//

Wiesenburg: Die Verdrängung aus dem Paradies

17

Romantische Ruinen: die WiesenburgIn der geschichts­träch­ti­gen Wie­sen­burg ste­hen gro­ße Ver­än­de­run­gen an. Die Eigen­tü­mer Senats­ver­wal­tung für Finan­zen und die DeGe­Wo haben wei­te Tei­le des Gelän­des sper­ren las­sen. Zum 2. April dür­fen weder die Rui­ne noch wei­te Tei­le der Frei­flä­che des über 8.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Gelän­des betre­ten wer­den. Ein Schock für die Mie­ter wie Joe Dum­kow und Burk­hard Nol­te, die im Gespräch mit dem Wed­ding­wei­ser-Autor Dani­el Gol­l­asch die sehr kurz­fris­ti­ge Ver­fü­gung bekla­gen. Sie emp­fan­gen uns im Wohn­ge­bäu­de des Kom­ple­xes und wei­hen uns in die Geschich­te des ehe­ma­li­gen Obdach­lo­sen­asyls ein.

Foto: Die Wiesenburg
Foto: Die Wiesenburg

1897 ent­stand hier das ers­te Ber­li­ner Obdach­lo­sen­asyl. 1907 folg­te die ers­te Obdach­lo­sen­un­ter­kunft für Frau­en. Das Beson­de­re war, dass man anonym blei­ben konn­te und nicht – wie damals in der­lei Ein­rich­tun­gen üblich – christ­lich mis­sio­niert wur­de. In den Hoch­zei­ten des Betrie­bes nach dem Ers­ten Welt­krieg zähl­te man in der Wie­sen­burg eine Vier­tel­mil­li­on Über­nach­tun­gen pro Jahr. In man­chen Näch­ten fan­den hier über 1.000 Men­schen eine Unterkunft.

Nach­dem zum Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges ein Groß­teil der Gebäu­de zer­stört wur­den und nur noch – heu­te idyl­li­sche – Rui­nen übrig blie­ben, wur­de das Are­al in der Fol­ge­zeit unter­schied­lich genutzt. In den 1950er Jah­ren sie­del­te sich Indus­trie und klei­nes Gewer­be an. Heu­te wohnt hier Fami­lie Dum­kow, die dem Gelän­de seit Genera­tio­nen ver­bun­den ist und die Flä­chen Künst­lern zur Ver­fü­gung stellt.Mit Kultur im Hof ist leider Schluss!

Nun haben Senats­ver­wal­tung für Finan­zen und DeGe­Wo die­ses Para­dies inmit­ten des Wed­dings schlie­ßen las­sen. Kein Kul­tur­be­trieb ist mehr mög­lich, kei­ne Gar­ten­fes­te und auch mit der legen­dä­ren „unbe­zahl­BAR“ ist nun Schluss. Sogar die ers­ten Bäu­me wur­den schon gefällt. Strit­tig ist noch die Sper­rung eines Ate­liers auf dem Gelände.

Die Haus­ge­mein­schaft ist zutiefst betrof­fen von der spon­ta­nis­ti­schen Reak­ti­on des neu­en Ver­wal­ters und wird nur bedingt über die zuneh­men­den Ver­än­de­run­gen in Kennt­nis gesetzt, was zuneh­mend die Ver­un­si­che­rung unter den Mie­tern schürt. Wie es wei­ter­geht, weiß momen­tan nie­mand. Kon­kre­te Plä­ne, das Gelän­de zu bebau­en gibt es wohl noch kei­ne, aber die Flä­chen wur­den vom neu­en Eigen­tü­mer schon ver­mes­sen und kartografiert.

