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Kolumne Ü 60

Intergenerationelle Teilhabe:
Zusammen ist’s lustiger und leichter

Wie kann man für soziale Berufe motivieren und qualifizieren durch Projekte, die Jung und Alt im lokalen Umfeld verbinden? Sonay, gegründet in 2022 und nahe dem Hauptbahnhof in Moabit ansässig, hat Lösungen für dieses Problem für Berlin-Mitte entwickelt.

Der Berliner Verein „Sonay soziales Leben e.V.“ wird das Konzept in einem dreijährigen Modellprojekt erproben. Wir berichteten bereits hier darüber. Drei dieser Projekte werden in Wedding angeboten: im Haus Bottrop an der Panke, bei in der Müllerstraße 116 (U Rehberge) und in der Bibliothek am Luisenbad.

Ein Teil des Sonay-Teams – Foto: Sonay

Es geht um eine freundliche und ungezwungene Atmosphäre, um die Interessen der Älteren abzudecken, wobei meist eine Verknüpfung aus digitalen Hilfen und Spielspaß angeboten wird.

Wie geht das im Einzelnen? Ich führte ein Gespräch mit Projektleiterin Lilly Ross, die sich die Projektleitung mit Leah Maarschalk teilt.

Wo finden diese Modellprojekte zur Zeit statt?

Es gibt die drei Modellbezirke Mitte, Lichtenberg Treptow-Köpenick. Die Hauptmotivation der Jugendlichen ist, sich zu engagieren und etwas „Gutes“ zu tun, für den Lebenskauf oder für die Zukunft. Die Jugendlichen erhalten eine Ehrenamtspauschale von 10 Euro pro Durchführung. Mit diesen Projekten möchte Sonay das Interesse der Jugendlichen an sozialen Berufen wecken.

Prüfen und lenken Sie die Motivation? Gibt es Vorbilder für diese Angebote? Wird Sonay das erprobte Angebot im lokalen Rahmen weitergeben?

Wir „prüfen“ diese Motivation nicht, da es ein freiwilliges Engagement ist und es vorrangig darum geht, ein Interesse am sozialen Feld, an der Arbeit mit älteren Menschen, an einem Ehrenamt zu wecken. Kurz: Es ist nicht die Aufgabe der Jugendlichen, diese Motivation schon zur Gänze mitzubringen, sondern eher unsere, diese zu wecken. Es gibt regelmäßige Einzel- und Gruppentreffen mit den Jugendlichen. Beziehungsarbeit ist ein extrem wichtiges Element des Projektes. Es gibt wenig Vorbilder für diese Angebote in der Altenhilfe, wo Jugendliche etwas Eigenes anleiten. Das wollen wir ändern. In anderen Bereichen ist diese Art Jugendlichen-Engagements gängiger, zum Beispiel JuLeiCa, DRK, Jugendfeuerwehr.

Unser Ziel ist es, Erfolgsfaktoren herauszuarbeiten, um diese dann im lokalen Rahmen, in den Kiezen weiterzugeben.

Im Gepräch mit Lilly Ross von SONAY – Foto Renate Straetling

Mit dem neuen Projekt „Teilhabe-Hilfe-Card“ starteten ab Mai zahlreiche kostenlose Freizeitangebote für ältere Menschen in Mitte. Jugendliche ab 14 Jahren wurden qualifiziert, um eigenständig ehrenamtliche Angebote für Senior*innen in sozialen Einrichtungen durchzuführen.Wann und wie lernen die Jugendlichen erstmals den Ort und die Teilnehmer:innen kennen?

Die Standorte, an denen die Angebote seit Mai stattfinden, haben die Jugendlichen gemeinsam mit uns im Vorfeld kennengelernt. Die Angebote sind auch in Austausch mit den jeweiligen Standorten entstanden, Jugendliche und Standortleitungen konnten sich vorab kennenlernen. Die Teilnehmer:innen der Angebote lernen die Jugendlichen erst beim eigentlichen Angebot kennen, da es offene Angebote sind, zu denen man sich nicht anmelden muss. Es könnten also jede Woche andere Senior:innen zu den Angeboten kommen.

Das Sonay-Team TH-Card des Jahres 2026 – Foto Sonay

Um die „Teilhabe-Hilfe-Card“ zu erhalten, nimmt man an einer Schulung teil. Nach einer 42-stündigen Schulung zur „Teilhabehelfer*in“ plus einer Praxis von 12 Monaten, eigenständig unter Anleitung einen Kurs zu geben, erhält man die TH-Card.

Die Schulung fand in den Osterferien im Rahmen einer Seminarfahrt statt. Die Lehre wurde von unserem Teilhabe-Hilfe-Team durchgeführt, das aus vier Personen besteht und langjährige Erfahrung aus der Sozialen Arbeit und auch der Konzeption und Durchführung von Angeboten hat. Die Jugendlichen haben sich in Teams von zwei schon während der Seminarfahrt einem festen Angebot zugeordnet, das sie dort im Anschluss ein Jahr lang durchführen.

Eigenständig meint: Sie haben das Angebot gemeinsam entwickelt und verstehen sich als Anleiter*innen des Angebotes. Sie werden jedoch immer von einer Person aus unserem Team pädagogisch begleitet.

