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Kooperation von Degewo und ps.wedding ist “Zukunftsmodell”

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Zeichnung
ps.wedding möch­te aus einem oran­ge­far­ben­den Schul­ge­bäu­de ein Kul­tur­zen­trum machen. Zeich­nung: Rochus Wiedemer.

Infor­ma­ti­on 325 Woh­nun­gen und ein sozia­les Zen­trum könn­ten auf dem Gelän­de des ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums im Brun­nen­vier­tel ent­ste­hen. Bau­en wol­len die Initia­ti­ve ps.wedding und die Dege­wo. Die Zahl 325 wäre selbst für den regen Neu­bau, der im Vier­tel zu beob­ach­ten ist, sehr hoch. Der Stadt­rat für Stadt­ent­wick­lung, Ephraim Gothe (SPD), ist von der Zusam­men­ar­beit der bei­den Part­ner über­zeugt. Er spricht von einem Zukunftsmodell.

Auch die Dege­wo will das Pro­jekt, Vor­stand Chris­toph Beck “wünscht sich eine Unter­stüt­zung sei­tens des Bezirks, damit wir die Plä­ne wei­ter vor­an trei­ben kön­nen”. Ps.wedding, die die ursprüng­li­che Idee ent­war­fen, war­ten seit lan­gem auf den Start.

“Das ist ein ech­tes Zukunfts­mo­dell, dass ein lan­des­ei­ge­nes Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men und ein alter­na­ti­ver Trä­ger ein gemein­sa­mes Bau­pro­jekt ent­wi­ckeln”, sagt Ephraim Gothe bei einem Pres­se­spa­zier­gang im Brun­nen­vier­tel. PS.Wedding und die Dege­wo wol­len das leer­ste­hen­de, oran­ge­far­be­ne Schul­ge­bäu­de sanie­ren und die umge­ben­den frei­en Flä­chen bebau­en. Das Wört­chen “gemein­sam” bezeich­net eine für Ber­li­ner Ver­hält­nis­se unge­wöhn­li­chen Part­ner­schaft zwi­schen einer lan­des­ei­gene­nen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft und einem Non-Pro­fit-Pro­jekt. Denn PS.Wedding ist kein Inves­tor, son­dern ein selbst­or­ga­ni­sier­tes Pro­jekt, das mit dem  Miets­häu­ser Syn­di­kat zusam­men­ar­bei­tet. Das Syn­di­kat hat sich zum Ziel gesetzt, Immo­bi­li­en dem Markt zu entziehen.

Über das Vorhaben im ehemaligen Diesterweg-Gymnasium

Plä­ne für ein Kul­tur­zen­trum in der Swi­ne­mün­der Stra­ße. Gra­fik: ps.wedding

PS.wedding und die Dege­wo wol­len sich das Gelän­de tei­len. Die Dege­wo will 180 Woh­nun­gen neu bau­en, ps.wedding will das exis­tie­ren­de Schul­ge­bäu­de sanie­ren und zu einem sozio-kul­tu­rel­len Zen­trum umbau­en. Ers­te Pla­nun­gen sehen Thea­ter­räu­me, Erwach­se­nen­bil­dung und Gemein­schafts­gär­ten vor. Außer­dem will ps.wedding 125 Woh­nun­gen schaf­fen. Teil­wei­se wer­den die­se Woh­nun­gen im ehma­li­gen Schul­ge­bäu­de  entstehen.

Ursprüng­lich hat­te sich ps.wedding um die gesam­te Anla­ge bewor­ben, spä­ter trat die Dege­wo in das Pro­jekt ein.

Das Dies­ter­weg-Gym­na­si­um ist im Schul­jahr 2011/12 in die Bött­ger­stra­ße umge­zo­gen. Das oran­ge­far­be­ne UFO, wie es von eini­gen Kiez­be­woh­nern genannt wird, steht seit­dem leer. Die jähr­li­chen Still­stands­kos­ten, die der Bezirk tra­gen muss, sol­len sehr hoch sein.

Zukunftsmodell Partnerschaften für mehr Wohnungen

Das ehemalige Diesterweg Gymnasium. Hier sollen Wohnungen gebaut werden.
Das ehe­ma­li­ge Dies­ter­weg Gymnasium

Ephraim Gothe zählt wei­te­re Part­ner­schaf­ten zwi­schen lan­des­ei­ge­nen Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men und Part­nern auf, die er als Zukunfts­mo­dell bezeich­net: ein Pro­jekt von WBM und GSE in der Rathe­nower Stra­ße, ein Pro­jekt von Gewo­bag und Stu­den­ten­dorf Schlach­ten­see e.G. in der Amru­mer Stra­ße und die Sanie­rung mit Ergän­zungs­bau­ten von Dege­wo und Wie­sen­burg e.V. in der Wiesenstaße.