Gedenktafel für den Berliner Asyl-VereinEs wäre ein Jam­mer, wenn die Wie­sen­burg als eine der letz­ten Bas­tio­nen altru­is­ti­scher Lebens­kunst, die sich dem, kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­druck ent­zieht, end­gül­tig schlie­ßen müss­te. Sie bie­tet Künst­lern aus aller Welt Raum zur Selbst­ver­wirk­li­chung – ohne Bedin­gun­gen, ohne Gegen­leis­tung. Das Klein­od mit­ten in Ber­lin muss erhal­ten bleiben!

Face­book­sei­te Die Wiesenburg

17 Comments

  1. Es gibt kein Han­deln ohne Kon­se­quen­zen … und somit kaum einen Ort ohne Ver­än­de­run­gen. Und so tra­gen wir alle ein wenig mit die Schuld an dem was im Wed­ding bis­lang pas­siert ist. Ins­be­son­de­re die­je­ni­gen, die ihr know-how und ihre Krea­ti­vi­tät dazu ein­setz­ten, ihren eige­nen Lebens­raum so zu gestal­ten, wie sie ihn sich wün­schen. Eine mensch­li­che Eigen­art, die sich im Lau­fe der Evo­lu­ti­on so stark ent­wi­ckelt hat dass es zur Nor­ma­li­tät gewor­den ist Flo­ra, Fau­na aber auch Men­schen und deren Kul­tu­ren zu ver­drän­gen und mit­un­ter zu zerstören.
    Doch lässt sich das so ein­fach ver­übeln? Und sind wir nicht alle, die sich so sehr um den Wed­ding bemü­hen oder bemüht haben bewusst oder unbe­wusst ein Teil von die­sem Spiel?
    Eine nam­haf­te Lese­büh­ne oder Büh­nen­pro­gramm wie “Guter Wed­ding, schlech­ter Wed­ding” wel­che schnell über die Wed­din­ger Gren­zen hin­weg bekannt wur­den und viel­leicht auch nicht unbe­dingt die auf Bil­ligst­wohn­raum ange­wie­se­nen Tei­le der Bevöl­ke­rung als Ziel­grup­pe ange­spro­chen wecken eben auch Auf­merk­sam­keit in ande­ren Stadt­tei­len. Ein Maga­zin wel­ches sich sogar des Stadt­teil­na­mes bemäch­tigt und glaubt ein Sprach­rohr für authen­ti­sche Lebens­wei­sen und wed­din­ger Altagkul­tur sein zu kön­nen aber als Ziel­grup­pe die eigent­li­chen Prot­ago­nis­ten der wed­din­ger All­tags­kul­tur weit ver­fehlt und die­se ein Stück weit sogar als Sta­tis­ten für eine “Wed­ding-Freak-Show” benutzt für die das kul­tu­raf­fi­ne Käu­fer­pu­bli­kum auch bereit ist 6,95 Ein­tritts­geld zu bezah­len. Aber auch jemand wie ich, der vor 12 Jah­ren ein fast lehr­ste­hen­des Haus als Mieter­haus­pro­jekt ent­wi­ckelt hat und sei­nen Nach­barn und Nach­ba­rin­nen güns­ti­gen Wohn­raum ver­schaff­te ohne dabei zu beden­ken dass die­se Haus­ge­mein­schaft eines Tages die Keim­zel­le der Ver­än­de­rung wer­den wür­de aus der ein Cup­Ca­ke Laden und ein ita­lie­ni­scher Biof­ein­kost­la­den in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft her­vor­ge­hen wür­de. Oder ein so wun­der­ba­res Pro­jekt wie das Him­mel­beet, dem man wohl kaum eine böse Absicht unter­stel­len kann, wel­ches aber zugleich den gelun­ge­nen Rah­men bie­tet nach Fei­er­abend in bio­kor­rek­tem Ambi­en­te noch ein biss­chen die See­le bau­meln zu lassen.
    Und wer kann von sich schon behaup­ten, dass er so kon­se­quent geblie­ben ist und bewusst auf die sich zwi­schen­zeit­lich ein­ge­schli­che­nen Annehm­lich­kei­ten des sich ver­än­dern­den Wed­dings ver­zich­tet? Oder aber wie im Fal­le des Wed­ding­wei­sers es Men­schen auf der Suche nach den Annehm­lich­kei­ten behilf­lich ist. Auch vor 10 Jah­ren haben die Haus­ei­gen­tü­mer und Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten die klei­nen Oasen des Wed­dings für ihr Immo­bi­li­en­mar­ke­ting ein­ge­setzt um den Stadt­teil von sei­ner bes­ten Sei­te zu prä­sen­tie­ren. Heu­te haben es die Ver­mie­ter schon wesent­lich ein­fa­cher da es nur einer Ver­lin­kung in der Woh­nungs­an­non­ce auf den Wed­ding­wei­ser bedarf … ; )

