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Einzelhandel:
Kein Post-Covid auf der Müllerstraße

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Coro­na war (oder ist wei­ter­hin) eine Kri­se. Traf sie auch den Ein­zel­han­del? Die Ant­wort für die Mül­ler­stra­ße lau­tet: wohl eher nicht. 

Optik Schmiedeke
Nofre­te wirbt für Optik Schmie­de­ke. Foto: And­rei Schnell

Sym­pto­ma­ti­sches Bei­spiel ist das Geschäft Optik Schmie­de­ke, das lan­ge in der Mül­ler­stra­ße 41 ansäs­sig war. Fast schon ein Wahr­zei­chen ist die Fir­men­wer­bung an der zen­tra­len Kreu­zung Mül­ler­stra­ße und See­stra­ße. Das Wand­bild zeigt ein ägyp­ti­sches Motiv und den Fir­men­na­men in ecki­gen Buch­sta­ben. Der Opti­ker ist im Som­mer 2020 von der Mül­ler­stra­ße fort­ge­zo­gen. Aller­dings ist nicht Coro­na die Ursa­che für den Rück­zug. Das Unter­neh­men gibt die ewi­ge Bau­stel­le am U‑Bahnhof See­stra­ße als Grund an. Optik Schmie­de­ke gibt es wei­ter­hin im Nor­den Ber­lins. Das Unter­neh­men betreibt zwei Filia­len in Rei­ni­cken­dorf und eine in Pankow.

Foto: Rolf Fischer

Tat­säch­lich ein Coro­na-Opfer ist das Braut­mo­den-Geschäft Hap­py Day (dazu unser Bericht) in der Mül­ler­stra­ße 116–117. Die Suche nach einem Nach­fol­ger gestal­te­te sich schwie­rig. In den Jah­ren der Lock­downs wur­de sie aus­sichts­los. Die Geschäfts­auf­ga­be ist ein Bei­spiel für einen seit län­ge­rem anhal­ten­den Trend, dass alt­ein­ge­ses­se­ne Tra­di­ti­ons­ge­schäf­te von der Mül­ler­stra­ße verschwinden.

Von einer all­ge­mei­nen Kri­se ins gefähr­li­che Schlin­gern geriet offen­bar Kar­stadt. Anwoh­ner berich­ten, dass wäh­rend der Coro­na­zeit die Mit­ar­bei­ter es nicht immer schaff­ten, sämt­li­che Waren aus­zu­le­gen. Ver­mut­lich war Kurz­ar­beit der Grund. Kein gutes Zei­chen war, dass Ostern der tra­di­tio­nel­le Hase mit der Scho­ko­la­den-Wer­bung auf dem Dach des Waren­hau­ses fehl­te. 2020 hat­te der Bezirk eine Unter­stüt­zungs­ak­ti­on für Kar­stadt gestar­tet. Die Akti­on „wie auch Gesprä­che auf allen Ebe­nen‟ hal­fen dabei, dass Kar­stadt den Stand­ort Mül­ler­stra­ße „für zunächst drei Jah­re‟ sicher­te, sagt ein Pres­se­spre­cher des Bezirks.

Karstadt

Für die gesam­te Mül­ler­stra­ße kann das Fazit gezo­gen wer­den, dass die Coro­na-Kri­se die Geschäfts­stra­ße glimpf­lich traf. In den letz­ten Mona­ten eröff­ne­ten zudem zahl­rei­che neue Läden. Unter ihnen befin­den sich auf­fäl­lig vie­le Restau­rants. Eine syri­sche Kon­di­to­rei (unser Bericht), ein Bub­ble-Waf­fel-Eis-Laden, ein viet­na­me­si­sches Restau­rant (unser Bericht) oder ein afgha­ni­sches Restau­rant sind die neu­en Ver­lo­ckun­gen auf der vor Zei­ten „Ku-damm des Nor­dens‟ genann­ten Müllerstraße. 