Die einzelnen Angebote (insgesamt sind es 15 in drei Bezirken) werden bei unterschiedlichen Trägern ausgeführt. In Lichtenberg und Treptow-Köpenick arbeiten wir vorwiegend mit den kommunalen Trägern zusammen, in Mitte mit anderen. Es gibt Angebote, die interkulturelle Begegnung fördern oder in denen es darum geht, gemeinsam Sprachen zu lernen.

Die Jugendlichen kommen an Ort und Träger über uns. Wir haben in der Planungsphase des Projektes 15 Kooperationen vereinbart, die Jugendlichen konnten sich einen Ort/Träger aussuchen, der geeignet für sie ist.

Die Jugendlichen teilen Hobbys oder Beschäftigungen, die ihnen persönlich wichtig sind.

Das inhaltliche Angebotsspektrum geht von digitalen Angeboten über Kreatives, Basteln, Bewegungsangebote oder Austauschformate und ist im Dialog zwischen den Standorten, einer Bedarfsanalyse, die wir im Vorfeld gemacht haben, und den Jugendlichen entstanden .

Sie haben drei laufende Projekte im Wedding und Gesundbrunnen: im Haus Bottrop an der Panke , bei in Müllerstraße 116 und in der Luisenbadbibliothek nahe Badstraße.

Die Digital-Sprechstunden werden gut angenommen und stoßen auf reges Interesse. Das Kreativ- und Bastelangebot im Haus Bottrop hatte einen etwas zögerlichen Start. Unsere Erfahrung ist es, dass die meisten Angebote einige Zeit brauchen, um sich zu etablieren und bekannt zu werden, diese Zeit haben wir eingeplant.

Die beiden Digital-Sprechstunden sind eine Kombination aus digitaler Unterstützungen der Älteren und Gesprächen oder auch gemeinsames Spielen: Wir setzen auf gegenseitigen Austausch, also auf die soziale und digitale Teilhabe im geselligen Format.

Vorschläge und Anregungen sind jederzeit willkommen. Gerne können die Älteren auch ihre eigenen Lieblingsspiele mitbringen und in der Runde anbieten.

Alle aktuellen Angebote des TH-Card-Projektes in Wedding für 2026

Welche Variationen gibt es?

In der Leipziger Straße haben wir ein Angebot, das Geschichten verbindet und auf ein kleines Kiezmagazin, durch die Älteren erstellt, hinauslaufen kann.

In Pankow haben wir das Teilhabe Netz, in dem Ü 18-Jährige wenigstens einmal pro Woche mit einer Senior*in ein schönes Erlebnis von ein bis eineinhalb Stunden teilen.

Wie ist die Neugier zwischen den Generationen? Kommt es zu Fragen über die andere Lebenswelt, die heute so weit auseinanderliegen zwischen dem Analogen und digital natives?

Ja, durchaus! Viele Fragen der Älteren richten sich auf die Nutzung von digitalen Medien im Alltag und von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Schule. Dürft ihr das anwenden? Schummelt ihr mit KI?

Geht das: Zusammen mit den älteren Teilnehmer*innen Inhalte entwickeln oder abstimmen? Was bringen die Älteren an Vorerfahrungen und Interessen ein?

Gerne fragen wir nach, welche Inhalte oder Themen sich die Senior*innen wünschen, und versuchen diese in dem Angebot unterzubringen. Die Kombi Digitales + Spiel ist für uns neu und wurde als Idee von der Bibliothek am Luisenbad eingebracht, die wir mit diesem Format testen wollen und bisher gute Erfolge erzielen.
Wir glauben, dass das Spielen sehr verbindend sein kann und man sich auch spielerisch der digitalen Welt annähern kann.

Es geht um die Befähigungen, sowohl der Älteren als auch der jungen Mitwirkenden. Das ist auch ein wechselseitiger Prozess, der weiterführt. Auch möchten wir interkulturelle Angebote und Ideen einbeziehen.

Sind weitere Standorte in Mitte-Nord angedacht? Soll eine Art Rotationsprinzip realisiert werden?

Die bisherigen fünf Orte sollen, wenn sowohl von der bisherig aktiven Einrichtung und den Jugendlichen gewollt, weitergeführt werden, dann aber nicht mehr von Sonay begleitet sondern an die Einrichtungen übergeben werden.

Wie geht es weiter?

Im zweiten Projektzyklus, der im Frühjahr 2027 beginnt, entstehen fünf neue Angebote in Mitte. Für das Jahr 2027 haben wir wieder Projekte mit Schulungen vor. Anmeldungen für Ostern 2027 sind schon möglich. (Siehe unten)

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Links und Hinweise

https://www.sonaysozialesleben.org/projekte/teilhabe-hilfe-card

Anmeldungen für Ostern 2027

Für den zweiten Projektzyklus anmelden

teilhabe-hilfe-card.de

[email protected]

Kontakt: Sonay soziales Leben e.V.

Projekt 2026

Leah Maarschalk (Projektleitung)

Lilly Roß (Projektleitung)

Telefon: 030 84426923

E-Mail: [email protected]

Website: www.teilhabe-hilfe-card.de

Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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