    Es ist aber müs­sig den Schwar­zen Peter hin und her zu schie­ben. Die Schlacht auf dem Wed­ding war bereits ver­lo­ren bevor wir ange­fan­gen haben die auf­kom­men­den Ver­än­de­run­gen der Gen­tri­fi­ca­ti­on zu erken­nen. Und die Spiel­re­geln die­ses Mono­po­lys sind wesent­lich kom­ple­xer als dass Ereig­nis­se wie z.B. Neu­eröff­nun­gen von gas­tro­no­mi­schen Betrie­ben oder der Weg­fall authen­ti­scher Eck­knei­pen dabei viel aus­rich­ten. Das sind nur die sicht­ba­ren Sym­pto­me unse­rer Zeit – die Ursa­chen lie­gen wei­ter zurück und wur­den sicher­lich nicht von enga­gier­ten Machern und Mache­rin­nen im Wed­ding ver­ur­sacht, bes­ten­falls um zwei bis drei Jah­re beschleunigt.

    Wer dar­an wirk­lich etwas ändern will, muss den Weg zurück ver­fol­gen und die Wei­chen aus­fin­dig machen und sich in poli­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­mi­schen. Aber was ist aus den “99%” gewor­den, war­um waren auf der Demo “Ban­ken in die Schran­ken” vor eini­gen Jah­ren vor dem Reichs­tag beschä­men­de 10.000 Demons­tran­tin­nen und nicht 100.000 oder gar 1.000.000? The­men wie art­ge­rech­te Hüh­ner­hal­tung und Bio­le­bens­mit­tel konn­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr Men­schen auf der Stra­ße ver­ei­nen als sozia­le Gerech­tig­keit und Existenzsicherung. 

    Vor mei­nem Weg­zug aus Ber­lin hat­te ich für “Nächs­te Aus­fahrt Wed­ding” Füh­run­gen zum The­ma Gen­tri­fi­ca­ti­on im Wed­ding ange­bo­ten. Wäh­rend den Tou­ren habe ich ver­sucht dar­auf auf­merk­sam zu machen wie schnell wir alle zu unter­stüt­zern der Gen­tri­fi­ca­ti­on wer­den ohne uns dar­über bewusst zu wer­den. Wer z.B. nach wie vor sein Geld einer kon­ven­tio­nel­len Bank zur Ver­fü­gung stellt nur weil er dort ein gering­fü­gig höhe­res Zins­ver­spre­chen bekommt oder aber ein­fach nur zu faul ist end­lich sein Kon­to bei einer ande­ren Bank zu eröff­nen unter­stützt das aktu­el­le Mono­po­ly in hohem Maße. Es gibt nur sehr wenig Ban­ken wel­che sich nur öko­lo­gisch und sozi­al ver­träg­li­chen Pro­jek­ten wid­men. Ich per­sönlcih emp­feh­le die GLS Bank da die­se bereits sehr früh ange­fan­gen hat als Bank gemein­schaft­li­che Wohn­pro­jek­te zu finan­zie­ren und bis vor weni­gen Jah­ren auch die ein­zi­ge Bank auf dem Gebiet war (ken­ne den aktul­len Stand nicht in wie weit ande­re Ban­ken sich da mitt­ler­wei­le auch enga­gie­ren). Es steht dage­gen nach wie vor an der Tages­ord­nung dass kon­ven­tio­nel­le Ban­ken weni­ger sinn­stif­ten­de und eher schäd­li­che Pro­jek­te unter­stüt­zen und im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes “Bom­ben­ge­schäf­te” täti­gen (http://www.zeit.de/2012/13/Streubomben).

