Das Generationenübergreifende verliert man in der heutigen Zeit und vor allem in den Städten schnell aus den Augen. Treffen die einen kaum auf Kinder, so sind es die jungen Leute, die oft gar nicht mehr wissen, wie ihre Großeltern so sind und waren. Dennoch spricht viel Traditionelles, Altmodisches, jedoch eben auch viel Modernes für ein gutes Miteinander der Generationen. Das Intergenerationelle bekommt neue Füße in unserer Zeit.
Hier lässt sich gegenseitig ergänzen, was Wissbegier und Erfahrungen aus Beruf und Leben zusammenbringt und große Freude für alle schaffen kann. Umso sinnvoller sind auch Kontaktbörsen, die die Möglichkeiten des Zusammenwohnens organisieren, bei der Jung und Alt sich unterstützen und ihren Aufwand minimieren. SONAY gründete sich dafür und ist nun in allen Berliner Bezirken mit altersübergreifenden sozialen Angeboten präsent, die altersübergreifend wirken.
Was konkret tut der Verein und das Sonay-Team? Hier eine Charakterisierung des Projekts in 10 Fragen und Antworten.

weddingweiser Sie gründeten im Jahr 2022 Verein SONAY, um zu ermöglichen, dass Jung und Alt sich gegenseitig unterstützen können. Wie haben Sie selbst als Gründer und Team zusammengefunden und wie haben Sie das Konzept für diese intergenerationelle Arbeit ausdiskutiert beschlossen?
SONAY Der Name SONAY symbolisiert das Zusammentreffen von“Ende“ (Lebensende/Senioren) und „Anfang“ (Lebensanfang/Jugendliche). Die Idee zu SONAY ist aus persönlichen Erfahrungen des Gründers Jonas Deußer entstanden. Er ist in einem kleinen Dorf aufgewachsen und hat viel Zeit mit seinen Großeltern verbracht. Später, in der Jugendarbeit in Berlin, fiel ihm auf, wie wenig Kontakt viele junge Menschen zu älteren haben – und umgekehrt.
2022 gründete er gemeinsam mit Mitstreiter:innen aus Sozialer Arbeit, Bildung und Ehrenamt den Verein SONAY soziales Leben e.V. Das Konzept entstand nicht am Schreibtisch, sondern im Austausch mit Jugendlichen und älteren Menschen: Wo können sie sich gegenseitig unterstützen? Was fehlt konkret im Alltag? Daraus entwickelte sich die generationenübergreifende Arbeit von SONAY.
weddingweiser Sie haben etliche übergeordnete Projekte wie u.a. die Generationen – WG und Miteinander Wohnen, die Sie in allen Bezirken anbieten und bezirklich gefördert sind. Wie verfahren Sie damit? Sollen diese wachsen, in jedem Stadtteil oder Kiez organisiert werden? Welche sind die wesentlichen Projektbereiche, die sie unterhalten?
SONAY Unser Team entwickeln Projekte, die bezirklich verankert und gleichzeitig übertragbar sind. Das Ziel ist kein schnelles Wachstum, sondern sinnvolles Wachstum dort, wo es Bedarf, Partner und passende Förderung gibt.
Zentrale Projektbereiche sind:
- generationenübergreifendes Wohnen (z. B. Generationen-WG),
- digitale Bildung von Senior:innen durch Jugendliche (Digital Coach),
- soziale Teilhabe und Einsamkeitsprävention,
- Engagementförderung für ältere Menschen. Langfristig sollen diese Angebote in möglichst vielen Kiezen verfügbar sein – angepasst an die jeweiligen lokalen Strukturen.
weddingweiser Die Soziale Überweisung ist ein recht neues Angebot, das von der Europäischen Kommission mit 6,9 Mio Euro gefördert wird. Wie gehen Sie damit um und wie soll es einmal damit organisatorisch weitergehen? Wie bettet sich das in und/oder zwischen die anderen Projekte ein?
SONAY Die Soziale Überweisung, durch den Arzt verschrieben, gibt es in Großbritannien bereits seit 2019. In Deutschland wird das Soziale Rezept derzeit u.a. in Zusammenarbeit mit der Charité entwickelt und im Test bei verschiedenen Hausärzten eingeführt. Nach dem Motto, dass (auch) Geellschaft gesund macht, wird Wirksamkeit angenommen.
Viele Menschen wenden sich mit sozialen Problemen zuerst an Arztpraxen – etwa bei Einsamkeit oder Überforderung. Medizinische Hilfe allein reicht hier oft nicht aus.
SONAY arbeitet daran, Menschen gezielt aus dem Gesundheitssystem in passende soziale Angebote zu vermitteln. Dieses Projekt versteht der Verein als verbindendes Element zwischen seinen Angeboten und denen anderer Organisationen. Es schafft klare Wege von der Praxis hinein in Teilhabe, Begegnung und Engagement.

