Wie fühlt sich das Regieren an, Eva Högl?

1
Reichstag
Am 18. März star­te­te die drit­te Bun­des­re­gie­rung unter Ange­la Mer­kel. Foto: And­rei Schnell

Vor rund 100 Tagen, am 14. März, war es soweit: Die Regie­rung Mer­kel Teil drei trat ihr Amt an. Ein Anlass, um mit der im Wed­ding, Moa­bit und Mit­te gewähl­ten Abge­ord­ne­ten Eva Högl von der SPD zu spre­chen. Wie geht es ihrer Par­tei in der Regie­rung so, wie fühlt es sich für sie an, bei­na­he Minis­te­rin gewor­den zu sein, wie hören ihr “die da oben” zu und wel­che Wed­din­ger Bar kann sie emp­feh­len. Hier das Inter­view mit Eva Högl.

Die aktu­el­le Bun­des­re­gie­rung ist nun 100 Tage im Amt. Ihre Par­tei, die SPD, ist an der Regie­rung betei­ligt. Gut so oder wäre Oppo­si­ti­on bes­ser gewesen?

Eva Högl
Eva Högl pri­vat. Foto: Büro Högl.

Selbst­ver­ständ­lich Regie­rung! Es ist immer bes­ser, aktiv zu gestal­ten. Ich mache Poli­tik, um das Leben aller Men­schen zu ver­bes­sern, um unse­re Gesell­schaft gerech­ter und soli­da­ri­scher zu machen. Das ist viel schwe­rer mög­lich, wenn man auf der Oppo­si­ti­ons­bank sitzt. Dafür muss man an der Regie­rung betei­ligt sein.

Und bereits nach 100 Tagen zeigt sich: Es ist gut, dass die SPD in der Regie­rung ist. Pari­tät in der Kran­ken­ver­si­che­rung, Begren­zung von Luxus­sa­nie­run­gen, Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge, Rück­kehr­recht von Teil­zeit auf Voll­zeit – all das hat die SPD bereits umge­setzt oder auf den Weg gebracht. All das hät­te es ohne die SPD in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung nicht gegeben.

Klar: Mit dem Koali­ti­ons­part­ner ist es sel­ten ein­fach. Vie­les müs­sen wir mit viel Kraft und Geduld gegen vehe­men­ten Wider­stand durch­set­zen. Doch die­ser Ein­satz lohnt sich, wenn wir dafür Ver­bes­se­run­gen errei­chen – für Kin­der, für Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­de, für Mie­ter, für Rent­ner und Pflegebedürftige.

Oft wird davon gere­det, dass die Poli­tik den Men­schen zu wenig zuhört. Aber wie ist es eigent­lich inner­halb des Par­la­ments? Wie gut hören eigent­lich die Minis­ter Ihnen als Mit­glied des Bun­des­ta­ges zu?

Im Bun­des­tag spre­che ich Klar­text. Ich sage, was ich durch­set­zen möch­te und wie mei­ne Posi­ti­on ist. Gleich­zei­tig benen­ne ich scho­nungs­los Punk­te, die ich schlecht fin­de. Dabei habe ich immer mei­nen Wahl­kreis Ber­lin-Mit­te im Blick, den ich im Bun­des­tag enga­giert ver­tre­te. Und die sozia­le Gerech­tig­keit, die mei­ne Moti­va­ti­on ist, mich poli­tisch in der SPD zu enga­gie­ren. Wir Abge­ord­ne­ten kon­trol­lie­ren die Regie­rung. Des­halb hören die gut zu, wenn wir vor­tra­gen und unse­re Mei­nung sagen. Und wir Par­la­men­ta­ri­er beschlie­ßen letzt­end­lich die Gesetze!

Eva Högl auf dem Fuzßballplatz
Eva Högl (SPD) im Sol­di­ner Kiez bei einem Fuß­ball­fest. Foto: And­rei Schnell

Für einen Moment sah es im März so aus als ob Sie Minis­te­rin wer­den wür­den. War das eine Situa­ti­on ver­gleich­bar mit der von Leroy Sané, Nils Peter­sen oder Jona­than Tah, die eben­falls einen gro­ßen Kar­rie­re­schritt zum Grei­fen nahe gekom­men waren und dann doch nicht für die WM nomi­niert wurden? 

Natür­lich hät­te ich ger­ne Ver­ant­wor­tung für ein Minis­te­ri­um über­nom­men, zum Bei­spiel Jus­tiz. Aber ich bin nicht in Ost­deutsch­land gebo­ren – und das hat am Ende den Aus­schlag gege­ben. Für mich ist es wun­der­bar so wie es jetzt ist. Ich bin mit Leib und See­le Par­la­men­ta­rie­rin und sehr ger­ne stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on. Ich habe mit Innen, Recht, Ver­brau­cher­schutz, Sport, Kul­tur und Medi­en einen anspruchs­vol­len Auf­ga­ben­be­reich, der mir viel Freu­de macht. Und ich lie­be mei­nen Wahl­kreis mit den span­nen­den Kiezen und den tol­len Leuten.

Klein-Zaches
Klein-Zaches. Foto: Weddingweiser

Fra­ge zum Schluss: Gibt es eine Bar im Wed­ding, in die Sie mal einen Minis­ter ein­la­den würden?

Da gibt es vie­le! Die Bar-Land­schaft im Wed­ding ist so bunt und viel­fäl­tig, dass sich für jeden Geschmack etwas fin­den lie­ße – ob nun ein frisch gezapf­tes Jever im Klein Zaches oder im Lin­den­gar­ten, einen Whis­ky im Off­side oder einen Cock­tail im Basalt.

 

 

 

 

Autorenfoto Andrei Schnell

 

And­rei Schnell hat 100 Tage gezählt und dann Eva Högl sei­ne Fra­gen gestellt.

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.