///

Erika-Heß-Eisstadion als Impfzentrum

1
Eishalle im Erika-Hess-Eisstadion
Die Eis­hal­le im Eri­ka-Hess-Eis­sta­di­on 2020. Foto: Hensel

Zehn Tage ist es her, dass der Ber­li­ner Senat die sechs Orte benann­te, an denen Coro­na-Impf­zen­tren ent­ste­hen sol­len. In den Mes­se­hal­len am Funk­turm, in den still­ge­leg­ten Flug­hä­fen Tegel und Tem­pel­hof, im Velo­drom, in der Are­na Trep­tow und im Eri­ka-Heß-Eis­sta­di­on (EHE) sol­len ab Mit­te Dezem­ber Men­schen geimpft wer­den kön­nen. Start ist, sobald ein Impf­stoff ver­füg­bar ist. Das Eis­sta­di­on in der Mül­ler­stra­ße ist nun in Bereit­schaft. Die Fra­ge ist jetzt: Was wird aus den Sport­ver­ei­nen, die hier sonst trai­nie­ren? Kann die Außen­eis­bahn trotz Coro­na-Imp­fun­gen offen blei­ben? Wie funk­tio­niert das Impfzentrum?

Nach der Ver­kün­dung der Ent­schei­dung auf der Pres­se­kon­fe­renz des Senats am Diens­tag ver­gan­ge­ner Woche (17.11.) ging es schnell. Letz­ter Nut­zungs­tag für den Eis­sport war vier Tage spä­ter, am 21. Novem­ber, der Bezirk Mit­te über­gab die Sport­stät­te bereits am Mon­tag (23.11.) an die Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit, Gleich­stel­lung und Pflege.

Ideen und offene Fragen: Was bleibt den Sportvereinen?

Bei der Über­ga­be stell­te sich der Impf­zen­tren-Koor­di­na­tor des Senats Albrecht Bro­em­me den Fra­gen der Nut­zer. Für das Impf­zen­trum wer­de vor allem die Hal­le des Eis­sta­di­ons benö­tigt. Die Eis­bahn im Frei­en könn­te damit aus Sicht der bis­he­ri­gen Nut­zer wei­ter im Betrieb blei­ben. Albrecht Bro­em­me wird die­se Mög­lich­keit, so sag­te er bei der Fra­ge­run­de, prü­fen. Eis­bahn und Eis­hal­le haben eige­ne Ein­gän­ge, die Besu­cher­strö­me könn­ten über Ein­bahn­stra­ßen getrennt von­ein­an­der zum Imp­fen oder Eis­lau­fen geführt wer­den. Soll­te das Impf­zen­trum auch den „Anschnall­raum“ (dort wech­selt man von Stra­ßen­schu­hen auf Schlitt­schu­he) und die Toi­let­ten in Anspruch neh­men müs­sen, wäre die Auf­stel­lung von Con­tai­nern als Ersatz eine Alter­na­ti­ve. Für die Fahrt­we­ge der Eis­bahn-Maschi­ne wür­de sich auch eine Lösung fin­den. Soll­te auch die Außen­eis­bahn geschlos­sen wer­den müs­sen, schla­gen die Ver­ei­ne als letz­te Mög­lich­keit die Auf­stel­lung einer mobi­len Eis­bahn vor.

Welche Vereine im Erika-Heß-Eisstadion trainieren

Bis zur Schlie­ßungs­an­ord­nung trai­nier­ten nach den aktu­el­len Lock­down-Regeln im EHE täg­lich etwa 80 Kin­der und Jugend­li­che des Eis­ho­ckey-Ver­eins FASS Ber­lin e.V. sowie der Eis­kunst­lauf­spar­te des WERC (Wed­din­ger Eis­lauf- und Roll­sport-Club e. V.). FASS ist der zweit­größ­te Eis­ho­ckey-Ver­ein Ber­lins nach den Eis­bä­ren. Nut­zungs­zei­ten hat­ten auch der Ber­li­ner Sport-Ver­ein 1892, der Sport-Club Char­lot­ten­burg – bei­de Eis­kunst­lauf -, der Ber­li­ner Schlitt­schuh-Club (Eis­stock­schie­ßen) sowie die „unge­wöhn­li­che Eis­lauf­schu­le“ mit Eis­lauf­kur­sen. Das EHE ist dar­über hin­aus auch Stand­ort für das Trai­ning der Lan­des- und Bun­des­ka­der im Eiskunstlauf.

Wer das Eisstadion noch nutzt

Der öffent­li­che Eis­lauf auf der Eis­bahn im Frei­en war in die­ser Sai­son noch nicht mög­lich. Doch die benach­bar­te neu gebau­te 48. Schu­le (Grund­schu­le) an der Chausseestraße/Boyenstraße kam bis zuletzt zum Eis­lau­fen ins EHE – als Ersatz für den Sport­un­ter­richt (die Schu­le ver­fügt noch über kei­ne Sport­hal­le), sogar Eis­lau­fen für Kitas aus der Nach­bar­schaft fand hier statt. Vor allem für die Kin­der wäre ein Offen­hal­ten der Außen­eis­bahn wich­tig. Lan­ge Wege zu mög­li­chen Ersatz­stand­or­ten in Char­lot­ten­burg oder Neu­kölln sind für Kitas und Schu­len sowie für die Eis­lauf- und Eis­ho­ckey­kin­der im Brei­ten­sport kei­ne Alternative.

