Grus Grus: Secondhand statt Fast Fashion

Im Oktober letzten Jahres eröffnete der Secondhand-Shop Grus Grus im Wedding. Die Inhaberin versucht mit Kaffee, Kunst und einer sorgfältigen Auswahl an bereits getragenen Kleidungsstücken eine Alternative zur gängigen Textilindustrie zu bieten. Ein Anlass, unser eigenes Kaufverhalten zu überdenken?

Hinter großen Scheiben präsentieren sich Schaufensterpuppen und ein äußerst minimalistisch eingerichteter Kleidungsladen. Gerade mal vier Kleiderstangen zeigen fein und nach Farben sortiert die Hosen, Röcke, T-Shirts und Pullover. Beim Betreten des Ladens kommt einem ein angenehmer Kaffeegeruch entgegen und Sessel und Sofa präsentieren sich im Zentrum des Ladens. Nein, Grus Grus ist keine elitäre Luxusboutique, die sich dem Weddinger Urgestein feindlich entgegensetzt. Grus Grus ist ein Secondhand-Shop, dessen Besitzerin eine Alternative zu sogenannten Fast Fashion-Brands wie H&M oder Zara sein will. Daher kosten alle Kleidungsstücke durchschnittlich 30 Euro.

Info: Fast Fashion ist ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem die Kollektionen in sehr kurzen Abständen geändert werden. So sollen Kunden die Modeketten immer wieder aufsuchen.

Dora Földes hat mit der Eröffnung von Grus Grus ihre idealistischen Werte verfolgt: Sie wollte die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Es gebe bereits genug Kleidung und trotzdem würden Fast Fashion-Brands jeden Monat neue Kollektionen unter fürchterlichen Bedingungen anfertigen lassen. Nur wenn wir Second Hand kaufen, würden wir uns in Sachen Kleidung wirklich nachhaltig verhalten.

Was kostet die Welt unser Kleidungskosum ?

Die Zahlen geben ihr recht. Allein für die Produktion einer Hose würden laut Greenpeace 7000 Liter verbraucht. Zum Vergleich: ein Erwachsener trinkt im Jahr ungefähr 550 Liter. So ist die Textilproduktion in den asiatischen Ländern zum zweitgrößten Wasserverbraucher und -verschmutzer geworden.

Ganz zu schweigen von den schlechten Arbeitsbedingungen bei der Textilproduktion von C&A und Co. Zwar verteidigen sich die Fast Fashion-Brands und manche haben sich selbst hohe Ziele gesteckt, allerdings geht es in erster Linie um den Verkauf. Und dazu gehört auch eine schöne Fassade. So schreibt Primark beispielsweise: „Das Wohlergehen der Arbeitskräfte, die die Produkte für Primark herstellen, ist uns wichtig.“ Doch eine wirkliche Kontrolle der ethischen Standards, zu denen sich die Fabriken verpflichten sollen, gibt es nicht. Und so werden immer wieder werden Missstände und Skandale in den Fabrikhallen der Textilunternehmen aufgedeckt.

Obwohl die meisten Konsumenten von den unwürdigen Bedingungen bei der Produktion wüssten, überwiege Greenpeace zufolge beim Kauf meist Design, Marke und natürlich auch der niedrige Preis.

Doch Secondhand-Shops können nicht nur eine Lösung sein, um der Massenproduktion entgegenzuwirken, sie können außerdem eine Alternative zum Wegschmeißen der Kleidung sein. Denn bisher landen über 1,5 Milliarden Tonnen an Kleidung im Müll. Teils, weil die Kleidung kaputt ist oder nicht mehr passt, oft aber nur, weil die Kleidung nicht mehr gefällt oder der Kleiderschrank überfüllt ist.

Vielseitig und im Wedding einzigartig

Grus Grus soll eine Lücke schließen, denn so eine Einkaufsmöglichkeit wie die kuratierte Vintagemode gebe es im Wedding noch nicht. Denn jedes Kleidungsstück wählt Dora selbst aus. Man könne ihr zwar Kleidung zukommen lassen, doch dann schaue sie erst, ob die Mode in ihren Laden passen würde. So verkaufe sie hauptsächlich Kleidung aus Leinen oder Baumwolle in Erdtönen. Doch das Grus Grus-Konzept basiert nicht nur auf Kleidung, sondern vereint auch noch Kunst und Kaffee. Dora selbst ist Künstlerin und stellt ihre Werke aus. Außerdem hat sie lange Zeit als Barista gearbeitet und freut sich, wenn sie mit den ersten Sonnenstrahlen auch die Terrasse eröffnen kann.

Ähnlich vielseitig wie ihr Geschäftsmodell sei auch die Kundschaft. Natürlich kämen viele Weddinger zu Grus Grus, doch gerade am Wochenende würden Bewohner anderer Stadtteile bei ihr kaufen. Als Grund für den Erfolg seit der Eröffnung im Oktober letzten Jahres sieht Dora vor allem das Medium Instagram, indem sie regelmäßig Outfits postet. Das soll vor allem potenziellen Kunden einen Zugang zu Secondhand-Ware schaffen. Und so gebe es Menschen, die nur durch Grus Grus auf Secondhand-Kleidung umgestiegen sind.

Adresse: Schererstraße 7, 13347 Berlin

Öffnungszeiten: Di – Sa 13 bis 18 Uhr

Instagram: https://www.instagram.com/grusgrus_vintage/


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