FLOP Bar: Oase in der Kulturwüste

12

FLOP Bar KonzertWer eine Kon­zert­bar in einem Wohn­ge­biet eröff­net, muss mit Unver­ständ­nis der Anwoh­ner rech­nen. Doch die Art, wie Bar­be­trei­ber Bakri damit umgeht, sagt sehr viel über sei­ne Vor­stel­lung, wie er das unschein­ba­re Vier­tel berei­chern möch­te: mit einer neu­en Begegnungsstätte.

FLOP Bar Bakri„Die Bar ist zwar schall­iso­liert“, sagt Bakri, “aber trotz­dem hat sich ein Mie­ter aus dem Haus immer wie­der über den Lärm beschwert.“ Der 32-Jäh­ri­ge bat den Nach­barn kur­zer­hand in die Bar, zeig­te ihm stolz sei­nen Laden  – und jetzt sei­en die bei­den mit­ein­an­der befreun­det, erzählt Bakri. Die FLOP-Bar ist im eher betu­li­chen Afri­ka­ni­schen Vier­tel etwas Ein­ma­li­ges. Bis­her wohn­ten in der gro­ßen Mehr­zahl Senio­ren und alt­ein­ge­ses­se­ne Mit­tel­stands­fa­mi­li­en im Kiez – ein Garant für Bestän­dig­keit. Von jeg­li­cher Dyna­mik, die Tei­le des Wed­ding schon erfasst hat, ist rund um die Ota­wi­stra­ße fast noch nichts zu spü­ren. „Hier zie­hen im Moment ziem­lich vie­le jun­ge Leu­te hin“, hat Bakri beob­ach­tet, „eine rich­ti­ge Aus­geh­mög­lich­keit für Kul­tur­in­ter­es­sier­te hat in die­sem Kiez aber gefehlt.“ Dass die alten und die neu­en Bewoh­ner des Vier­tels nicht mehr in ande­re Stadt­tei­le gehen müs­sen, wenn sie ein Bier in ange­neh­mer Atmo­sphä­re trin­ken wol­len – das war für den gebür­ti­gen Syrer der Haupt­grund, sei­ne Idee von einer Bar gera­de in der Lüde­ritz­stra­ße umzusetzen.

Alles dreht sich um Musik

FLOP Bar StraßeDer zwei­te Grund ist Bakris Beruf: er ist Musi­ker, aus­ge­bil­de­ter Kanoun-Spie­ler. Er beherrscht das zither­ar­ti­ge Sai­ten­in­stru­ment aus dem Eff-Eff. Die Büh­ne ist daher neben dem Tre­sen der zen­tra­le Punkt der geräu­mi­gen Bar. Von Don­ners­tag bis Sams­tag abend fin­den dort Open Sta­ge-Ver­an­stal­tun­gen, Kon­zer­te und DJ-Sets statt. „Hier wird Musik gemacht“, betont Bakri. Er ist stolz dar­auf, dass es auch schon eine Film­pre­mie­re in der Bar gege­ben hat, wech­seln­de Aus­stel­lun­gen sol­len eben­falls statt­fin­den. Sonn­tags ist, wie in vie­len Loka­len üblich, Zeit für das gemein­sa­me “Tatort”-Schauen.

Orientalisches Flair

FLOP Bar ThekeDie opti­sche Anmu­tung der im Sep­tem­ber 2013 eröff­ne­ten Bar ist auf jeden Fall inter­na­tio­nal. Dass es kein typisch syri­sches Café wird, lag Bakri beson­ders am Her­zen. Nur die Kis­sen­be­zü­ge und Decken der vie­len Sofas, in die man sich flä­zen kann, haben ein tra­di­tio­nel­les Mus­ter aus sei­ner Hei­mat­stadt Alep­po. Auch die Wand­lam­pen brin­gen etwas ori­en­ta­li­sches Flair in die Bar. An den Wän­den hän­gen groß­for­ma­ti­ge Male­rei­en mit Ber­lin-Moti­ven, die man käuf­lich erwer­ben kann. Dun­kel, aber nicht schumm­rig, wirkt der groß­zü­gi­ge Raum; eine ein­la­den­de Begeg­nungs­stät­te soll die Bar sein.

