kof­fer­ra­di­os ent­deckt: “Die sind so schön hand­lich und sehen toll aus!”

Aus alt mach neu (Foto: sinuscase)

Upcycling mit dem gewissen Berlin-Touch

Doch das Sinu­s­ca­se steht nicht nur für ange­sag­tes Ber­lin-Flair, son­dern ist auch ein Aus­druck für Nach­hal­tig­keit. Alte, schein­bar wert­lo­se Din­ge wer­den mit einer neu­en Nut­zung auf­ge­la­den und behal­ten trotz­dem ihre Ästhe­tik. Der Besit­zer wird Teil der Geschich­te des Kof­fers und ver­fügt über ein höchst indi­vi­du­el­les Pro­dukt. Alex­an­der beschreibt es so: „Du kannst Dei­ne Musik mit einem Pro­dukt, das auch ein schö­nes Design hat, in die Welt her­aus­tra­gen.“ Außer­dem möch­te er Künst­lern die Mög­lich­keit geben, ihr Design mit sei­ner Hil­fe umzu­set­zen. Übri­gens freut sich Alex­an­der auch über Kof­ferein­sen­dun­gen aller Art…

Fotos: sinu­s­ca­se

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Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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