Wei­te­re Tex­te über den ehe­ma­li­gen Schul­stand­ort auf dem Weddingweiser
Gor­di­scher Kno­ten im ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg-Gym­na­si­um vom 17. Dezem­ber 2015
Dies­ter­weg-Gelän­de: Neu­er Wohn­bau­plan bis Mit­te Juni vom 27. Mai 2015

Text und Fotos: And­rei Schnell; Zeich­nung: Rochus Wie­de­mer; Gra­fik: ps.wedding

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Außerdem: Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Und: Politik sehe ich mir an wie Sportwettbewerbe. Plus: Lese ich ein Buch lese, dann möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich abschließend erwähnen.

13 Comments

  1. Guten Mor­gen!
    Ihr schreibt sehr oft über das Dis­ter­weg-Gym­na­si­um in der Put­bus­ser Str. 12. Als ehe­ma­li­ge Besu­che­rin des Ran­ke-Gym­na­si­ums bin ich bei die­sen Bei­trä­gen immer eine Mischung aus leicht ver­är­gert bis trau­rig, dass nie erwähnt wird, dass die­se Schu­le für das Ran­ke-Gym­na­si­um gebaut wur­de, das 1977 von der Lüt­ti­cher Str. 47 in die Put­bus­ser Str. 12 gezo­gen ist. Ich habe dort 1983 mein Abitur gemacht. Im Jah­re 2001 wur­de das Ran­ke-Gym­na­si­um in das Dies­ter­weg-Gym­na­si­um ein­ge­glie­dert und ver­lor lei­der somit auch sei­nen Namen und schein­bar auch sei­ne Iden­ti­tät. Nichts­des­to­trotz haben vie­le Wed­din­ge­rin­nen und Wed­din­ger dort die Schul­bank gedrückt, geschwitzt und Geschich­ten erlebt.
    Geschwitzt im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes, die Jalou­sien wur­den erst Jah­re spä­ter nach­ge­rüs­tet und die Kli­ma­an­la­ge muss­te im ers­ten Jahr nach Bezug kor­rekt ein­ge­stellt wer­den, das Kon­dens­was­ser lief die Fens­ter run­ter. Auch war kei­nes der Fens­ter zum Öff­nen, dies kam erst Jah­re später.
    Den Abriss der Alt­bau­ten um die Schu­le haben wir noch live mit­er­lebt: gese­hen und gehört, es wur­de damals noch mit einer Abriss­bir­ne vorgegangen.
    Einen schö­nen Tag von Susan­ne Haun

    • Hal­lo Susanne,
      wir beob­ach­ten des span­nen­de Pro­jekt in der ehe­ma­li­gen Schu­le auf­merk­sam und wer­den es auch wei­ter beglei­ten. Wir unter­stüt­zen das alter­na­ti­ve Pro­jekt. Wir hof­fen unter ande­rem, dass das Gebäu­de saniert und erhal­ten blei­ben kann. Es ist für den durch Kahl­schlag­sa­nie­rung sei­ner Iden­ti­tät berab­ten Kiez ziem­lich prägent.

      Du hast recht, es wür­de sich auch ein Aus­flug in die His­to­rie des Gebäudes/Standortes loh­nen. Auch unser ehe­ma­li­ger Bezirks­bür­ger­meis­ter beton­te immer, dass er auf dem Ran­ke-Gym­na­si­um war…

      Lei­der ist das The­ma rund um das geplan­te Bau­pro­jekt nicht nur inter­es­sant, son­dern lei­der auch sehr kom­pli­ziert. Wir bemü­hen uns immer, das The­ma so ver­ständ­lich wie mög­lich zu beschrei­ben und dabei fiel die His­to­rie bis­her immer hin­ten run­ter. Tut mir leid, dass Du Dich dar­über ärgerst. Viel­leicht wer­den wir den Schlen­ker in einen der nächs­ten Bei­trä­ge aufnehmen.
      Vie­le Grüße!

      • Herz­li­chen Dank für dei­ne aus­führ­li­che Ant­wort. Ich den­ke, dass es kom­pli­ziert ist. Es ist so scha­de, dass die alten Häu­ser abge­ris­sen wur­den, es bestand kei­ne Not dafür.

        Ich lese den Wed­ding­wei­ser aus­ge­spro­chen ger­ne und fin­de eure Arbeit an die­ser Kiez-Zei­tung ein­fach geni­al 🙂 🙂 🙂 Herz­li­chen Dank auch dafür.