    So, jezt aber Schluss … eigent­lich war ich nur auf der Suche nach ein paar aktu­el­len Infor­ma­tio­nen über das aus mei­ner Sicht gelun­gens­te Stadt­ent­wick­lungs­pro­jekt Ber­lins der letz­ten Jah­re, ExRo­ta­print. War aber schön bei der Gele­gen­heit wie­der mal einen klei­nen vir­tu­el­len Spa­zier­gang durch den Wed­ding gemacht zu haben und zu lesen dass die Debat­ten um Ver­än­de­rungs­pro­zes­se im Kiez nach wie vor am Lau­fen sind. Wer sich zu dem The­ma inter­es­siert und sich enga­gie­ren möch­te emp­feh­le ich ansons­ten sich mal die Initia­ti­ve Stadt­Neu­Den­ken und deren Akti­vi­tä­ten anzuschaun.

    Grü­ße aus einer der teu­ers­ten Städ­te der Welt (Oslo),

    Jür­gen

    ps: Die DEGEWO ist hin­sichtlcih der Ent­wick­lun­gen auf dem Gelän­de der Wie­sen­burg noch das kleins­te Pro­blem. Wir dür­fen froh sein dass es dem Lie­gen­schafts­fonds in den ver­gan­gen Jah­ren nicht gelun­gen ist das Gelän­de im Namen der Schul­den­brem­se an einen Pri­vat­in­ves­tor zu verschachern … ; )

  2. .was fehlt (auch im Spie­gel­ar­ti­kel) ist die Infor­ma­ti­on wie das Gelän­de über­haupt zur DGEWO kam. Zuerst hat sich wohl kei­ner um die recht­li­che Situa­ti­on des Gelän­des geküm­mert, dann soll­te es wohl zum Lie­gen­schafts­fond und nun ist auf dem Gelän­de von heu­te auf mor­gen die DEGEWO aktiv. Kam das alles so plötz­lich? Wenn ich mich rich­tig erin­ne­re, dann waren bei dem Grund­stücks-Trans­fer auch die Bezirks­po­li­ti­ker involviert.

    In Sachen DEGEWO gibt es im Wed­ding einen zwei­ten Streit­punkt näm­lich das Gelän­des des ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg Gym­na­si­ums in der Swi­ne­mün­der Stra­ße. Hier soll­ten nach einem guten Kon­zept bezahl­ba­re Woh­nun­gen ent­ste­hen, nun ist hier wohl auch die DEGEWO aktive. 

    Im Wed­ding (als Teil des Bezir­kes Mit­te) gibt es kei­ne öffent­li­che poli­ti­sche Dis­kus­si­on, schon gar nicht in Sachen Kul­tur !!!. Das ist in jeder mit­tel­gro­ßen Pro­vinz­stadt West­deutsch­lands anders.
    Vor allem zeigt sich an der Wie­sen­burg ein wei­te­res Mal, dass es im Wed­ding immer nur um Lip­pen­be­kennt­nis­se auf der Ebe­ne von Stamm­tisch­run­den geht. Dazu muss man heu­te nicht mal die Woh­nung ver­las­sen, man hat ja das Inter­net. Kon­kre­tes poli­ti­sches Han­deln wäre da sicher zielführender.

