Paul Bokowski, der Autor, der seine Gedichte versteckt

Cover des Buches „Nehmen Sie meine Hand da weg“. Grafik: Goldmann Verlag

Paul Bokowski ist ein vielbeschäftigter Autor. Dennoch ist es dem Weddingweiser exklusiv gelungen, ihm ein Interview abzuluchsen. Könnte sein, er war gerade auf dem Weg zum Bücherladen Belle-Et-Triste, um nachzusehen, ob schon jemand sein neues Buch „Bitte nehmen Sie meine Hand da weg“ gekauft hat. Das neue Standardwerk ist ja ganz neu auf dem Markt und braucht noch hin und wieder Zuneigung. Könnte sein, dass er uns auf die Fragen, die wir ihm zurufen konnten, eiligen Schrittes Antworten zurückgab. Könnte aber auch ein klassisches Frage-Anwort-Spiel sein:

Hallo Herr Bokowski, in Ihrem gerade erschienen Buch »Bitte nehmen Sie meine Hand da weg« kommt der Wedding nur am Rande vor. Wir vom Weddingweiser schreiben täglich über den Wedding! Was fällt Ihnen eigentlich ein?

Paul Bokowski: Ach, ich halte es da wie Thomas Mann. Oder war es Harald Juhnke, der gesagt hat „Wedding ist, wo ich bin“? Zwei Bücher über meine Wahlheimat habe ich schon abgeliefert, das Standardwerk ist dabei immer noch „Hauptsache nichts mit Menschen„. Aber nach fast zwei Dekaden Müllerstraße wird es langsam Zeit den Wedding anderorts zu suchen. Ich war im Wedding Bayerns (Fürth), im Wedding des Ruhrgebiets (Dortmund), im Wedding Frankfurts (Offenbach) und im Wedding Magdeburgs (Magdeburg). Mein neues Buch ist voller Weddinggeschichten. Man merkt es nur nicht gleich.

Paul Bokowski, wenn er kurz aufschaut vom Dichtertisch. Foto Jan Kopetzky

Frage: In Ihrem Buch machen Sie sich über Familienmitglieder, bestimmte Fans von Ihnen, über Bahnfahrer und überhaupt eigentlich alle lustig. Warum wollen Sie es sich unbedingt mit allen verscherzen?

Paul Bokowski: Moment bitte! Ich habe Fans!? Vor allem gehe ich auch sehr schonungslos mit mir selbst um. Man muss einstecken können, wenn man austeilen möchte. Vielleicht die wichtigste Lektion, die ich in 800 bis 900 Besuchen im Netto am Leopoldplatz gelernt habe. Dieser spöttische, trockene, fatalistische Humor, der nicht von oben herab auf einen eindrischt, sondern schonungslos, aber ganz ohne böswillige Absichten von der Seite angerauscht kommt. Nur von Andreas-Gabalier-Fans würde ich mich fernhalten. Auch humoristisch. Man soll ja keine Witze machen über intellektuell benachteiligte Menschen.

Eigentlich harken Sie auch in Ihrem dritten misanthropischen Standardwerk nur das Beste aus Ihren Lesebühnentexten zusammen – warum schreiben Sie nicht einmal ein richtiges Buch? Den ultimativen Wedding-Roman zum Beispiel?

Paul Bokowski: Erstens ist mein Weddinger Wunschtitel »Wo die wilden Kerle wohnen« leider schon vergeben. Und zweitens: Können Sie bitte aufhören meinen Masterplan zu spoilern! Aber bis dahin empfehle ich gerne Bücher, die einem ultimativen Wedding-Roman erschreckend nahe kommen. „Großer Bruder Zorn“ zum Beispiel, vom fantastischen Johannes Ehrmann.

Zu guter Letzt: Wohnen Sie wirklich im Brüsseler Kiez oder schreiben Sie das nur so hin und sagen dichterische Freiheit? Sind Sie überhaupt ein Dichter?

Paul Bokowski: Wenn dieses Interview viral geht, ziehe ich rüber nach Charlottenburg. Ansonsten bleibe ich noch zwanzig oder dreißig Jahre in meiner kleinen Brüsseler Butze, irgendwo zwischen Cittipoint und Anti-Kriegs-Museum. Sofern der Gott des Mietpreisdeckels mir gewogen ist. Ach und ob ich dichten kann, dass müssen meine Leser und Leserinnen selbst entscheiden. Irgendwo im neuen Buch ist ein Gedicht versteckt.

„Bitte nehmen Sie meine Hand da weg“ erschien im August im Goldmann Verlag, kostet 10 Euro, 192 Seiten, ISBN 978-3-442-48895-7.

Autorenfoto Andrei SchnellAndrei Schnell trifft Paul Bokowski und hat spontan ein paar Fragen.


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