Ein Jahr City Kino Wedding: Kino mit Mehrwert

Kinobetreiberinnen Anne Lakeberg und Wiebke Wolter
Die beiden Kinobetreiberinnen Anne Lakeberg (l.) und Wiebke Wolter

Ende September letzten Jahres flimmerten zum ersten Mal nach vielen Jahren Pause wieder Filme über die Leinwand des renovierten Veranstaltungssaales im Centre Français. Seither ist viel passiert – es gab gut 350 Kinovorstellungen, es waren über 40 Filmemacherinnen und -macher zu Gast und unzählige Weddinger haben das Kino mit seinem Retrocharme kennengelernt oder wiederentdeckt. „Gemeinsam mit dem Centre Français und mit Hilfe des Medienboards Berlin-Brandenburg, der französischen Botschaft, der Berliner Sparkasse und SANOFI haben wir einen Digitalprojektor und eine neue Leinwand angeschafft“, berichten die beiden Betreiberinnen des Kinos. Außerdem wurde das alte Soundsystem wieder installiert.Die

Anne Laakeberg im City Kino im Centre Francais
Anne Lakeberg (Foto: A. Schnell)

Und auch nach einem Jahr steht für Anne Lakeberg und Wiebke Wolter fest: auch der Wedding ist der richtige Ort für ein Programmkino, das ein breites Publikum jenseits vom Mainstream anspricht. Den breiten Publikumsgeschmack deckt natürlich nach wie vor das Cineplex Alhambra ab.. „Ein neues Kino zu eröffnen hat ja heutzutage Seltenheitswert“, sagte Wiebke lachend, als wir uns vor einem Jahr im Centre Français trafen. Die damals 32-Jährige arbeitet schon lange in Hannovers größtem Arthouse-Kino am Raschplatz und hat daher viel Erfahrung in dieser Branche. Ihre Geschäftspartnerin Anne, die seit ein paar Jahren im Wedding lebt, hat sie bei einer Fortbildung für Beschäftigte der Filmbranche in Wuppertal kennengelernt. „Ich kannte den Wedding aber schon dank meiner Freunde Johannes Tolk und Anna Kiryakova, beide Künstler aus der Kameruner Straße“, erzählt die Hannoveranerin Wiebke. „Durch viele Besuche im Wedding wusste ich, in diesem Teil Berlins ist noch Luft für Neues.”

Gut gefüllter Kinosaal bei der EröffnungDie damals 31-jährige Anne hatte das seit 2007 nicht mehr dauerhaft genutzte Kino im Internet entdeckt und Kontakt zum Centre Français aufgenommen. Der Zufall half allen Beteiligten dann ebenfalls auf die Sprünge: „Ich fand bald heraus, dass ich mit Florian Fangmann, dem Geschäftsführer des Centre Français, in die gleiche Grundschulklasse in Oldenburg gegangen bin“, erzählt Wiebke. Im Juni 2014 trafen sich die Klassenkameraden nach 20 Jahren wieder und Anne und Wiebke konnten das Kino erstmals in Augenschein nehmen. „Wir waren sofort vom 60er-Jahre-Flair des Gebäudes begeistert“, berichtet Anne. Respekt flößt ihr die Anzahl von 220 Plätzen ein. „Das ist für ein Programmkino relativ groß“, erklärt die Kinobetreiberin. Die Besucher sind oft auch wegen der Atmosphäre des 1961 eröffneten Gebäudes begeistert – schon die vielfarbige Lichtdecke im Foyer dürfte einzigartig sein.

Ende September 2014 wurde dann das neue City Kino Wedding eröffnet – und das Kino war mit 300 Gästen in zwei Vorstellungen so gut wie ausverkauft! Nach diesem fulminanten Start ging es weiter, erst einmal jedes zweite Wochenende im Monat. Seit diesem Jahr wird das Kino an jedem Wochenende von Donnerstag bis Sonntag bespielt. „Das Konzept, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen, wird beibehalten“, verspricht Anne Lakeberg. Auch werde es weiterhin eine Kombination aus aktuellen Filmen und Klassikern, aus Original- und Synchronfassungen, sowie Filmen, die ein älteres wie auch ein jüngeres Publikum ansprechen, geben.

Doch einfach nur Filme zu zeigen, dafür ist der Saal mit seinem Retro-Chic zu schade. Daher versuchen die Kinobetreiberinnen immer wieder, Filmpremieren, flankierende Lesungen und film-bezogene Events in ihr Kino zu holen. Die Oscar-Verleihung wird beispielsweise live übertragen und bringt Filmfreunde aus ganz Berlin zusammen. Auch die Fans und Leser des Weddingweisers hatten im März die Gelegenheit, an einem kostenlosen Filmabend die Weddinger Doku-Filmreihe „Müller Ecke Afrika“ zu erleben und nicht nur das Filmteam, sondern auch die Redakteure des Blogs kennenzulernen. Und das macht das abwechslungsreiche Programm des Arthouse-Kinos aus – Filme, aber eben nicht nur Filme. Das City Kino Wedding war beispielsweise im Mai einer der Standorte des Jüdischen Filmfestivals. Regisseure zeigen ihre Lieblingsfilme in der neuen Reihe „Durch den Abend mit….“ – und geben Einblicke in ihre Arbeitsweise.

City Kino Wedding im Centre Français

Müllerstr. 74, 13347 Berlin, U Rehberge

Do – So

2 Kommentare
  1. […] mit bipolaris e.V. zeigt das City Kino Wedding die mehrfach ausgezeichnete Tragikkomödie “Bipolar – Meine Mama ist anders”. Sie […]

  2. […] „The Singhampton Project“, der als Hauptfilm des Abends im für sich sehenswerten schönen City Kino gezeigt […]

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: