Einfach nur Café Rosa

Die meisten Cafés überbieten sich in ihrem Style, versuchen optische Hingucker zu sein oder bieten eine auf jeden Geschmack und jeden Lebensstil angepasste Speisekarte. Ganz anders das Café Rosa: Es hat ein äußerst reduziertes Intérieur, das Angebot passt auf nur einen handgeschriebenen Zettel und ist damit ein authentischer Ausdruck der Persönlichkeit der Betreiberin.

Drei runde Tische, eine Holzplatte als Tresen, eine Kaffeemaschine, das war’s. Sara Lusena hat das Café vor kurzem von ihrer Schwester übernommen. Die 49-Jährige ist 2017 aus Mailand nach Berlin gezogen. Als Erstes hat sie die Dielen abgezogen, die Wände in Altrosa gestrichen und eine durchgehende Holzleiste mit Garderobenhaken angebracht. „Rosa lässt es mir einfach gut gehen“, sagt Sara, „ich fühle mich sicher, und so soll es auch meinen Gästen gehen.“ Bislang hat die Italienerin als selbstständige Englischlehrerin gearbeitet, doch damit ist in Berlin Schluss. „Für meine beiden Kinder habe ich sowieso immer selbst gekocht“, erzählt die tatkräftige Betreiberin auf englisch, „Gerichte wie Pasta, Pizza und Salate aus frischen Zutaten.“ Das will sie nun auch in der Weddinger Torfstraße tun. Wichtig ist ihr, dass sie immer neue Dinge ausprobieren kann, ohne dass es gleich kompliziert wird. „Einfach, gesund, lecker und nicht teuer“, erklärt Sara ihr Prinzip – ein Teller soll mittags nicht viel mehr als fünf Euro kosten. Die Tomatensauce ist nach einem Familienrezept hergestellt, das Brot aus Sauerteig bäckt sie selbst, und ihre Pancakes sind vegan, da nur aus Hartweizengrieß und Mehl angerührt. Frühstück gibt es montags bis freitags.

Nicht italienisch um jeden Preis

Auch der Kaffee wird mit einer in Italien allgegenwärtigen Maschine hergestellt und in einem authentischen Espressoglas serviert, dabei kommt die Milch in einem separaten Metallkännchen. Und doch soll es nicht zwangsläufig „genau wie in Italien“ sein, sagt Sara. Schließlich hat sie zwölf Jahre in New York gelebt, auch das hat ihre Art zu kochen und Kuchen zu backen beeinflusst. Neugierig lässt sie sich jetzt auf den Wedding ein, wo sie mit ihren beiden Kindern auch wohnt und sich ausgerechnet „über die Ruhe hier“ freut.

In diesem aufs Äußerste reduzierten Café ist ohnehin Entschleunigung angesagt. Hier läuft im Hintergrund keine Musik, es gibt kein WLAN, und nur eine Sorte Wein stand bei meinem Besuch auf dem Tresen. Hier heißt es durchatmen, das Geschehen auf der Torf- und auf der Sprengelstraße beobachten und sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren. So kommt Saras ganze Persönlichkeit in ihrem langgezogenen Café zur Geltung, gerade weil es so minimalistisch daherkommt. Neben dem Genuss von gutem Essen und Trinken für die Gäste dient dieses Projekt auch einem ganz einfachen Zweck, sagt sie: „Ich möchte durch das, was ich tue, zufrieden sein.“

Café Rosa, Torfstraße 23, Mo – Fr  8-18 Uhr geöffnet


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