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Der Text stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Wei­te­re Aus­geh­mög­lich­kei­ten auf der Mül­ler­stra­ße haben wir hier auf­ge­lis­tet

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

5 Comments

  1. Hal­lo

    ja dar­über bin ich auch erstaunt das wäh­rend der letz­ten 2 Jah­re kein Laden plei­te gegan­gen ist !! zum Glück nicht mein Lieb­lings­ca­fe mit teu­rem Kaf­fee und den für mich leckers­ten Tor­ten .…Cho­ko­la­ta

    Freß­mei­le !!?? nun die hier vor­ge­stell­ten Kaffee‘s und Restau­rants von der Redak­ti­on sind mir Alle 10x lie­ber als die gan­zen Mobil­te­le­fon-Läden und der glei­chen … da hät­te man schon vor 20 Jah­ren drauf ach­ten sol­len, das daß anders kommt

    Din­ge des täg­li­chen (oder auch außer­or­dent­li­chen) Bedarfs nicht mehr erhält­lich sind.…. ?? also wenn man die Augen auf macht gibt es die­se Läden , es gibt ca 5 gro­ße Super­märk­te hin­zu kom­men 3 Tür­ki­sche Süper­mar­ket 3x DM Mül­ler-Dro­ge­rie Läden wie KIK Tedi und Pfen­nig­land jede Men­ge Bäcke­rei­en und Apo­the­ken .… als mein lie­ber Schöl­li wer die nicht fin­det braucht ne ´ Bril­le von Fielmann

    in die­sem Sinne

  2. Auch wenn es für die neu­en Betrei­ber schön ist – in mei­nen Augen ver­kommt die Mül­ler­str. dadurch immer mehr zu einer Freß­mei­le, wäh­rend Din­ge des täg­li­chen (oder auch außer­or­dent­li­chen) Bedarfs nicht mehr erhält­lich sind.
    Wie im Bericht geschil­dert: Den Schlie­ßun­gen von meh­re­ren Fach­ge­schäf­ten ste­hen aus­schließ­lich Restau­rants ent­ge­gen. Wer die­se Ent­wick­lung toll fin­det? Also ich nicht!

    • Hal­lo Jupp Schmitz, Fress­mei­le klingt für mich so als wür­de einer der liebs­ten Frei­zeit­be­schäf­ti­gung der Men­schen auf der glei­chen Stu­fe wie Wett­bü­ro und Spiel­hal­le ste­hen. Wenn die Leu­te Din­ge lie­ber im Inter­net kau­fen und im rea­len Leben sich auf ein Kum­pir oder eine Piz­za tref­fen, dann habe ich nichts dage­gen. Haupt­sa­che es quirlt. VG And­rei Schnell

    • Jupp schmitz

      also die Defi­ni­ti­on von Din­ge des täg­li­chen Bedarfs ist folgende…

      Mit dem Begriff „Geschäf­te des täg­li­chen Lebens“ ist der Erwerb von Gegen­stän­den des täg­li­chen Bedarfs gemeint. Der Begriff umfasst also bei­spiels­wei­se den Kauf von Nah­rungs­mit­teln, Genuss­mit­teln, Kos­me­ti­ka, Büchern und Zei­tun­gen, Tex­ti­li­en, Por­to, die Füh­rung von Tele­fo­na­ten, die Inan­spruch­nah­me von öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, den Fri­seur­be­such oder den Besuch von Veranstaltungen.

      … und sie sind der Mei­nung das die­se Din­ge auf der Mül­ler nicht mehr erhält­lich sind .… löst Kopf­schüt­teln bei mir aus 

      für den Begriff außer­or­dent­li­chen Bedarf hab ich nichts gefun­den … scheint also eine eige­ne Wort­schöp­fung von Ihnen zu sein 

      Also Augen auf beim nächs­ten mal wenn sie über die Mül­ler schlen­dern dann wer­den ihnen die Augen über­ge­hen wie­viel Din­ge des täg­li­chen Bedarfs dort zu kau­fen gibt … oder mei­nen sie eine ande­re Mül­ler Str 

      in die­sem Sinne

    • Ich muß auch sagen, daß die Mül­ler­stra­ße immer mehr ver­kommt. Es war mal eine schö­ne Ein­kaufs­stra­ße mit unter­schied­li­chen Ange­bo­ten. Es gab mal zwei Näh­ma­schi­nen-Läden, lei­der sind bei­de Läden weg oder der Kräuterladen,auch die­ser ist nicht mehr da.
      Sobald ein Laden schließt, ent­steht ein neu­es Restau­rant oder ein Imbiss. Die­se Ent­wick­lung kann man in vie­len Stra­ßen sehen, die Resi­denz­stra­ße zum Bei­spiel. Hier ent­ste­hen auch nur Restau­rants und Bar­bie­re (inzwi­schen 5–6 Läden ‚zum Teil nebenan).

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