Ein ungewöhnlicher Name

FLOP Bar GastraumBleibt nur die Fra­ge, war­um die Bar aus­ge­rech­net Flop heißt, wo man dem Expe­ri­ment doch einen guten Aus­gang wünscht. Bakri muss grin­sen: „Die Bar heißt so, damit mich die Leu­te genau danach fra­gen.“ Den Namen gebe es sei­nes Wis­sens in ganz Deutsch­land bei kei­ner zwei­ten Bar. Das schläf­ri­ge Afri­ka­ni­sche Vier­tel scheint jeden­falls noch nichts von die­ser “Pre­mie­re” zu ahnen. Doch drau­ßen strahlt schon ein­mal die neue Leucht­re­kla­me mit dem ver­schach­tel­ten FLOP-Logo wie eine Ver­hei­ßung in die Lüde­ritz­stra­ße hin­ein. Und das Schild wech­selt alle paar Sekun­den sei­ne Farbe…

(Fotos: FLOP Bar/zweites und drit­tes Foto: Andy Fiebert)

Web­site der FLOP Bar mit Ver­an­stal­tungs­pro­gramm (Rau­cher­lo­kal)

Face­book­sei­te der FLOP Bar

geöff­net täg­lich ab 17 Uhr

Lüde­ritz­stra­ße 74 (nahe Otawistraße)

13351 Ber­lin, U Rehberge

Tel. 030 81618840

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

12 Comments

  1. […] FLOP-Bar ist aus dem Afri­ka­ni­schen Vier­tel, das ja nicht gera­de für sein aus­schwei­fen­des Nacht­le­ben bekannt […]

  2. Ich war ges­tern das ers­te Mal in der Bar und es hat mir auf Anhieb gut gefal­len. Ent­spann­te Atmo­sphä­re. Gute Ein­rich­tung: gemüt­lich- funk­tio­nell, nicht over-sty­led … Der Inha­ber ist ein cha­ris­ma­ti­scher Mann: Haus­tech­ni­ker, Musi­ker und Bar­mann in einer Per­son. Er hat über Mona­te Tag und Nacht aus einer Rui­ne die­se Oase geschaf­fen. Das ver­dient allen Respekt. Ich bin sehr froh, dass es end­lich eine net­te Bar/Kneipe in der Nähe gibt neben den vie­len Trink­hal­len und Shi­sha-Bars.… wer­de mir bald mal die Jam Ses­si­ons anhö­ren. Ich wün­sche Bakri viel Kraft, Spaß und Erfolg.… PS. und wenn jetzt noch ein preis­wer­tes, schö­nes Restau­rant mit gesun­dem Essen auf­ma­chen wür­de, wäre es per­fekt. Wür­de bestimmt laufen!

  3. Ich begrü­ße das FLOP sehr, da ich locker zu Fuß eine mir sehr ange­neh­me “loca­ti­on” auf­su­chen kann, in der ich, obwohl ich kei­nen Alko­hol trin­ke, sehr gut bei einem lecke­ren Kaf­fee ( super Maschi­ne ) bzw alk­frei­en Cock­tail , mit Men­schen ver­schie­de­ner Kul­tu­ren reden oder ein­fach nur den über­ra­schend guten Musi­kern zuhö­ren kann.Da ich schon immer in die­ser sich stän­dig ver­än­der­nen Metro­po­le als Wed­din­ger lebe, sehe ich das FLOP als eine ech­te Berei­che­rung, auch für die alt­ein­ge­ses­se­nen, die sich zu Hauf mit den neu zuge­zo­ge­nen hier zeigen.Endlich eine Alter­na­ti­ve zu den übli­chen Knei­pen, Kios­ken und sons­ti­gen Buden.Ich wün­sche dem Betrei­ber wei­ter­hin viel Erfolg.