    Ich wün­sche mir Ant­wor­ten auf fol­gen­de Fragen:

    1. Wie kam das Gelän­de zur DEGEWO, wer hat das wann und wie entschieden?
    2. Von wem und wo wur­de ent­schie­den was auf dem Gelän­de passiert?
    3. Wer ist poli­tisch ver­ant­wort­lich, im Wed­ding (+lokal) im Bezirk Mit­te im Senat?
    (Damit mei­ne ich einer­seits die Par­la­men­te ande­rer­seits die Verwaltung)
    4. War das Gelän­de bis­her zugänglich?
    5. Ist eine bevor­ste­hen­de Bebau­ung mit dem Lan­des­denk­mal­amt abge­stimmt oder wird hier unzu­läs­sig in ein Denk­ma­l­ensem­ble eingegriffen?
    6. Auf dem Gelän­de sind min­des­ten 150.000 € durch das Quar­tier­ma­nage­ment für den Tanz­raum ver­baut wor­den, was ist mit dem Tanzraum?
    7. Ist der Tanz­raum wei­ter Zugäng­lich oder zahlt die DEGEWO das Geld an das QM zurück sodas es dem QM/dem Kiez wie­der zur Ver­fü­gung steht?
    8. Sind Kon­zep­te für eine (alter­na­ti­ve) Nut­zung ent­wi­ckelt wor­den, wie könn­ten die­se aussehen?
    9. Wenn es Alter­na­tiv­kon­zep­te gibt, wer könn­te die­se wie umsetzten?

    Ich bin ger­ne (auch kurz­fris­tig) dabei eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung zum The­ma auszurichten.

    Ver­an­stal­tungs­räu­me dazu haben wir im Wed­ding genug. Wenn wir über den Wed­ding­wei­ser infor­mie­ren kom­men sicher vie­le, der Wed­ding­wei­ser hat ja eine gute Reichweite. 

    (Der Autor war Geschäfts­füh­rer für das Kul­tur­fes­ti­vals Wed­ding Moa­bit bis Feb. 2014 und ist kein Mit­glied der Redak­ti­on des Weddingweiser)

  3. […] Jetzt wird näm­lich trotz­dem gebaut. Und zwar auf jeder ver­füg­ba­ren Flä­che und sei es gegen den Wil­len der Bür­ger. Wie zuletzt in Sachen Mau­er­park gesche­hen. Neu­es­ter Trick: Ehe sich ein Bür­ger­be­geh­ren so rich­tig aus­wächst, zieht der Senat das Plan­ver­fah­ren an sich. Dann ist näm­lich die Kuh vom Eis. Sprich: Der Bür­ger hat nichts mehr zu mel­den. Es sei denn, das Volk wür­de sich noch ein­mal zu einem Begeh­ren auf­raf­fen. Aber dafür sind Mau­er­park oder Buc­k­ower Fel­der offen­sicht­lich nicht sym­bol­träch­tig genug. Und das Volk ob der Ener­gie­leis­tung in Sachen Tem­pel­ho­fer Feld wohl auch noch ein wenig erschöpft. So kommt es, dass der Senat jede noch so klei­ne Bra­che in Beschlag nimmt, auf der unter dem Vor­wand, sozia­len Woh­nungs­bau för­dern zu wol­len (und zu müs­sen), plötz­lich Ver­drän­gung statt­fin­det. Bei­spiel Wiesenburg. […]

  4. 2 Bit­ten habe ich an die Redaktion:

    1. Die bei­den Arti­kel im 1. und 2. Satz des Tex­tes nach dem Lead haben sich irgend­wie ver­lau­fen. Ich glau­be, die Gram­ma­tik hat hier fel­sen­fest mit einem “das” gerechnet. 😉

