O-Slow: Immer alles anders

Schon öfter lief ich an den holzverkleideten Laden in der Schwedenstraße 3b auf dem Weg zum U-Bahnhof Osloer Straße vorbei. Die ersten Male habe ich ihn bestimmt übersehen. Denn außer einer Kreidetafel, welche dem Vorbeigehenden vor dem kleinen Restaurant das fast täglich wechselnde Gericht verrät, deutet nicht gerade viel auf die japanisch-libanesische Fusionsküche hin. Doch reichte ein kurzer achtsamer Blick, um mich neugierig zu machen: die Einrichtung, das Essen und das Konzept. Das funktioniert vielleicht im Sprengelkiez, aber hier?

Alles anders, alles neu

Mami Yamasaki, Wissam Khaled und Wahid el Solh sind mittlerweile keine neuen Hasen mehr im Kiez. Nachdem sich das Trio während eines Festival in Schweden zum Kochen zusammengetan hat, entstand 2018 der große Traum vom eigenem Lokal: das O-Slow. Die vielen Stunden Fleißarbeit und eine gewisse Ungewissheit haben sich allerdings vollends ausgezahlt. Schon beim Betreten des Ladens wurde ich sowohl von dem heutigen Koch, Wissam, als auch von etlichen Aromen eingenommen. Herzlich empfangen beobachtete ich das Geschehen in der offenen Küche und war von den Multi-Tasking-Fähigkeiten Wissams sehr begeistert. Er kocht, empfängt, bedient und erklärt. Denn die Besonderheit ist, dass es nur ein Menü pro Tag gibt und dieses auf einem Teller angerichtet wird. Das ist, wenn man darauf nicht vorbereitet ist, durchaus ungewöhnlich, aber erleichtert mit Sicherheit die Entscheiden der Bestellung. Ein wilder, kulinarischer Mix aus japanischen und libanesischen Klassikern lässt fast jeden Tag eine neue gastronomische Kreation entstehen. Abhängig davon, wer der drei Betreiber:innen gerade arbeitet, überwiegt die nahöstliche oder japanische Länderküche.

 

Das Gericht des Tages

In unserem Fall hatte das Menü folgendes zu bieten: Selbstgemachte Falafel mit eingelegtem Gemüse, Sesamsoße und Brot, ordentlich viel Koriander, einem Onigiri Sushireisball und einer Daikon Miso Suppe. Alles vegan – das ist es fast immer. Und wenn doch mal Milch- oder Eiprodukte verwendet werden, dann in Bioqualität und optional. Gespannt warteten wir auf unsere Speisen und machten es uns im hinteren Raum an einen der niedrigen Tische gemütlich. Auf dem Boden sitzend erklang aber schon bald die Glocke – unser Zeichen. Das Essen ist fertig! Was zuerst nach Tapas und überschaubaren Häppchen klang, stellte sich als vollwertiges Gericht raus. Und nicht nur die Menge überzeugte: Geschmacklich hat mich vor allem die Falafel überrascht. Frisch zubereitet und mit Gewürzen und Kräutern fein abgeschmeckt, hat der Wedding für mich einen neuen Anlaufspunkt, wenn es um die frittierten Kichererbsenbällchen geht. Aber dann heißt es wohl hoffen, dass diese auch auf dem Tagesprogramm stehen. Denn das Gericht wird erst kurz vor Öffnung manuell auf die Kreidetafel geschrieben und digital auf Facebook veröffentlicht. Frei nach dem Motto: Lass dich überraschen!

Überraschend gut funktioniert diese Fusionsküche in meinen Augen. Das kann bei diesem Geschäftsmodell nicht nur an den Kochkünsten von Mami, Wissam und Wahid liegen. Auf einem so engen Raum zusammenzuarbeiten, da muss auch die Chemie stimmen.  Aber das tut es – und das spürt man. Die einzelnen Bestandteile auf dem Teller funktionieren alleinstehend, aber eben auch in Kombination. Und so ist es auch mit den drei Besitzer:innen: Mal kochen und arbeiten sie zusammen, mal trifft man nur eine der drei Personen an. Es kann also bei jedem Besuch alles anders sein. Macht das nicht den Reiz aus?

Den moderaten Preis von 7,50 Euro pro Gericht zahlte ich gerne und verließ das O-Slow mit der Sicherheit, wiederzukommen. Wer also auf der Suche nach einer etwas sonderbaren asiatischen Küche im Wedding ist, sollte sich unbedingt einmal absichtlich in diesen Laden verlaufen!

 

O-Slow


Schwedenstr. 3b, 
13357 Berlin 



Mo.-Di. geschlossen
, Mi.-Sa. 18-23 Uhr
 So. geschlossen



Facebook: https://www.facebook.com/o.slow.berlin/



 


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