        Ich füh­le mich durch das Ver­schwei­gen der Ran­ke-Schu­le ein Stück mei­ner Iden­ti­tät beraubt. Die Schul­zeit ist eine für den Men­schen prä­gen­de Zeit. Mei­ne Freun­din habe ich dort in der 7. Klas­se ken­nen­ge­lernt. Sie ist inzwi­schen wie eine Schwes­ter für mich. Auch mein Freund ist mit uns dort zur Schu­le gegan­gen, genau­so wie mein Bru­der und vie­le sei­ner Freun­de. Durch die glei­che Sozia­li­sie­rung, die wir erfah­ren haben, erhält man bei Tref­fen ein woh­li­ges Gefühl. Das heisst nicht, dass ich nicht offen für Neu­es bin. Lese ich die Bei­trä­ge über die Dies­ter­weg­schu­le von euch, habe ich das Gefühl, ihr demon­tiert mei­ne Ver­gan­gen­heit so wie die Abriss­bir­nen die Kiez­ver­gan­gen­heit demontierte.
        Ja, ich habe gele­sen, dass unser ehe­ma­li­ger Bezirks­bür­ger­meis­ter auch auf der Ran­ke war, er begann dort als ich schon Abitur hatte.

        Ich wün­sche einen schö­nen Tag,
        Susan­ne Haun

        • Lie­be Susan­ne, viel­leicht kön­nen wir ja mal zusam­men einen Erin­ne­rungs­bei­trag machen. Falls Du Lust hast. Es muss ja nicht immer das neue Pro­jekt im Vor­der­grund ste­hen. Man kann auch mal etwas ande­res machen. Das ist dann aber ein kom­plett ande­rer Text – und der wäre sicher­lich inter­es­sant und nicht nur auch für ande­re ehe­ma­li­ge Schü­ler schön. LG!

          • Da bin ich dabei! Ger­ne wir­ke ich an einem Erin­ne­rungs­bei­trag mit. Was hast du dir vor­ge­stellt? Du kannst mir ger­ne eine email unter [email protected] schrei­ben oder mich anru­fen, 0177 232 80 70.
            Ich freue mich,
            Susanne

      • Nein, lei­der nicht. Wir sind noch zu einer Zeit zur Schu­le gegan­gen, wo die Foto­ap­pa­ra­te rie­sig waren und ein Film ent­wi­ckeln rich­tig Geld kos­te­te und wir bei jedem Abdrü­cken der Kame­ra über­le­gen muss­ten, was wir foto­gra­fie­ren. Ich bin sel­ber auch sehr trau­rig, so wenig Bil­der von mei­ner Schul­zeit zu haben. Aber wenn ich noch etwas aus der Zeit fin­de, dann las­se ich es dich wissen.

  2. Klingt inter­es­sant. Aber min­des­tens zwei bis drei Fra­gen stel­len sich mir spon­tan: Ers­tens sehe ich, die Dem­mi­ner gedank­lich durch­wan­dernd, nir­gend­wo den Platz für eine Turn­hal­le – las­se mich aber gern eines bes­sern beleh­ren. Und zwei­tens stel­le ich mir schon etwas kri­tisch die Fra­ge, ob die Neu­bau­ten nicht das Miet­preis­ni­veau mit­tel­bar erhö­hen. Es ist wohl nicht zu weit gedacht, wenn man annimmt, dass die dege­wo nichts gegen sol­che Ent­wick­lun­gen hät­te. Das ist aus deren Sicht ja auch ver­ständ­lich. Nur bringt das drit­tens die Fra­ge mit sich, wer eigent­lich die­se p.s.wedding sind, die mit der – sicher ver­gleichs­wei­se sozia­len, aber den­noch zur Immo­bi­li­en­wirt­schaft gehö­re­denn – dege­wo koope­rie­ren. Das soll tat­säch­lich nicht ein­fach ein kri­ti­scher Kom­men­tar sein, son­dern ich wäre tat­säch­lich an Ant­wor­ten interessiert.

    • Seit 2012 ver­su­chen ps.wedding das leer­ste­hen­de Schul­ge­bäu­de einer sozia­len Nut­zung zuzu­füh­ren. PS.wedding beschreibt sich als nicht-pro­fit­ori­en­tier­ter Trä­ger. Sie arbei­ten mit dem Miets­häu­ser-Syn­di­kat zusam­men, um preis­wer­ten Woh­nungs­bau zu schaffen.

    • 1. ps wed­ding ist ein alter­na­ti­ves Pla­nungs­bü­ro. Die haben unter ande­rem ExRo­ta­print ent­wi­ckelt und das Gelän­de erfolg­reich der Spe­ku­la­ti­on ent­zo­gen. Sie woll­ten das Gelän­de in der Put­bus­ser eigent­lich allein mit Hil­fe einer Stif­tung ent­wi­ckeln. Lei­der ist das geschei­tert, weil der Bezirk das Grund­stück nicht zur Ver­fü­gung stellt. Der Kom­pro­miss ist nun, ein städ­ti­sches Woh­nungbau­un­ter­neh­men als Koope­ra­ti­ons­part­ner zu beteiligen.
      2. Der Stand­ort für die Turn­hal­le ist da. Gehört zum Schul­ge­län­de. Ich glau­be, da ist im Moment ein Sportplatz.

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