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Genossenschaftlicher Supermarkt:
Happy Birthday SuperCoop!

Der ers­te genos­sen­schaft­li­che Super­markt Ber­lins hat Anfang Okto­ber Geburts­tag gefei­ert. Nach dem ers­ten Jahr wird deut­lich: Das Kon­zept ist im Wed­ding gut gestar­tet und setzt sich auch wei­ter­hin gro­ße Ziele. 

„Wir haben am Anfang nicht immer gedacht, dass das alles so gut klappt“, bilan­ziert Grün­dungs­mit­glied Johan­na Küh­ner nach einem Jahr Super­Coop. Das Geheim­nis des Erfolgs­re­zep­tes: „Das konn­te nur so gut lau­fen, weil wir inzwi­schen ein so gro­ßes Netz­werk an tol­len Mit­glie­dern auf­ge­baut haben. Immer, wenn wir vor gro­ßen Fra­ge­zei­chen stan­den, haben wir in der Mit­glied­schaft und Nach­bar­schaft zusam­men Ant­wor­ten gefun­den.“ Damit ist das Kon­zept des genos­sen­schaft­li­chen Super­mark­tes im letz­ten Jahr voll auf­ge­gan­gen, denn das setzt voll und ganz auf die Initia­ti­ve sei­ner Mitglieder.

Ein Super­markt, der sei­nen Kund:innen gehört

Jedes Mit­glied zeich­net mit einer Ein­la­ge von 100 Euro min­des­tens einen Anteil am gemein­sa­men Geschäft. Zah­lun­gen sind auch über 2 Jah­re auf Raten mög­lich oder kön­nen als Soli-Anteil auf Ver­trau­ens­ba­sis über­nom­men wer­den, wenn das Zeich­nen des Anteils eine finan­zi­el­le Hür­de dar­stellt. Wel­che Pro­duk­te in den Rega­len zu fin­den sind, ent­schei­den die Mit­glie­der auf demo­kra­ti­scher Basis gemein­sam. Dabei ste­hen fai­re und regio­na­le Lebens­mit­tel im Fokus und auch auf den Ver­zicht auf Plas­tik wird Wert gelegt. Die Super­Coop ist ein beson­de­rer Super­markt, denn hier bestim­men die Mit­glie­der nicht nur, was in den Rega­len zu fin­den ist. Sie arbei­ten außer­dem auch jeden Monat 3 Stun­den mit.

Das Kon­zept funk­tio­niert nur, wenn sich die Mit­glie­der ein­brin­gen. Durch die Arbeit der Mit­glie­der wer­den Per­so­nal­kos­ten gespart, sodass die Pro­duk­te deut­lich güns­ti­ger als in Bio­lä­den ange­bo­ten wer­den kön­nen. Im Schnitt liegt der Preis 20 Pro­zent nied­ri­ger. So wer­den nach­hal­ti­ge Pro­duk­te bezahl­ba­rer. Durch die Infla­ti­on und die stei­gen­den Strom- und Gas­prei­se wird die Her­aus­for­de­rung von fai­ren, nach­hal­ti­gen Lebens­mit­teln immer grö­ßer, obwohl es gera­de jetzt regio­na­le Lie­fer­ket­ten braucht. In der Super­Coop fin­det man des­halb neben Bio-Lebens­mit­teln auch preis­güns­ti­ge­re kon­ven­tio­nel­le Alter­na­ti­ven, die mit einem roten Punkt gekenn­zeich­net sind. Durch die direk­te Zusam­men­ar­beit mit Erzeuger*innen wer­den Zwi­schen­sta­tio­nen und Lie­fer­we­ge gespart. Toi­let­ten­pa­pier wird palet­ten­wei­se bestellt, weil so eine Preis­er­hö­hung ver­mie­den wer­den konn­te und das Sor­ti­ment wird stän­dig nach den Wün­schen der Mit­glie­der ergänzt.

Der ers­te Geburts­tag wur­de am 1. Okto­ber aus­gie­big gefei­ert. Foto: Till Rimmele

Uto­pie zum Mitmachen

Das Pro­jekt star­te­te bereits Ende 2019 mit einem ers­ten Crowd­fun­ding, wor­aus eine klei­ne Ein­kaufs­ge­mein­schaft ent­stand. So konn­ten die ers­ten Mit­glie­der mit einem klei­nen Sor­ti­ment aus 20 Pro­duk­ten aus­pro­bie­ren, wie das Pro­jekt im grö­ße­ren Rah­men nach dem New Yor­ker Vor­bild der Food Coop funk­tio­nie­ren könn­te. Im Okto­ber 2020 grün­de­ten die 40 ers­ten Mitstreiter:innen schließ­lich eine Genos­sen­schaft und mach­ten sich auf die Suche nach einer Laden­flä­che, die sie in den Wed­din­ger Osram­hö­fen fan­den. Um Miet- und Kre­dit­ver­trag unter­zeich­nen zu kön­nen, muss­ten 500 Mit­glie­der akqui­riert wer­den. Durch eine wei­te­re Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne wur­de die­ses Ziel im Mai 2022 erreicht, sodass bereits im Sep­tem­ber der ers­te Laden mit 230 m² und einem Ange­bot von 1800 Pro­duk­ten eröff­net wer­den konn­te. Inzwi­schen konn­te die Flä­che auf 700 m² erwei­tert wer­den und Super­Coop kann rund 3.000 Pro­duk­te anbie­ten. Die Mit­glie­der­zahl ist auf 1.000 ange­wach­sen, wovon sich aktu­ell 750 aktiv ein­brin­gen und ein­kau­fen. 1.700 akti­ve Mit­glie­der braucht es laut der Finanz­pla­nung, um den genos­sen­schaft­li­chen Super­markt lang­fris­tig wirt­schaft­lich betrei­ben zu können.

Die­ser Super­markt lebt von der Gemein­schaft und ist gleich­zei­tig ein Ort der Zusam­men­kunft. Hier wird die Uto­pie eines neu­en Wirt­schafts­mo­dells leben­dig, das regio­na­le Erzeuger:innen stär­ken will, um irgend­wann unab­hän­gig von den Mono­po­len sein zu können.

Wer Inter­es­se hat sich zu betei­li­gen, kann sich hier infor­mie­ren, den News­let­ter abon­nie­ren oder an einem Will­kom­mens­tref­fen teilnehmen.

Super­Coop in den Osram­hö­fen, Oudenar­der Str. 16, 13347 Ber­lin, Öff­nungzeiten: Mon­tag 10–20 Uhr, Mitt­woch bis Frei­tag 10–20 Uhr, Sams­tag 9–20 Uhr

Ina Raterink

ist irgendwo zwischen Feldern, Massentierhaltung und Holland im niedersächsischen Nirgendwo aufgewachsen und wurde deswegen schon früh zur Autorin. Jetzt genießt sie den Gegensatz im Wedding und will all seine Facetten kennenlernen und festhalten.

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