    2. Ich stim­me dem Tenor des Tex­tes sehr zu. Jour­na­lis­tisch deut­li­cher sau­be­rer hät­te ich es aber gefun­den, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Dani­el Gol­l­asch nicht nur Autor des Tex­tes ist, son­dern auch als Poli­ti­ker der Par­tei Bünd­nis 90/Die Grü­nen auf­tritt. Das gibt die­sem Text, der (wie gesagt aus mei­ner Sicht zurecht) die SPD-geführ­te SenF­in anpran­gert ein “Geschmäck­le”. Ich unter­stel­le das Dani­el Gol­l­asch nicht. Der Wed­ding­wei­ser soll­te sich aller­dings auch nicht in die Gefahr bege­ben, sich vor­wer­fen las­sen zu müs­sen, poli­ti­sche Rän­ke­spie­le zu unter­stüt­zen. Das könn­te zudem auch dem Anlie­gen und der Authen­ti­zi­tät der Wie­sen­burg-Betrei­ber scha­den. Aus mei­ner Sicht braucht ein sol­cher Arti­kel einen poli­tisch weni­ger akti­ven Autor – oder eben einen ent­spre­chen­den Hin­weis darauf.

    • Vie­len Dank für Dei­nen Grammatikcheck. 🙂

      Mit Dei­ner Anmer­kung hin­sicht­lich des poli­ti­schen Hin­ter­grunds von Wed­ding­wei­ser-Autoren kön­nen wir schon deut­lich mehr anfan­gen als mit dem Gen­tri­fi­zie­rungs­vor­wurf … Dazu: Von einem pro­fes­sio­nel­len jour­na­lis­ti­schen Stand­punkt aus hast Du recht. Wir sind aber eine kom­plett ehren­amt­li­che Redak­ti­on, wir haben auch kei­nen pro­fes­sio­nel­len Anspruch. Die meis­ten von uns sind über­haupt kei­ne Jour­na­lis­ten, vie­le tun in ihrer Frei­zeit oder im Beruf Din­ge, an denen kri­ti­sche Leser im Zusam­men­hang mit man­cher Ver­öf­fent­li­chung even­tu­ell Anstoß neh­men könn­ten. Sei es, dass jemand bei den Wed­din­ger Wie­seln Bas­ket­ball spielt oder im Mau­er­gar­ten Hoch­bee­te pflegt. Über die Fra­ge der (poli­ti­schen) Unab­hän­gig­keit des Blogs oder der Autoren reden wir immer wie­der bei unse­ren Redak­ti­ons­stamm­ti­schen. Die Tref­fen sind übri­gens öffent­lich. Für die Redak­ti­on: Domi­ni­que (Jour­na­lis­tin) 😉

      • Hal­lo Dominique,

        der ers­te Kom­men­tar kam zwar auch von Peter. Aber nicht von mir. Nur als Info.

