Das himmelbeet und der Kunstrasen

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Himmelbeet 20140628_150127Wo momen­tan die Bee­te des inter­kul­tu­rel­len Gemein­schafts­gar­tens him­mel­beet blü­hen, könn­ten bald Kunst­ra­sen­plät­ze ent­ste­hen. An der Ecke Ruhe­platz- und Schul­stra­ße plant »AMANDLA Edu­Foot­ball e.V.« aus Mün­chen ein Fuß­ball-Bil­dungs­zen­trum für Kin­der und Jugend­li­che aus dem Wed­ding. Neben­an will der Bezirk Mit­te eine Turn­hal­le bau­en, auf deren Dach der Gemein­schafts­gar­ten eine neue Hei­mat fin­den soll. Das “him­mel­beet” hat sich Ende Mai für ein Mit­ein­an­der bei­der Pro­jek­te auf der­sel­ben Flä­che aus­ge­spro­chen und macht sich nun für eine gemein­sa­me Pla­nung stark.

Vor gut einem Jahr war der “AMANDLA Edu­Foot­ball e.V.” aus Mün­chen an den Bezirk Mit­te her­an­ge­tre­ten. Nach dem Vor­bild sei­ner “Safe-Hubs” in Süd­afri­ka will er auch in Ber­lin ein Bil­dungs­zen­trum für Kin­der und Jugend­li­che auf­bau­en. Dabei nutzt der Ver­ein die Kraft des Fuß­balls, die der Ver­eins­grün­der Flo­ri­an Zech 2006 wäh­rend sei­nes Zivil­diens­tes in einem Wai­sen­heim in einem Town­ship bei Kap­stadt ent­deckt hatte:

Über den popu­lä­ren Sport war es dort gelun­gen, vie­le Kin­der und Jugend­li­che vor den Ver­lo­ckun­gen der Halb­welt aus Gangs­tern und Klein­kri­mi­nel­len abzu­schir­men und für eine posi­ti­ve Inte­gra­ti­on fit zu machen. Das Pro­jekt, das dort ganz unab­hän­gig von der FIFA und der WM 2010 ent­stand, wur­de 2012 inter­na­tio­nal preis­ge­krönt und fin­det inzwi­schen in Oli­ver Kahn einen pro­mi­nen­ten Für­spre­cher, der es mit sei­ner Stif­tung auch finan­zi­ell unterstützt.

Zwar unter­schei­det sich die Situa­ti­on im Wed­ding deut­lich von der in Süd­afri­ka, aber auch hier lockt vie­le Jugend­li­che das schnel­le Geld, das in klein­kri­mi­nel­len Struk­tu­ren – etwa im Han­del mit wei­chen Dro­gen – gemacht wer­den kann. Am Run­den Tisch Leo­pold­platz war schon öfter davon die Rede. Ein Pro­jekt des Quar­tiers­ma­nage­ments Pankstra­ße, das dem Pro­blem mit Stra­ßen­so­zi­al­ar­beit begeg­nen will, schei­ter­te bis­lang jedoch, weil sich zu den ange­bo­te­nen Kon­di­tio­nen kei­ne Sozi­al­ar­bei­ter in Ber­lin mehr fin­den: Ein frei­er Trä­ger, der sich unab­hän­gig finan­ziert und einen eige­nen, inter­es­san­ten Ansatz bie­tet, hät­te deut­lich bes­se­re Chan­cen, qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu finden.

In Ber­lin küm­mert sich Jas­mi­na Srna um die Umset­zung des Safe-Hubs. “Wir hat­ten auch in Neu­kölln nach­ge­fragt, aber von Mit­te das ent­schie­den bes­se­re Ange­bot erhal­ten,« erklärt die ehe­ma­li­ge Bun­des­li­ga-Fuß­bal­le­rin des FC Bay­ern. »Auf dem Gelän­de an der Ruhe­platz­stra­ße will der Bezirk sowie­so eine drin­gend benö­tig­te Drei­fach-Sport­hal­le errich­ten, da wür­den wir ide­al hin­zu pas­sen. Der Fuß­ball­platz mit Kunst­ra­sen könn­te tags­über von Schu­len genutzt wer­den. Wir wür­den dabei sehr ger­ne mit him­mel­beet und ande­ren loka­len Initia­ti­ven kooperieren!”

Das sieht auch der Gemein­schafts­gar­ten him­mel­beet so und tritt für eine gemein­sa­me Ent­wick­lung an dem Stand­ort ein: “Die Ver­bin­dung bei­der Pro­jek­te erzeugt eine enor­me Strahl­kraft und wäre damit ein in die­ser Form ein­zig­ar­ti­ges Leucht­turm­pro­jekt”, so heißt es in einer offi­zi­el­len Erklä­rung auf der Web­sei­te des himmelbeet.

Auf dem Dach der geplan­ten Sport­hal­le sowie auf einer klei­ne­ren eben­erdi­gen Flä­che an der Ruhe­platz­stra­ße sol­le der Gemein­schafts­gar­ten künf­tig fort­be­stehen. Der Bezirk habe bis­her ledig­lich münd­lich zuge­si­chert, dass er für die bau­li­chen Mehr­kos­ten auf­kom­me. Gesprä­che dazu fol­gen. Auf eine gemein­sa­me Pla­nung des Vor­ha­bens sind die Gemein­schafts­gärt­ner jeden­falls gespannt: “Das him­mel­beet freut sich dar­auf, den poli­ti­schen Pro­zess und die kon­kre­te Bau­pla­nung aktiv mitzugestalten.”

Schon seit Jah­ren woll­te der Bezirk an der Ruhe­platz­stra­ße eine Drei­fach­sport­hal­le errich­ten, doch bis­lang fehl­te es an der Finan­zie­rung. Mit dem Koope­ra­ti­ons­pro­jekt ste­hen die Chan­cen nun bes­ser. Der Plan ist, dass AMANDLA Edu­Foot­ball e.V. und die Oli­ver-Kahn-Stif­tung den Bau und Betrieb des Bil­dungs­zen­trums sowie der Fuß­ball­flä­chen finan­zie­ren, der Bezirk soll die Sport­hal­le bau­en. Die Gesamt­kos­ten für das Pro­jekt wer­den auf ca. 8 Mio. Euro geschätzt. Sport­lich ist auch der Zeit­plan: Bis Jah­res­en­de soll es eine Bau­ge­neh­mi­gung geben, damit schon im Früh­jahr 2017 gebaut wer­den kann, Mit­te 2018 soll dann der Safe-Hub eröffnen.


Text: Chris­tof Schaffelder

Der Arti­kel ist zuerst in der “ecke Mül­ler­stra­ße” Nr.4/2016 erschie­nen. Die Zei­tung für das “Akti­ve Zen­trum” und Sanie­rungs­ge­biet Mül­ler­stra­ße erscheint acht­mal im Jahr kos­ten­frei und liegt in vie­len Geschäf­ten sowie im Rat­haus aus.

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