weddingweiser Sie stellen Ihre Projekte öffentlich vor und bieten diese Informationen durch Vorträge an vielen Berliner Orten an. Wie kommt eine Rückmeldung von interessierten Seniorinnen und Senioren zu Ihnen?
SONAY Der Kontakt zu SONAY entsteht meist sehr direkt: über Vorträge, Veranstaltungen, Zeitungsartikel, Empfehlungen oder Einrichtungen im Kiez. Viele Senior:innen melden sich telefonisch oder per E-Mail. Wichtig ist dem Team: Niemand landet in einem anonymen System, sondern wird persönlich beraten und begleitet.
weddingweiser Altenhilfe trifft Jugendarbeit ist ein einladender Werbeslogan von SONAY. Wie kommen die Menschen hierbei zusammen?
SONAY Dieser Satz ist sowohl Leitspruch als auch Grundidee von SONAY. Der Verein bringt Menschen zusammen, die sich sonst kaum begegnen würden. Jugendliche erleben, dass ihr Wissen gebraucht wird. Ältere Menschen erfahren Wertschätzung für ihre Lebenserfahrung. Das passiert ganz praktisch – im Alltag, beim Lernen, Wohnen oder gemeinsamen Projekten.
weddingweiser Sie haben starke Förderer wie Aktion Mensch und die Fernsehlotterie. Wie weit kommt man mit diesen Mittelzuweisungen?
SONAY Die Mittel sind Zuschüsse, die eine verlässliche und qualitätsvolle Arbeit ermöglichen. Gleichzeitig sind diese an klare Vorgaben gebunden und müssen u.a. sorgfältig dokumentieren.

Das Team von SONAY; Jonas Deußer (vorne re.), der Gründer von SONAY
weddingweiser Eines der neuen Angebote ist die Teilhabe-Hilfe-Card, die junge Menschen dazu anregt, sich nach Schulungen in der Altenhilfe gegen Bezahlung zu betätigen. Wie umfangreich kann das werden?
SONAY Mit der Teilhabe-Hilfe-Card qualifiziert SONAY junge Menschen für Einsätze in der Altenhilfe. Nach Schulungen und Begleitung erhalten sie einen Nachweis ihrer Qualifikation und können anschließend gegen Aufwandsentschädigung tätig werden.
Das Angebot hat großes Potenzial, da es Engagement, Berufsorientierung und konkrete Unterstützung für ältere Menschen miteinander verbindet.
Weddingweiser Ihr Angebot „Herzensprojekte entwickeln“ ist mir persönlich sofort ins Auge gesprungen. Soeben haben Sie dazu weitere Workshops angeboten, die ab März bis Dezember 2026 von Linus Marticke organisiert werden. Welche Ideen werden beispielsweise von den Älteren gewünscht und eingebracht?
SONAY In diesem Angebot begleitet SONAY ältere Menschen dabei, eigene Ideen umzusetzen. Das reicht von Nachbarschaftstreffs über Spaziergruppen bis hin zu kulturellen oder sozialen Projekten.
So gab es eine 75-jährige Dame, die eine Disco für Ältere organisierte. Diese war gut besucht, 100 kamen. Als sie es selbst nicht mehr weiterführen konnte, wurde es dennoch verstetigt als Angebot zur Freude vieler.
Manche Teilnehmende kommen mit klaren Vorstellungen, andere nur mit dem Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. Der Verein hilft dabei, aus Ideen umsetzbare Projekte zu machen – oft gemeinsam mit anderen Generationen.
weddingweiser Was treibt SONAY an?
SONAY Wir sehen täglich, was passiert, wenn Menschen ernst genommen werden: neue Kontakte, mehr Selbstwirksamkeit und spürbar mehr Lebensqualität – für Jung und Alt.
________________
Das Interview führte Renate Straetling
Alle Fotos von Kaleef Lawal
________________
Links
https://www.sonaysozialesleben.org
Teilhabe – Hilfe – Card
https://www.sonaysozialesleben.org/projekte/teilhabe-hilfe-card
Wohnen x Sonay
https://www.sonaysozialesleben.org/projekte/miteinander-wohnen-x-sonay
Soziale Überweisung
https://www.sonaysozialesleben.org/projekte/soziale-ueberweisung
Zuhause im Alter
Netzwerk Generationen

