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Verkehr der Zukunft:
Forschung am selbstfahrenden Bus

selbstfahrender Bus
Test des selbst­fah­ren­den Bus­ses auf dem AEG-Gelän­de. Foto: And­rei Schnell

Einem Auto das selbst­stän­di­ge Fah­ren im Stra­ßen­ver­kehr bei­zu­brin­gen, ist ein wei­tes Feld. In den frü­he­ren AEG-Fabri­ken im Brun­nen­vier­tel forscht Pro­fes­sor Stef­fen Mül­ler von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät (TU) mit sei­nem Team an die­sem The­ma. Er arbei­tet unter ande­rem an einer Teil­fra­ge, deren Beant­wor­tung für Lai­en ein­fach scheint. Wie kann das selbst steu­ern­de Fahr­zeug das Ver­hal­ten von Fuß­gän­gern und Rad­fah­rern vor­her­se­hen und dar­auf ange­mes­sen reagie­ren? Inten­ti­ons­er­ken­nung und Ges­ten­er­ken­nung nennt der Wis­sen­schaft­ler als Stich­wor­te. „Wir for­schen an Fahr­stra­te­gien, die so etwas berück­sich­ti­gen kön­nen‟, sagt Stef­fen Mül­ler. Er und sei­ne Mit­ar­bei­ter wol­len eine Soft­ware ent­wi­ckeln, durch die ein auto­nom fah­ren­der Bus zum Bei­spiel erah­nen kann, ob ein Fuß­gän­ger die Stra­ße über­que­ren wird oder nicht. „Es sind die für mensch­li­che Fah­rer schein­bar ganz ein­fa­chen Inter­ak­tio­nen mit ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern, die für einen Com­pu­ter schwer zu deu­ten sind‟, erklärt Stef­fen Mül­ler. Ges­ten und Wink­zei­chen kön­nen das sein. Ein her­kömm­li­ches Com­pu­ter­pro­gramm schei­tert häu­fig an die­ser Auf­ga­be. „Man kann für die­se Auf­ga­be Metho­den der künst­li­chen Intel­li­genz (KI) ein­set­zen, bei­spiels­wei­se neu­ro­na­le Net­ze zur Objekt­er­ken­nung”. Auch bei der Ent­schei­dung Brem­sen oder Wei­ter­fah­ren wol­len die Wis­sen­schaft­ler im Brun­nen­vier­tel auf KI setzen.

Die bei­den Mini­bus­se der Fir­ma Navya, die Stef­fen Mül­ler für sei­ne For­schung nutzt, befin­den sich gewis­ser­ma­ßen in Zweit­ver­wer­tung. Denn zunächst fuh­ren die bei­den Gefähr­te für ein ande­res For­scher­team inner­halb des Virchow-Kran­ken­hau­ses. Damals zeig­ten sie sich in BVG-gel­bem Lack. Rund 200.000 Euro hat ein Mini­bus bei der Anschaf­fung 2017 gekos­tet. Nach Abschluss der Test­fahr­ten hat die Cha­ri­té die Fahr­zeu­ge der TU über­eig­net, damit sie der For­schung wei­ter­hin zur Ver­fü­gung ste­hen kön­nen. Völ­lig frei fah­ren kön­nen die Model­le nicht. Die Bus­se mit je elf Sitz­plät­zen benö­ti­gen eine zuvor auf zehn Zen­ti­me­ter genau ein­ge­mes­se­ne Rou­te. Die­se Mühe haben sich die For­scher für den Fabrik­hof zwi­schen Gus­tav-Mey­er-Allee und Vol­ta­stra­ße nicht gemacht. Sie fah­ren die Bus­se per Fern­be­die­nung in einer Hal­le. „Damit haben wir genug Daten für unse­re ers­ten For­schungs­zie­le‟, sagt der Wissenschaftler.

Am Ran­de erwähnt: Selbst­fah­ren­de U‑Bahnen hält Pro­fes­sor Stef­fen Mül­ler aus Sicht der Wis­sen­schaft für aus­ge­forscht. Dass Ber­lin sie nicht ein­setzt, das hat nichts mit feh­len­der Grund­la­gen­for­schung zu tun. 

Die Dok­to­ran­den Cle­mens Groß und Alex­an­der Kai­ser im Test­bus. Foto: And­rei Schnell
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Der Tex­t stammt aus der Wed­din­ger All­ge­mei­nen Zei­tung (–> E‑Paper), der gedruck­ten Zei­tung für den Wed­ding. Geschrie­ben wur­de er von And­rei Schnell. Wir dan­ken dem RAZ-Verlag!

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

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