        Ich glau­be, mit dem The­ma muss man sich ab einer bestimm­ten Grö­ße und “markt­be­herr­schen­den” Stel­lung (das soll ein Kom­pli­ment sein) aus­ein­an­der­set­zen. Aus mei­ner Sicht gehö­ren die­se Dis­c­lai­mer ein­fach dazu – egal, ob man sich selbst als jour­na­lis­ti­sches Ange­bot sieht oder nicht. Es wäre aus mei­ner Sicht zu ein­fach, zu sagen: Irgend­wie hat ja doch jeder irgend­ei­nen Hin­ter­grund – die blen­den wir hier beim Wed­ding­wei­ser ein­fach aus. Wenn die­se Hin­ter­grün­de für die jewei­li­ge Bericht­erstat­tung rele­vant sind, soll­te man sie dar­le­gen. Und um auf dei­ne Ant­wort auf den Kom­men­tar von mei­nem Namens­vet­ter ein­zu­ge­hen: Aus mei­ner Sicht ist der Wed­ding­wei­ser defi­ni­tiv ein Akteur. Ihr erreicht mit eurem Ange­bot eine Men­ge Men­schen, ihr könnt The­men set­zen und Mei­nun­gen prä­gen. Man kann sich die­ser Ver­ant­wor­tung nicht ent­zie­hen, indem man nur “die schö­nen und unschö­nen Nach­rich­ten über den Stadt­teil ver­brei­ten” möch­te und aus­blen­det, dass man dies öffent­lich unter dem Label “Wed­ding­wei­ser” macht. Wür­de hier eine Pri­vat­per­son schrei­ben, wäre die Dis­kus­si­on eine ande­re (aber auch dann wür­de ich einen ent­spre­chen­den Dis­c­lai­mer erwar­ten). Ihr aber seid eine Redak­ti­on mit ent­spre­chend benann­ten Redak­ti­ons­sit­zun­gen (respek­ti­ve Stamm­ti­schen). Ich als Leser erwar­te eine gewis­se Unab­hän­gig­keit und wenn die nicht gege­ben ist eine Offen­le­gung. Wenn das im Klei­nen nicht funk­tio­niert, wie wollt ihr dann z.B. Unter­stel­lun­gen begeg­nen, die euch viel­leicht vor­wer­fen, für Restau­rant-Tipps Geld zu bekom­men? Wie wollt ihr als Redak­ti­on sicher­stel­len, dass nicht einer eurer Redak­teu­re Geld dafür bekom­men hat, wenn es dafür gar kei­ne redak­tio­nel­len Grund­sät­ze und Ver­ein­ba­run­gen gibt? Sor­ry, wenn das hier etwas abglei­tet. Ich lese den Wed­ding­wei­ser extrem gern. Des­halb mache ich mir auch die­se Gedan­ken. Aus mei­ner Sicht macht eure inzwi­schen erreich­te Grö­ße es not­wen­dig, über die­se The­men nachzudenken.

        • Hal­lo Peter, zunächst ein­mal ent­schul­di­ge ich mich für die Ver­wechs­lung. Gleich zwei Peter gleich­zei­tig waren wohl zu vie­le für mich. 😉 Ich kann Dei­ner Argu­men­ta­ti­on fol­gen und unter­stüt­ze sie per­sön­lich in gro­ßen Tei­len auch. Wenn Du magst, kön­nen wir das bei einem der nächs­ten Stamm­ti­sche gern per­sön­lich ver­tie­fen wenn Du Lust und Zeit hast.

  5. Lie­be Domi­ni­que, der Peter woll­te doch bloß ein biss­chen stän­kern. Immer­hin scheint er sich durch unse­ren Blog gut infor­miert. Und setzt sei­nen nächs­ten Kom­men­tar in einer lek­ker­schmek­ker­tor­ten­kaf­fee­bur­ger­voll­al­ter­na­tivund­so­diy­bar ab. Wir soll­ten ihm dan­ken! Dan­ke, Peter

  6. der wed­ding­wei­ser betrof­fen über die gentrifizierung?
    tja, was fällt mir dazu ein? viel­leicht der spruch “sowas kommt von sowas”?
    schnell noch ne run­de aktio­nis­ti­sche betrof­fen­heit und denn wie­der ein hype-arti­kel über die
    nächs­te lekkerschmekkertortenkaffeeburgervollalternativundsodiybar?
    ihr merk­ts nich, oder?

    • Die Autoren des Wed­ding­wei­ser beschrei­ben die schö­nen Sei­ten des Wed­ding, aber nicht nur die. Wir freu­en uns über Ent­wick­lun­gen in unse­rer Nach­bar­schaft, wir sind aber natür­lich betrof­fen von Ereig­nis­sen wie denen auf der Wie­sen­burg. Wir alle leben schließ­lich hier. Den “sowas kommt von sowas”-Zusammenhang kön­nen wir wirk­lich nicht erken­nen. Wir sind kei­ne Akteue­re. Wir sind nur die, die die schö­nen und unschö­nen Nach­rich­ten über den Stadt­teil ver­brei­ten. Für die Wed­ding­wei­ser-Redak­ti­on: Dominique

Schreibe einen Kommentar zu Jürgen Breiter Antworten abbrechen

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.