  4. “Dass die alten und die neu­en Bewoh­ner des Vier­tels nicht mehr in ande­re Stadt­tei­le gehen müs­sen, wenn sie ein Bier in ange­neh­mer Atmo­sphä­re trin­ken wollen”

    äh? was? für die alten bewohner_innen im vier­tel gibt es vie­le ange­stamm­te knei­pen und kios­ke in denen sie ihr bier trin­ken. der anteil der alt­ein­ge­ses­se­nen, die auf die­sen laden gewar­tet haben, bewegt sich mei­ner beob­ach­tung nach im pro­mil­le­be­reich. mal abge­se­hen davon, dass die hälf­te der anwohner_innen durch den ver­kauf von alko­hol sowie­so davon aus­ge­schlos­sen sind, den laden als ihre “begeg­nungs­stät­te” zu etablieren.
    die­ses ange­bot rich­tet sich klar an die neu­en bewohner_innen des afri­ka­ni­schen vier­tels: “Open Sta­ge-Ver­an­stal­tun­gen”, “DJ-Sets”, “Film­pre­mie­re”, “Aus­stel­lun­gen”, “Tat­ort”… – das pro­gramm für “Senio­ren und alt­ein­ge­ses­se­ne Mit­tel­stands­fa­mi­li­en”? dat is jelogen!
    eben­so irrig ist die annah­me, dass man “in ande­re Stadt­tei­le gehen” müs­se um hips­ter-/kul­tur­knei­pen mit die­sem ange­bot zu fin­den: gleich um die ecke ist das mas­tul, das kiki sol am net­tel­beck­platz, die kugel­bahn in der grün­ta­ler, im brüs­se­ler gibts… – egal, ist wohl klar geworden.

    was mich halt wirk­lich mit einem kopf­schüt­teln zurück­lässt ist die atti­tü­de “das biss­chen lärm wird schon erträg­lich, wenn ich den leu­ten mei­nen laden zeige”.
    beden­ke: den “Senio­ren und alt­ein­ge­ses­se­ne Mittelstandsfamilien”…
    ich emp­fin­de das als sehr arro­gant, sol­che läden in wohn­ge­bie­te zu pflanzen.
    klar der ein­ge­bau­te schall­schutz – bra­vo. der war aber ne auf­la­ge vom ord­nungs-/um­welt­amt! wer sich mit dem the­ma etwas aus­kennt, weiss, dass die­ser auf distanz sei­ne wir­kung bringt, aber direkt angren­zen­de häu­ser und woh­nun­gen haben da wenig von. ohne den schall­schutz hät­te der laden es gar nicht ver­su­chen dür­fen. und trotz­dem inter­es­sant: vor 15 jah­ren wäre die ein­rich­tung einer knei­pe mit dem kon­zept “kon­zer­te” in die­sem vier­tel nicht eröff­nen kön­nen – jetzt wo es das quar­tiers­ma­nage­ment für die mül­ler­str gibt, sprie­ßen die buden.
    alte lei­er: pio­nie­re, ansied­lung krea­tiv­kul­tur (für “Senio­ren und alt­ein­ge­ses­se­ne Mit­tel­stands­fa­mi­li­en” haha­ha), auf­wer­tung des kiezes, stei­ge­rung der mie­ten, ver­drän­gung von “Senio­ren und alt­ein­ge­ses­se­ne Mit­tel­stands­fa­mi­li­en”, usw…
    https://regulategentrification.wordpress.com/tag/invasions-sukzessions-zyklus/

    wed­ding­wei­ser is a media­tool of gentrification.

    • Die Zeit kann man nicht auf­hal­ten und die­sem Vier­tel, in dem noch so viel Mief des alten West-Ber­lins in den vie­len Gar­di­nen hängt, tut jede Ver­än­de­rung gut. ich woh­ne seit 5 jah­ren im Kiez und freue mich auf posi­ti­ve Ver­än­de­run­gen. Das kann allen gut tun. Café Kibo wird auch von Alt­ein­gesse­sen gut ange­nom­men… Und die Pio­nie­re sind moder­ne Leu­te mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Bemerkenswert.

Schreibe einen Kommentar zu Christian Schreiber Antworten abbrechen

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.