Nahverkehr nervt. Nur mit Sarkasmus lässt sich das manchmal aushalten. Daher kommen hier die Weddinger Orte, in denen es BVG & S-Bahn mit uns ganz besonders schlecht meinen:

Am Leopoldplatz hat man sich beim Bau der Linie G (heute U9) 1961 richtig gute Gedanken gemacht, wie man besonders schnell zur Linie C (heute U6) umsteigen kann. Daher sind die Rolltreppen auf dem U9-Bahnsteig clever angeordnet, denn sie führen in der Hauptlastrichtung vom Zoo kommend in Richtung Alt-Tegel auf der linken Seite nach oben, auf der rechten Seite kommen sie von oben. Das sorgt manchmal im Berufsverkehr für Verwirrung bei Ungeübten. Hoffen wir, dass die Rolltreppen niemals ausfallen!

Obacht auch vor dem Bahnhof Gesundbrunnen! Der Bus 247 hält zwar immer vor der zugigen Eingangshalle, hat je nach Richtung aber zwei Abfahrtshaltestellen, die 100 Meter voneinander entfernt liegen. Die Fahrer veranstalten dafür zwei lustige Schleifenfahrten von der Badstraßenbrücke auf den Bahnhofsvorplatz und wieder zurück – das ist einzigartig im Wedding – aber so richtig gut ist das trotzdem nicht gemacht.

Am Bahnhof Wollankstraße wird die Geduld der Ein- und Aussteigenden im Moment besonders hart auf die Probe gestellt. Die Brückenbaustelle sorgt auf der Straße, und auch auf dem Bahnviadukt, für jahrelanges Chaos. Wenn die Bahn (mal) fährt, hält sie nur stadteinwärts. Das ist für Ungeübte wirklich eine Herausforderung. Der Profi weiß: Stadtauswärts weiterfahren bis Schönholz, und dann zurück. Nervt trotzdem!

Nun zu einer Station, deren Klang schon Pickel bei vielen auslöst: Seestraße. Ähnlich wie an der Wollankstraße verhält es sich auf dem baustellengeplagten U6-Bahnhof Seestraße. Nur ist es die stadteinwärts führende Richtung, die „wegen Nebels“ durchfährt. Pech für alle, die hier von Rehberge kommend in die Straßenbahn umsteigen wollen! Und für die leidgeprüften Anwohnenden sowieso.

Wer eine U-Bahn-Fahrt in eine Abenteuerreise zum AB-Tarif verwandeln will, hat auf der U8 die besten Chancen dafür. Verrückte, Bettelnde, Party-People und alles, was sonst noch so Berlin zu dem macht, was es nun mal ist – eine durchgeknallte Stadt -, scheint sich darauf geeinigt zu haben, bevorzugt mit dieser Linie zu fahren. Hereinspaziert! Osloer Straße, Pankstraße, Gesundbrunnen und Voltastraße heißen die Weddinger Schlünde zur Unterwelt.

An und für sich sehr praktisch ist die U6. Sie führt von Alt-Tegel in wenigen Minuten zum Leopoldplatz, zur Ringbahn am Bahnhof Wedding, zur Friedrichstraße und dann weiter nach Alt-Mariendorf. Theoretisch. Denn ständig ist irgendwas gesperrt. Nach Tegel geht’s schon seit Jahren nicht, am Wedding umsteigen birgt ständig das Risiko, sich am zugigen Ringbahnsteig einen Wolf zu warten – und Richtung Innenstadt wird man oft von Touristenmassen eingezwängt, die nicht wissen, dass man die Aussteigenden zuerst rauslässt, bevor man einsteigt.

Wer die drei Zahlen „221“ auf einem Bus im Wedding sieht, muss unfassbares Glück haben und sollte sofort Lotto spielen. Die Linie, die von Waidmannslust kommend, ihre Liniennummer von 122 zu 221 wechselnd, durch ganz Reinickendorf tuckert (und Staus gibt’s da ohne Ende!), kommt nur sporadisch zu ihrem Linienende am Leopoldplatz. Der Busfahrer, der den Weg bis dahin schafft, kann sich glücklich schätzen. Größter Witz der Linie: sie hat einen Fahrplan!

Als die M10-Verlängerung 2006 am Südrand des Brunnenviertels eröffnet wurde, hat man die Barrierefreiheit „vergessen“. Die neu angelegten Haltestellen Wolliner Straße, U Bernauer Straße und Gedenkstätte Berliner Mauer sind nicht stufenlos erreichbar – das wäre im 21. Jahrhundert auch zu viel verlangt gewesen. Daher wurden sie ganz altmodisch mitten auf der Fahrbahn angelegt. Setzen, sechs!

Geniale Kiezlinie: Der 142er schafft eine praktische Querverbindung vom Sprengelkiez nach Moabit und zum Hauptbahnhof. Nur doof, dass dieser Kiezbus sonntags gar nicht fährt. Warum eigentlich nicht? Ich habe da eine Vermutung: einfach deswegen, weil es schon immer so war und die Welt sich nicht weitergedreht hat.
Welche Dinge stören euch am Weddinger ÖPNV? Schreibt es gern in die Kommentare!



So ganz kann ich den Sarkasmus nicht nachvollziehen. Da wir hier selbst bei Ausfällen immer noch genügend Alternativen haben.
Nur die Linie 142 stört mich auch. Aber das ist rein persönlich.
Warum hat man diese über die kontinuierlich blockierte Lerther Straße umgelegt, wo schon zwei Busse fahren (123, M27) und dafür die 147 über die Heidestraße zum Leo verlängert? Dafür auch sonntags durchs Niemandsland bei Schering/Bayer. Der Rest ist eh mit U6 und Bus 120 angebunden.
Da kann man tatsächlich noch nachbessern. Vielleicht sollte man mal versuchen da auch politischen Druck aufzubauen. Im Sprengelkiez haben alle wichtigen Parteien Wahlkreisbüros und Parteibüros. Das kann denen doch auch nicht egal sein.
Es gibt ber der BVG den 2013 eingerichteten ehrenamtlichen Kundenbeirat, wo sich gut Verbesserungsvorschläge einbringen lassen.
Ja, ideal ist das alles nicht, vor allem für die, die diese Tücken nicht aus dem Alltag kennen. Von den öfters ausgefallenen Aufzügen ganz zu schweigen. Immerhin kann man – über Google oder bvg.de – im Web nachsehen, welche Aufzüge welche Unterbrechungen haben.-
Aber einen schönen Vorteil haben wir im Wedding: Ab Halte U Bhf Seestraße gibt es Bus 106, der bis Lindenhof im Süden der Stadt fährt: IMMER, auch bei Streik!