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Wohnungsbau:
Zentraler Festplatz: Platz für einen neuen Kiez

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Wenn Ber­lin Neu­bau in ande­ren Dimen­sio­nen als bis­her will, dann braucht es Flä­chen. Gro­ße Flä­chen. Und tat­säch­lich ver­fügt auch der dicht besie­del­te Wed­ding über aus­rei­chend Platz, um einen kom­plet­ten neu­en Kiez für zehn­tau­sen­de Ein­woh­ner zu bau­en. Der Zen­tra­le Fest­platz ist eine rie­si­ge Bra­che, über 23,5 Hekt­ar groß. Das ent­spricht in etwa dem Brüs­se­ler Kiez. Wie ist der Stand?

Zentraler Festplatz
Zen­tra­ler Fest­platz bie­tet Platz für viel Neu­bau. Foto: And­rei Schnell

Der im Herbst gewähl­te neue Senat hat in sei­nem Koali­ti­ons­ver­trag die Flä­che aus­drück­lich erwähnt: „Woh­nungs­bau­po­ten­zia­le in wei­te­ren Quar­tie­ren wie zum Bei­spiel Eli­sa­beth-Aue, Zen­tra­ler Fest­platz und Späths­fel­de wer­den aus­ge­lo­tet und mit kon­kre­ten Zah­len untersetzt.‟ 

Das Ziel ist so klar for­mu­liert, dass der Ver­band der Schau­stel­ler, der den Zen­tra­len Fest­platz nutzt, geschockt ist: „Jetzt wol­len die künf­ti­gen Regie­rungs­frak­tio­nen den Schau­stel­lern end­gül­tig die Exis­tenz­grund­la­ge ent­zie­hen.‟ Inves­ti­tio­nen in Mil­lio­nen­hö­he sei­en geflos­sen. Pro Jahr kämen hun­dert­tau­send Besu­cher zu ein Dut­zend Ver­an­stal­tun­gen. Micha­el Roden, Vor­sit­zen­der des Schau­stel­ler­ver­ban­des Ber­lin e. V. spricht von Publi­kums­ma­gne­ten und ver­gleicht den Zen­tra­len Fest­platz mit der The­re­si­en­wie­se und dem Wie­ner Prater.

Neu ist die Idee, einer Bebau­ung des Zen­tra­len Fest­plat­zes nicht. Die Bezirks­po­li­tik hat die Flä­che an der Auto­bahn in der Nähe des Flug­ha­fens im Jahr 2019 als Ent­wick­lungs­ge­biet erkannt. In einem Beschluss der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) vom Dezem­ber 2019 heißt es, Mit­te soll nach Ablauf des Miet­ver­tra­ges am 31.12.2028 zusam­men mit dem Senat ein neu­es Stadt­quar­tier pla­nen. Als letz­ten Stand der Ent­wick­lung teil­te Stadt­rat Ephraim Gothe der BVV am 19. Okto­ber mit, dass in der Taskfor­ce Stadt­quar­tie­re und Ent­wick­lungs­räu­me über den Zen­tra­len Fest­platz dis­ku­tiert wird. Ers­ter Schritt sei, eine Mach­bar­keits­stu­die aus dem Jahr 2018 zu ana­ly­sie­ren. Die­se Ana­ly­se steht nun an. Die Taskfor­ce ist vom Senat 2018 ein­ge­rich­tet wor­den, um den Bau ein­zel­ner neu­er gro­ßer Stadt­quar­tie­re zu beschleu­ni­gen. Mit­glie­der sind Ver­tre­ter meh­re­rer Senats­ver­wal­tun­gen und Bezirke. 

Der Zen­tra­le Fest­platz wur­de vor acht Jah­ren mit dem Bebau­ungs­plan III-231 als Ver­an­stal­tungs­ort fest­ge­schrie­ben. Die­ser müss­te also zunächst geän­dert wer­den, damit frü­hes­tens ab 2028 mit Bau­ar­bei­ten begon­nen wer­den könnte.

Vorgeschichte

Vor 1989 fan­den vie­le gro­ße Fes­te in West-Ber­lin an der Jaf­fé­stra­ße oder dem Klin­gel­hö­fer-Drei­eck statt. Wiki­pe­dia notiert, dass das bekann­te Deutsch-Fran­zö­si­sche Volks­fest „ins­be­son­de­re nach dem Umzug auf den zen­tra­len Fest­platz im Jahr 2000‟ an Bedeu­tung und Umfang ver­lo­ren hat.

Inter­es­se an der Flä­che hat­te zwi­schen­zeit­lich der Fuß­ball­ver­ein Her­tha BSC. Er woll­te 2018 auf der Frei­flä­che ein eige­nes Stad­ti­on bau­en. Auf der Web­sei­te des Fuß­ball­clubs heißt jetzt: „Es gibt erheb­li­che Beden­ken, dass die Vor­aus­set­zun­gen für einen Neu­bau in abseh­ba­rer Zeit geschaf­fen wer­den können.‟

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Der Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Außerdem: Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Und: Politik sehe ich mir an wie Sportwettbewerbe. Plus: Lese ich ein Buch, dann möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich abschließend erwähnen.

1 Comment

  1. Ich fän­de die­sen Ort als ein Stand­ort für ein eige­nes Sta­di­on für Her­tha BSC sehr char­mant. Liegt die­ser Ort doch gera­de noch so in den Gren­zen des Wed­dings, wür­de die Alte Dame in ihre his­to­ri­sche Hei­mat zurück­keh­ren. Der direk­te Umkreis (Wed­ding, Rei­ni­cken­dorf, Char­lot­ten­burg) hat ja auch nicht gera­de weni­ge Her­tha-Fans beheimatet.
    Rein orts­tech­nisch ist es natür­lich etwas schwie­ri­ger, vor allem was den Aus­bau des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs angeht. Hier müss­te für die An- und Abrei­se der Fans natür­lich noch Infra­struk­tur geschaf­fen wer­den, anders als bei einem Neu­bau auf dem Olym­pia­ge­län­de. Eine Anrei­se mit Auto (Auto­bahn direkt neben­an), Fahr­rad und Schiff (mit dem alten Grün­dungs­damp­fer der Her­tha über den direkt am Kanal anrei­sen – nost­al­gi­scher geht es kaum) hin­ge­gen sind an die­sem Ort schon sehr gut umsetzbar.
    @Weddingweiser: ich weiß nicht, ob ihr fol­gen­den Arti­kel schon ent­deckt habt, der seit seit eini­gen Tagen durchs Inter­net kur­siert. Sehr inter­es­san­te Idee und Kon­zep­ti­on eines Sta­di­ons an eben die­sem Ort:
    https://blog.allplan.com/de/neues-fussballstadion-fuer-hertha-bsc?utm_campaign=AT-2022-Social-Traffic&utm_content=193963279&utm_medium=social&utm_source=twitter&hss_channel=tw-1354717069598720001

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