Tiere im Wedding: Wild Wedding

IgelGanz früh, kurz nach Sonnenaufgang unterwegs ist er, vor meiner Haustür. Sein kratziges Haarkleid gibt ihm nicht viel Selbstsicherheit, ängstlich erstarrt der kleine Igel zu einer vermeintlich leblosen Stachelkugel, wenn sich ein Mensch nähert. In den Gärten hinter dem Haus wohnt er in einem Laubhaufen. Nachts jagt er Insekten.

Füchse im Sprengelkiez (C) Ware Schönheit
Füchse im Sprengelkiez (C) Ware Schönheit

Ein ganz anderes Kaliber Raubtier ist hingegen der Fuchs, sogar das am weitesten verbreitete auf der Erde. Nicht nur im vorstädtischen Reinickendorf – wo er das Wappentier ist – streunt er durch die Straßen. Auch im dicht besiedelten Wedding wohnen Füchse, am Humboldthain, in den Rehbergen, werden aber auch fernab großer Parks im Sprengelkiez gesichtet. “Die wichtigsten Gründe für das häufigere Auftreten des Fuchses sind das reichhaltige Nahrungsangebiot der Wegwerfgesellschaft, kein Jagddruck sowie ein gewisses Zutrauen zum Menschen“, erklärt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur Häufung von Wildtieren in Berlin. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Füchse trotzdem scheu sind und Menschen nicht grundlos angreifen.

Wildschweine Rehberge(C)Kate Seabrock
Wildschweine Rehberge (C) Kate Seabrock

Es ist nicht mehr zu übersehen, die wilden Tiere erobern die Großstädte zurück. Nur hier ist das Nahrungsangebot noch größer als im Wald oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Selbst in kanalisierten Gewässern wie der Panke können Stadtbewohner mühelos Graureiher beobachten, und sogar ein Eisvogel findet hier genügend Fische und Insekten für seinen Speisezettel. Gefahr droht ihnen durch die Menschen in der Großstadt meistens nicht. Auch Biber und Waschbären lassen sich vom Großstadttrubel nicht vertreiben und werden an den Ufern der Weddinger Gewässer regelmäßig gesichtet. In den Rehbergen gab es sogar eine Rotte Wildschweine, die den Parkbesuchern (und letztlich auch der Schusswaffe eines Polizisten) zu nahe kamen.

Schildkröten am Plötzensee (C)musketussi
Schildkröten am Plötzensee (C) musketussi

Auch wenn der sieben Hektar große Plötzensee im Sommer von Hunderten Menschen umlagert ist, scheint das eine Schildkrötenfamilie nicht im Geringsten zu stören. Eigentlich kommt in der Natur Deutschlands nur eine Sumpfschildkrötenart vor, doch ein Naturfotograf hat im Jahr 2011 ganze elf Rotwangen-Schildkröten im Plötzensee ausfindig gemacht. Und beim ersten Sonnenstrahl muss man am Ufer nicht lange suchen, um die urigen Reptilien auf einem im Wasser treibenden Baumstamm beobachten zu können.

Fledermäuse (C)Berliner Unterwelten
Fledermäuse (C) Berliner Unterwelten/Holger Happel

Parks und Gewässer sind für Tiere natürliche Rückzugsorte, die den Ausgangspunkt für Erkundungsgänge und –flüge durch die Großstadt darstellen. Doch auch die von Menschen errichteten Bauwerke und versiegelten Flächen bieten vielen Tierarten Obdach! So schickte uns der Verein Berliner Unterwelten Fotos von Fledermäusen, die sich in der Flakbunkerruine im Humboldthain häuslich eingerichtet haben.

Bussard (C) Berliner Unterwelten / Holger Happel
Bussard (C) Berliner Unterwelten / Holger Happel

Auch ein Bussard nutzt das Werbeschild eines Supermarkts am Gesundbrunnen regelmäßig als Beobachtungsposten. Manche Nutztiere haben sich ebenfalls die Städte als Rückzugsraum auserkoren: so finden gerade Wild- und Honigbienen, die weltweit ein gravierendes Artensterben erleben, in Berlin weite Verbreitung. Kein Wunder, gibt es hier doch weniger Pestizide und Insektizide als auf dem Land. Und Feinstaub und Abgase filtern die Bienen heraus, so dass der Stadthonig nicht damit belastet wird – und sogar besonders schmackhaft ist. Im Schul-Umwelt-Zentrum (Gartenarbeitsschule Wedding) an der Scharnweberstraße sind einige Bienenvölker zuhause, aber auch im interkulturellen Gemeinschaftsgarten Himmelbeet am Leopoldplatz und im Mauergarten wird geimkert. Außerdem werden die Mithelfer und Kursteilnehmer im Himmelbeet dafür sensibilisiert, wie man bienenfreundlich gärtnert.

Bislang war der Wedding nicht gerade dafür bekannt, dass es hier besonders einsam zugeht. Aber neulich, als ich beim Abendspaziergang ganz leise war, da habe ich es gehört: auch hier sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht!

Die Informationen und Fotos zu diesem Artikel haben die Leserinnen und Leser des Weddingweisers auf Facebook beigesteuert. Dafür vielen Dank an alle Mitschreibenden!

Die Serie wird mit Haus- und anderen Tieren fortgesetzt.

 

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