Diesterweg-Gelände: Neuer Wohnbauplan bis Mitte Juni

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Das ehemalige Schulgebäude des Diesterweg-Gymnasiums im Brunnenviertel steht seit vier Jahren leer.

Eigentlich sollten die mehr als 300 günstigen Wohnungen im Brunnenviertel längst fertig sein. Im Gemeinschaftsgarten zwischen Putbusser und Swinemünder Straße sollten schon die Tomaten wachsen, in der neuen Kita sollten die Kinder spielen, im großen Saal Veranstaltungen für den Kiez stattfinden. Im Februar 2014 stimmten die Bezirksverordneten von Mitte einhellig für das auch im Kiez favorisierte Projekt des Teams ps wedding und gegen ein konkurrierendes Wohnungsbaukonzept des landeseigenen Wohnungsunternehmens degewo. Doch noch immer steht das ehemalige Gelände des Diesterweg-Gymnasiums leer, nichts ist gebaut und entwickelt worden.

Weil sich viele Menschen im Stadtteil fragen, warum es nicht weitergeht in der Putbusser Straße, hatte kürzlich der Stadtteilverein Brunnenviertel e.V. zur Veranstaltung „Vier Jahre Leerstand – Die Zukunft des Diesterweg-Geländes“ in den Supermarkt in der Brunnenstraße eingeladen. Von Bezirkspolitikern, der zuständigen Senatsverwaltung sowie dem Projektentwicklungsteam erhofften sie sich Antworten und eine Perspektive für das zentral gelegene Gelände.

Projektteam bereits erfolgreich bei ExRotaprint

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Jan Dzieciol vom Stadtteilverein Brunnenviertel moderierte die Diskussion im Supermarkt.

„So ein leer stehendes Gebäude zieht ein Gebiet herunter“, sagte Bezirksbürgermeister Christian Hanke. Das Gebäude verfällt, regelmäßig werden die Scheiben zerschlagen und müssen repariert werden. Daher sei er froh gewesen über die Pläne von ps wedding. Das Team kann bereits auf viele erfolgreiche Projekte verweisen, unter anderem ExRotaprint. Politik und Verwaltung waren sich auch schnell einig: die günstigen Wohnungen mit integriertem soziokulturellen Zentrum sollen gebaut werden. Dann geriet das Projekt jedoch ins Stocken. Warum das so war, wurde in der Diskussion nicht deutlich. Weder der Bezirksbürgermeister, noch Bezirksstadträtin Sabine Smentek oder die Projektentwickler konnten es den zahlreichen Zuhörern erklären. Offenbar ging es dabei auch um die Frage ob und wie das landeseigene Grundstück dem Projektteam zur Verfügung gestellt werden kann. Klar wurde in der Diskussion nur, dass alle Beteiligten noch immer an den Plänen von ps wedding Interesse haben.

Interesse habe, so Hanke, allerdings auch die degewo weiterhin. „Wir haben uns mit der degewo getroffen, um das Gelände nun gemeinsam zu entwickeln“, sagte Oliver Clemens von ps wedding. „Das ist ein großer Schritt.“ Mitte Juni wolle man nun ein gemeinsames Konzept im Stadtentwicklungsausschuss vorstellen.

Seit vier Jahren steht das Schulhaus leer

Das Diesterweg-Gymnasium ist vor vier Jahren in die Böttgerstraße umgezogen. Das Schulgebäude in der Putbusser Straße im Brunnenviertel steht seitdem leer. Das ehemalige Schulgelände, das wegen seiner 70er-Jahre-Architektur und auffälligen organgefarbenen Fassade im Viertel Raumschiff genannt wird, war vor vier Jahren aufgegeben worden. Sinkende Schülerzahlen hatten den Bezirk gewogen, die Schule in die Schule in der Böttgerstraße zu integrieren. Darüber hinaus ist in dem Gebäude Asbest verbaut worden, was ebenfalls gegen den Erhalt des Standortes gesprochen hatte. Es war außerdem bereits länger vorgesehen gewesen, die an die Schule angegliederte Hugo-Heimann-Bibliothek in die neue Schiller-Bibliothek in der Müllerstraße umziehen zu lassen.

Das Projektentwicklungsteam ps wedding will an dem alten Schulstandort mehr als 300 Wohnungen für einen Mietpreis ab 5,50 Euro pro Quadratmeter schaffen. Dabei soll das Schulgebäude saniert und erhalten sowie durch Neubauten ergänzt werden. Das Projekt ist nicht gewinnorientiert und will wie beim ExRotaprint-Projekt neue nachhaltige Möglichkeiten der Quartiersentwicklung aufzeigen.

www.pswedding.de

Text und Fotos: Dominique Hensel

5 comments

    • Moritz Berger

      @planetwedding

      Wenn niemand die Fragen beantwortet hat, dann heißt dies doch konkret, dass die Bezirkspolitiker lrider nichr in der Lage sind solche Probleme zu lösen.

      Und warum sind die Bürger nicht aufgestanden und haben z.B. den Rücktritt gefordert und Schadensesatzansprüche gestellt.

      Siehe Grundgesetz § 14

      Wenn wir so “ hilflos “ sind, warum geht man dann noch zu solchen Veranstaltungen

      Hat Brecht nicht einmal geschrieben:

      Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?

  1. Moritz Berger

    Offenbar ging es dabei auch um die Frage ob und wie das landeseigene Grundstück dem Projektteam zur Verfügung gestellt werden kann.

    Na gibt es keine Juristen im Bezirksamt Mitte, die Verträge aufsetzen können?

    Oder muß noch eine Ausschreibung erfolgen?

    Und hat man schon einmal an Erbpacht gedacht?

    Und wo findet man in Mitte innovative Bezirkspolitiker?

    • planetwedding

      Das sind alles sehr berechtigte Fragen, die sich auch die Anwesenden stellten. Beantwortet hat sie leider niemand. Erbpacht stand übrigens von Anfang an ebenfalls im Raum, die Initiative hatte es schon vor zwei Jahren als Alternative vorgeschlagen. Die Leute sind ja erfahren, nicht erst seit ExRotaprint.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: