Die Kolumne: Der große Mann handelt

Was das Tempelhofer Feld mit dem Wedding zu tun hat…

Aus und vorbei? Die umkommerzielle Nutzung in der Wiesenburg
Aus und vorbei? Die umkommerzielle Nutzung in der Wiesenburg

Können Sie sich noch an den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld erinnern? Und daran, wie Sie reagiert haben, als klar wurde, dass der Senat neese war? Und dass der damalige Senator für Stadtentwicklung trotz herber Niederlage irgendwie ziemlich entspannt wirkte? Sie können sich erinnern? Gut so! Denn inzwischen ist der schmale Herr Müller ein Großer, nämlich unser Regierender Bürgermeister. Und jetzt hat er das Sagen! Und handelt.

Jetzt wird nämlich trotzdem gebaut. Und zwar auf jeder verfügbaren Fläche und sei es gegen den Willen der Bürger. Wie zuletzt in Sachen Mauerpark geschehen. Neuester Trick: Ehe sich ein Bürgerbegehren so richtig auswächst, zieht der Senat das Planverfahren an sich. Dann ist nämlich die Kuh vom Eis. Sprich: Der Bürger hat nichts mehr zu melden. Es sei denn, das Volk würde sich noch einmal zu einem Begehren aufraffen. Aber dafür sind Mauerpark oder Buckower Felder offensichtlich nicht symbolträchtig genug. Und das Volk ob der Energieleistung in Sachen Tempelhofer Feld wohl auch noch ein wenig erschöpft. So kommt es, dass der Senat jede noch so kleine Brache in Beschlag nimmt, auf der unter dem Vorwand, sozialen Wohnungsbau fördern zu wollen (und zu müssen), plötzlich Verdrängung stattfindet. Beispiel Wiesenburg.

brunnenstraße kaisers andreinschnellNoch etwas: Wenn stimmt, was der Bürgerverein Gleimviertel herausfand, dann stehen auch im Brunnenviertel mächtige Veränderungen an. Dort hätten viele Mieter von Sozialwohnungen erhebliche „Mieterhöhungsverlangen“ zum 1. April zugestellt bekommen. Möglicher Hintergrund: Die Degewo wolle zum 2. April für diese Sozialwohnungen die beim Land aufgenommenen Förderdarlehen freiwillig und vorzeitig ablösen. Was zur Folge hätte, dass diese Wohnhäuser aus dem Mietenkonzept des Senats herausfallen, mit dem Sozialmieten bei maximal 5,70 Euro gekappt werden. Auch wenn sich der Aufschrei des Bürgervereins, der seine Heimat in Prenzlauer Berg hat, als überzogen entpuppt – die Stoßrichtung des Senats ist klar: Gebaut wird, wo immer es möglich scheint. Auch wenn dadurch gewachsene Stadtmilieus gefährdet werden. Schutz hin oder her. Schlechtes Gewissen wegen Ihrer Stimme pro freies Tempelhofer Feld? Müssen Sie nicht haben! Diese Art Stadtentwicklung war nicht zu verhindern. Nur zu verzögern.

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding. 

 

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