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In Sorge um die Galerie Wedding

Galerie Wedding
Die Gale­rie Wed­ding in der Mül­ler­stra­ße. Foto: Hensel

Die Gale­rie Wed­ding in der Mül­ler­stra­ße wird der­zeit teil­wei­se vom Sozi­al­amt des Bezirks genutzt. Im Rah­men der Maß­nah­men zur Ein­gren­zung der Coro­na-Pan­de­mie wur­den die Räu­me der Kom­mu­na­len Gale­rie für den Amts­be­trieb benö­tigt. Aus­stel­lun­gen sind daher nur stark ein­ge­schränkt mög­lich. Wäh­rend ähn­li­chen Zwi­schen­nut­zun­gen in ande­ren Bezir­ken bereits been­det sind, ist dies im Wed­ding nicht der Fall. Der Arbeits­kreis der Kom­mu­na­len Gale­rien Ber­lin hat sich des­halb am 15. Juli mit einem Brief an Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel gewandt, in der die Sor­ge um Fort­be­stand der Gale­rie Wed­ding aus­ge­drückt wurde.

Wir ver­öf­fent­li­chen den Brief des Arbeits­krei­ses der Ber­li­ner Gale­rien in unge­kürz­ter Fassung:

„Sehr geehr­ter Herr Bezirksbürgermeister,

wie wir heu­te wäh­rend der Sit­zung des Arbeits­krei­ses der Kom­mu­na­len Gale­rien Ber­lins erfah­ren haben, wird der Stand­ort der Gale­rie Wed­ding wei­ter­hin und auch in abseh­ba­rer Zukunft – wenn nicht gar lang­fris­tig – für Bedar­fe des Sozi­al­am­tes Ihres Bezirks genutzt und somit dort kein geord­ne­ter Gale­rie­be­trieb und nur höchst ein­ge­schränk­te und man­gel­haf­te Aus­stel­lun­gen statt­fin­den kön­nen. Damit droht der Ver­lust und die Gefähr­dung einer der wich­tigs­ten Kom­mu­na­len Gale­rien der Stadt.

Bei allem Ver­ständ­nis für die Belan­ge des Sozi­al­am­tes und dass in Coro­na-Zei­ten die Raum­si­tua­ti­on in vie­len Bezirks­äm­tern sich schwie­rig gestal­tet, kann es nicht sein, dass eine Gale­rie ihre Räu­me ver­liert und damit ihre Arbeit nicht fort­set­zen kann. Sozia­les und Kul­tur dür­fen nicht gegen­ein­an­der aus­ge­spielt werden!

Die Fol­gen der Schlie­ßung und Beschlag­nah­mung der Gale­rie wäh­rend des lau­fen­den Jah­res – nach­dem alle wei­te­ren 33 Kom­mu­na­len Gale­rien der Stadt ihren regu­lä­ren Betrieb wie­der auf­ge­nom­men haben – sind nicht abzusehen:

Der Stadt­teil Wed­ding und Ihr gan­zer Bezirk ver­lie­ren an Aus­strah­lung und einen für die Bevöl­ke­rung und die Kunst­sze­ne wich­ti­gen Treffpunkt
Ein Kura­to­ren­team und Mitarbeiter*innen der frei­en Sze­ne ver­lie­ren ihr Tätigkeitsfeld
Zwei wis­sen­schaft­li­che Volontär*innen ver­lie­ren ihren Arbeitsplatz
Ein span­nen­des, abge­stimm­tes und sozi­al enga­gier­tes Pro­gramm kann nicht umge­setzt werden
Koope­ra­ti­ons­part­ner wer­den brüs­kiert und bestehen­de Ver­trä­ge gebrochen
Künstler*innen ver­lie­ren eine wich­ti­ge pro­fes­sio­nel­le Präsentationsmöglichkeit
Das brei­te Publi­kum der Gale­rie steht vor ver­schlos­se­nen Türen und kann kul­tu­rel­le Ange­bo­te nicht wahrnehmen
För­der­mit­tel kön­nen zum Nach­teil von Künstler*innen und Gale­rie nicht ver­aus­gabt werden
Ver­trä­ge mit Künstler*innen und Dienstleiter*innen wer­den nicht ein­ge­hal­ten, es ent­steht ein wirt­schaft­li­cher Scha­den für das Land Berlin
Der gute Ruf der Gale­rie wird in der Öffent­lich­keit nach­hal­tig beschädigt

Sie sehen: Die Kul­tur in Ihrem Bezirk nimmt gro­ßen Scha­den an!

Die Signal­wir­kung in der Stadt, die eine sol­che Beschlag­nah­mung und Schlie­ßung besitzt, ist ver­hee­rend: kom­mu­na­le Kul­tur­ar­beit kann ver­nach­läs­sigt wer­den. Anders als vie­ler­orts betont wird: Kul­tur­ar­beit ist nicht sys­tem­re­le­vant und gehört nicht zur Grund­ver­sor­gung der Bürger*innen. Es ver­steht sich von selbst, dass wir Ihre Hal­tung nicht nach­voll­zie­hen können.

Auch ist es nicht vor­stell­bar, dass es in Ihrem gro­ßen Bezirk kei­ne ande­ren räum­li­chen Lösun­gen für die Auf­ga­ben des Sozi­al­am­tes gibt. In allen ande­ren Bezir­ken wur­den Hygie­nekon­zep­te auf­ge­stellt und Lösun­gen gefun­den. Nur in Ihrem Bezirk wird kul­tu­rel­le Infra­struk­tur gefähr­det und in Fra­ge gestellt! Auch – oder gera­de – in Coro­na-Zei­ten ist die nicht zu erklä­ren und nicht zu verantworten.
Die Mit­glie­der des Arbeits­krei­ses erwar­ten eine zeit­na­he ordent­li­che Wie­der­eröff­nung der Gale­rie Wedding!

Mit freund­li­chen Grüßen
Sté­pha­ne Bau­er und Karin Scheel
Sprecher*innen des Arbeits­krei­ses der Ber­li­ner Galerien“

Galerie Wedding
Blick auf die Gale­rie Wed­ding. Foto: Hensel

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

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