Als die „Plumpe“ noch Nabel der Fußballwelt war

Blau-weiße Wunder von Michael Jahn im Verlag Die Werkstatt.
Blau-weiße Wunder von Michael Jahn im Verlag Die Werkstatt.

Herzlichen Glückwunsch Hertha BSC. Heute wird der Verein 124 Jahre alt. Zu Opas Zeiten, als Hertha noch Deutscher Meister wurde, fanden viele Saison-Spiele in der „Plumpe“ statt –  einem Stadion in der Behmstraße. Michael Jahn hat in seinem Buch „Blau-weiße Wunder. Die Geschichte von Hertha BSC“ auch einige Kapitel über die Anfänge der Hertha im Gesundbrunnen geschrieben. Ein Blick zurück auf Herthas Kinderjahre.

Die Gründerjahre

Die Gründerjahre heißt im Buch „Blau-weiße Wunder“ das erste Kapitel über 15 Seiten zu den Ursprüngen der Hertha. Für Lokapatrioten wäre es zu schön gewesen, wenn die Straßenbank, auf der der Verein BFC Hertha 92 am 25. Juli 1892 gegründet worden sein soll, in der Stralsunder Straße oder am Vinetaplatz gestanden hätte. Aber wahrscheinlich stand sie am Arkonaplatz. Vor fast 124 Jahren lag der Vinetaplatz genau wie der Arkonaplatz in der Rosenthaler Vorstadt – aus damaliger Sicht also im selben Kiez. Heute liegen freilich Welten zwischen diesen beiden Plätzen.

Ebenso Welten liegen zwischen dem Fußball-Leben im Kaiserreich und dem heutigen Profi-Fußball. Die minderjährigen Gründer Brüder Lorenz und Lindner (der erste Vorsitzende war Onkel Ernst Wisch – 22 Jahre jung) benannten den Verein einfach nach einem Ausflugsdampfer – Hertha. Die Namenswahl war bereits damals ungewöhnlich, hießen in dieser Zeit Sportvereine doch Teutonia oder Germania und man jubelte dem Kaiser zu.

Das heutige Hostel in der Jülicher Straße war nicht Heim der Hertha. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin.
Das heutige Hostel in der Jülicher Straße war nicht Heim der Hertha. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin.

Gespielt wurde zunächst auf dem Exerzierplatz, dem heutigen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportplatz. Der Platz war groß und bot vielen Vereinen Platz – so auch dem jungen Verein BFC Hertha 92. Ab 1904 spielte Hertha dann im Gesundbrunnen. Gastwirt Joseph Schebera hatte an der Behmstraße Ecke Bellermannstraße einen Fußballplatz abgezäunt und vermietete ihn. 200 Zuschauer sollen zu den Spielen gekommen sein. In der Saison 1905/06 kam bereits der erste große Sieg – Hertha wurde Berliner Meister.

Wenige Jahre später, nach dem Ersten Weltkrieg, spielte Hertha bereits um den Titel Deutscher Meister. Der Titel wurde nach Spielen im K.-o.-System unter den jeweils besten Mannschaften der vier (später dann 7) Regionalligen vergeben. Eine Reichsliga gab es nicht. In den 20er Jahren kam Hertha sechs Mal ins Finalspiel. Deutscher Meister wurde der Verein schließlich 1930 und 1931.

Einwurf: Die Plumpe – mehr als ein Fußballplatz

Das Buch unterbricht seinen chronologischen Aufbau gern für wichtige Themen. So gibt es zum Beispiel ein eigenes Kapitel über die Geschichte des Stadions. In den 1920er Jahren wurde es gebaut. Berühmt wurde es unter dem Namen Plumpe. Es stand aber nicht dort, wo sich heute die Fußballplätze hinter dem Hostel Jülicher Straße Ecke Bellermannstraße befinden. Der Verein SV Nord Nordwest 1898 war schneller gewesen und hatte dem Gastwirt Joseph Schebera dieses Gelände abgekauft. Die Plumpe wurde auf einer vormaligen Eisbahn auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet, dort, wo heute (auch schon wieder ehemalige) Sozialwohnungsbauten stehen. Die beiden Ränge wurden der Zauberberg und der Uhrenberg genannt.

Einwurf: Hanne Sobek – Der erste Hertha-Star

Eingang Hertha Sportplatz um 1955. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin
Eingang Hertha Sportplatz um 1955. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin

Ein anderes Sonderkapitel bekommt Hanne Sobek. Der Mann, nach dem der Vorplatz am Bahnhof Gesundbrunnen und eine Sportanlage in der Osloer Straße nahe dem Louise-Schröder-Platz benannt ist. An diesem Namen kommt ein Hertha-Fan in der Tat nicht vorbei. Die Berliner liebten ihn damals. Nicht weniger wichtig ist allerdings der Name Wilhelm Wernicke. Von 1908 bis 1933 war er offiziell Vereinsvorsitzender und während der NS-Zeit leitete er als Netzwerker im Hintergrund den Verein überaus erfolgreich. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Wiederaufleben der verbotenen Hertha sehr wahrscheinlich ebenfalls seinem Einsatz zu verdanken.

Die meisten Zuschauer waren allerdings nicht in die Plumpe gekommen, um ein Spiel der Hertha zu sehen. 1948 hörten sie die berühmten Worten zur Berlin-Blockade „Ihr Völker der Welt – schaut auf diese Stadt“ vom damaligen Bürgermeister Ernst Reuter. 80.000 sollen es gewesen sein.

Das Ende kam für die Plumpe 1963. Es genügte nicht den Anforderungen der in diesem Jahr gegründeten Bundesliga. Hertha spielte ab der Saison 1963/64 im Olympiastadion. Bitter: Das letzte Spiel in der Plumpe, am 22. Oktober 1974 angesetzt, fand nicht mehr statt. Der Gegner des Freundschaftsspiels, der 1. FC Nürnberg, reiste wegen Regen nicht an. Danach folgte der Abriss.

Zauberberg und Uhrenberg gut zu erkennen bei diesem Spiel Hertha gegen Wacker. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin.
Zauberberg und Uhrenberg gut zu erkennen bei diesem Spiel Hertha gegen Wacker. Foto Ralf Schmiedecke Sammlung Berlin.

Infos zu Autor und Buch

Der Autor Michael Jahn, hat als Sportreporter 20 Jahre für die Berliner Zeitung über die Hertha berichtet. Im Mai 2014 ging Jahn in den Ruhestand.

2011 erschien sein Buch „Blau-weiße Wunder“ mit 496 Seiten im Verlag Die Werstatt als Hardcover. Das Buch kostet 28 Euro. Es enthält Fotos. ISBN: 978-3-89533-825-0.

LINKS

Über das Buch Blau-weiße Wunder im Verlag Die Werkstatt.

Einen Überblick über die Vereinsgeschichte bietet die offizielle Webseite www.herthabsc.de und eine kursorische Geschichte bietet die vom Fußballklub betriebene Webseite www.herthamuseum.de.

Einen gut geschriebenen Artikel über die Hertha im Wedding veröffentlicht Gerhild Kommander.

Der Weddingweiser schrieb am 25. Januar 2015 „Plumpe – Hostel statt Vereinsheim„.

Autor: Andrei Schnell; Cover: Verlag die Werkstatt; Historische Fotos: Ralf Schmiedecke, Sammlung Berlin

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