Weddingwoche #4: Hopfen und Malz noch nicht verloren

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne über aktuelle Ereignisse in unserem Stadtteil. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Die Bierkultur im Wedding hatte in letzter Zeit schwer zu leiden. Los ging’s mit dem Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Das Pilsator für 60 Cent beim Spätkauf war eine schlechte Alternative. Zwar war es konkurrenzlos im Preis, aber nicht gerade ein Fördermittel für gesellige Runden. Einzig das Eschenbräu im Sprengelkiez stach positiv heraus aus dieser Bier-Tristesse. Nun wollen ein paar Jungs im Wedding dem Gerstensaft zu frischer Ehre verhelfen, wie auch schon an dieser Stelle berichtet. Hinter Beer4Wedding stehen drei Studenten der Brauerei- und Getränketechnologie an der TU Berlin. Technisch sind sie also gut beschlagen. Mit ihren ungewöhnlichen Bier-Kreationen wollen sie neue, individuelle Wege gehen und damit geschmacklich ein neues Zeitalter einläuten, fernab von bierernster Traditionspflege. Die erste Kreation, das Wedding Pale Ale, ist ein stark gehopftes Bier englischer Tradition, verfeinert mit Reis. Für das neueste Projekt, ein Bier mit zarter Austern-Note, haben sie gerade einen Preis beim Hamburger Bierwettbewerb gewonnen. Im frechen Werbespruch „Ich habe immer gesagt: Sozialismus, das heißt Austern für alle“ schwingt viel Bedeutung mit: Der Rote Wedding, die französische Prägung des Viertels samt Vorliebe für exquisites Meeresgetier und nicht zuletzt der Ruf der neuen Kreativszene nach außergewöhnlichen Schöpfungen. Global denken, lokal brauen wollen die Bier-Enthusiasten und so bauen sie den Hopfen für ihren Gerstensaft auch gleich selbst auf dem Balkon an. Es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie Starthelfer einer neuen Bierkultur werden. Schon der Geselligkeit zuliebe.

Autor: Marcus Bauer

http://www.abendblatt-berlin.de/no_cache/ausgaben/?tx_pdfarchiv_pi1[disId]=21

Wer mehr über Beer4Wedding erfahren will, wird hier fündig.

Weddingwoche #2: Tannen-Glück

Nach Neujahr liegen Tannenbäume auf dem Bürgersteig
Nach Neujahr liegen Tannenbäume auf dem Bürgersteig

Die Weddingwoche ist eine neue wöchentliche Kolumne. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Es soll ja Menschen geben, die lassen ihren Weihnachtsbaum am liebsten bis kurz vor Ostern stehen. Nun gut, einem jeden sei eine individuelle Therapie der Winterdepression zugestanden. Die Mehrzahl war wohl erfreut, dass die BSR schon jetzt zum Rauswerfen aufruft. Man kann ja beim momentanen Wetter auch durchaus mit den Jahreszeiten durcheinander kommen. Und so ist Berlin derzeit ein wahrlich grüner Parcours. Allerorten liegen Bäume rum und Idefix, der kleine Gallier-Hund, würde sich vermutlich die Augen aus dem Kopf heulen. Auch für die winterfesten Radfahrer sind die ausgedienten Bäume wohl kein Grund zur Freude. Vorteil gegenüber den ebenfalls meist grünen Glasscherben, die traditionsgemäß nach Silvester die Radwege zieren: Man sieht die Bäume wenigstens schon von weitem und kann sie großräumig umfahren.


Aber man soll ja nicht nur das Schlechte sehen in der Welt. Energetisch betrachtet haben diese Weihnachtsbäume ja einen durchaus positiven Effekt. Bei mir war das so: Als das Abnadeln anfing und das Abschmücken erledigt war, galt es nur, die Distanz zur Straße zu überbrücken. Realistisch eingeschätzt, war die Entfernung zum Bürgersteig vom Fenster aus schlicht zu weit. Ich bin ja nicht Boris Henry, der Speerwurfmeister. Also hab ich das gute Stück durchs Treppenhaus geschleift. Das Ausmaß der Verheerung wurde mir erst auf dem Rückweg klar, als ich wie ein indischer Fakir über ein Meer von Nadeln wieder nach oben ging. Geplagt vom Gewissen ums Gemeinwohl hab ich also fleißig die schöne Bescherung aufgefegt. Eine körperliche Anstrengung vom Feinsten – schließlich wohne ich im vierten Stock.

Und wenn dann die Bäume als Heizmaterial zweitverwertet werden, komme ich bestimmt gleich nochmal ins Schwitzen, wenn denn der Winter endlich kommt.

Also: Bäume abschmücken, raus auf die Allee – dabei an die Radler denken – und dann schön das Treppenhaus fegen. Wegen der guten Nachbarschaft.

Wann holt die BSR im Wedding die Weihnachtsbäume ab?

Abgeholt wird im Wedding am 7.  und nochmal am 14. Januar.

Autor: Marcus Bauer

Link zu einem Download der letzten Ausgaben des Berliner Abendblatts