In der Eishalle - bei der Eisrevue im Dezember 2019. Foto: Hensel
In der Eis­hal­le – bei der Eis­re­vue im Dezem­ber 2019. Foto: Hensel

Was die Vereine sagen, was der Bezirk sagt

Ins­ge­samt ver­ste­hen auch die Sport­ver­ei­ne aus dem Wed­ding die Not­wen­dig­keit der Imp­fun­gen und der Ein­rich­tung der Impf­zen­tren. Jedoch bit­ten sie ein­dring­lich dar­um, dass sie Ersatz­trai­nings­mög­lich­kei­ten und gege­be­nen­falls Ent­schä­di­gung erhal­ten und spä­tes­tens im August 2021 wie­der in ihr Hei­mat­sta­di­on an der Mül­ler­stra­ße zurück kön­nen. Aus dem Bezirk gab es dazu in der ver­gan­ge­nen Woche zumin­dest ein Bekennt­nis. Bezirks­stadt­rat Cars­ten Spal­lek erklär­te: „Das Schul- und Sport­amt wird sich aber in Abstim­mung mit den ande­ren Eis­sport­stät­ten um Aus­weich­mög­lich­kei­ten bemü­hen. Für die not­wen­di­gen Ein­schrän­kun­gen bit­te ich um Ihr Verständnis“.

Wie das Impfzentrum funktioniert

Der Ber­li­ner Senat rech­net damit, dass in der ers­ten Pha­se 900.000 Impf­do­sen zur Ver­fü­gung ste­hen. Da jeder zwei Mal geimpft wer­den muss, könn­ten zunächst 450.000 Men­schen behan­delt wer­den. 20.000 Men­schen sol­len in Ber­lin pro Tag geimpft wer­den, ein Imp­fung ist frei­wil­lig. Pro Impf­zen­trum ste­hen damit pro Tag 3000 bis 4000 Imp­fun­gen an, auch im Eri­ka-Heß-Eis­sta­di­on ist das so geplant. 200 bis 300 Mit­ar­bei­ter sol­len das in jedem Zen­trum sicherstellen.

In jedem der sechs Impf­zen­tren soll es laut Aus­sa­ge von Impf­zen­tren-Koor­di­na­tor Albrecht Bro­em­me fünf Impf­ka­bi­nen geben. Jede Hal­le habe zwei Ein­gän­ge und getrennt davon zwei Aus­gän­ge. Es wer­den die Per­so­na­li­en erfasst, ein Fra­ge­bo­gen zur Kran­ken­ge­schich­te aus­ge­füllt, eine Ein­wil­li­gung zur Imp­fung unter­schrie­ben. Nach der Imp­fung blei­be die Per­son sicher­heits­hal­ber noch eine hal­be Stun­de im Impf­zen­trum. Ins­ge­samt sol­le ein Besuch im Impf­zen­trum idea­ler­wei­se etwa eine Stun­de dauern.

Wer genau zuerst geimpft wird, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass Älte­re und Per­so­nen mit Vor­er­kran­kun­gen dabei sein wer­den, sowie Men­schen, die in Kran­ken­häu­sern arbei­ten. Eine Ein­la­dung zur Imp­fung kom­me per Post vom Bund.
Laut Impf­zen­tren-Koor­di­na­tor Bro­em­me ist das Eri­ka-Heß-Eis­sta­di­on aus­ge­wählt wor­den, weil es als ein­zi­ge Hal­le in Ber­lin-Mit­te die erfor­der­li­che Flä­che von 3000 Qua­drat­me­tern habe und gute Bedin­gun­gen für die Logis­tik biete.

Text: Kiez­Sport­Lot­sin Susan­ne Bür­ger & Domi­ni­que Hensel

Ergän­zung für die Auf­nah­me des Impf­be­triebs am 14.1.2021: Betrieb und Betreu­ung im Impf­zen­trum im Eri­ka-Heß-Sta­di­on an der Mül­ler­stra­ße über­neh­men die bei­den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen Arbei­ter-Sama­ri­ter-Bund (ASB) und Deut­sche Lebens­ret­tungs­ge­sell­schaft (DLRG). Für die imp­fen­den Ärz­te ist die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV) zustän­dig. Die Anmel­dung der Impf­lin­ge liegt in den Hän­den der Gesundheitsverwaltung.

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

1 Comment

  1. Anstatt Frei­zeit- und Pro­fi­sport im Eis­sta­di­on Wed­ding voll­kom­men brach zu legen, gäbe es spe­zi­ell in Ber­lin Mit­te sicher­lich eine Rei­he bes­se­rer Alter­na­ti­ven für ein Impfzentrum.
    Ganz im Gegen­teil soll­te die Eis­lauf­sai­son in 2021 aus­nahms­wei­se in den Som­mer ver­län­gert wer­den, um aus­ge­fal­le­ne Trai­nings­zei­ten zu kompensieren!!

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.