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Studie des hilflos wirkenden Senats:
Viel Müll, viele Meldungen – aber wird der Wedding sauberer?

23. Juli 2026
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Eine große Berliner Befragung bestätigt, was im Wedding täglich zu sehen ist: Müll ist nicht überall dasselbe Problem. Der Senat setzt vor allem auf Strafen und Kontrollen. Im Wedding wirkt das weltfremd. Hier könnten einfachere Meldungen und erreichbare Entsorgungsangebote mehr bewirken.

Ein Sofa an der Straßenecke, Müllsäcke neben einem Altkleidercontainer, Gewerbeabfälle auf dem Gehweg: Im Wedding braucht es keine Umfrage, um das Problem zu entdecken. Trotzdem liefert die neue Berliner Befragung zu „Sauberkeit und Ordnung“ einige Hinweise. Rund 31.000 Menschen nahmen teil. Repräsentativ für Berlin ist allerdings nur die zufällig ausgewählte Gruppe von knapp 4.900 Personen. Die übrigen Antworten stammen aus einer offenen Onlinebefragung, an der sich besonders viele Menschen beteiligten, die das Thema bereits beschäftigt.

Die Studie misst zudem keine tatsächlichen Müllmengen, sondern Wahrnehmungen. Danach ist eine Mehrheit mit der eigenen Straße noch einigermaßen zufrieden. Je größer der betrachtete Raum wird, desto schlechter fällt das Urteil aus. Besonders häufig stören kleiner Müll, Zigarettenkippen, Sperrmüll und Hundekot. Gewerbliche Abfälle und weggeworfenes Drogenbesteck bilden in einzelnen Stadtgebieten zusätzliche Schwerpunkte.

Im Wedding sind solche Stellen seit Jahren bekannt. An der Transvaalstraße entwickelt sich ein Grünstreifen am Rand der Rehberge immer wieder zum Müllmagneten. An manchen Straßen wächst über Monate ein Haufen aus Bauschutt, Hausrat und Sperrmüll. Auch aus der Ungarnstraße am Schillerpark berichten Lesende immer wieder über Ablagerungen und erfolglose Meldungen – erst seit sie eine Fahrradstraße ist, hat sich das Problem in Luft aufgelöst. Regelmäßig ziehen Clean-up-Gruppen durch den Sprengelkiez, den Brüsseler Kiez oder das Afrikanische Viertel.

Strafen allein räumen nichts weg

Der Senat hebt vor allem ein Ergebnis hervor: 59 Prozent wünschen sich höhere Strafen, 48 Prozent mehr Kontrollen durch das Ordnungsamt. Seit November 2025 gilt bereits ein verschärfter Bußgeldkatalog. Das klingt entschlossen, löst aber ein praktisches Problem nicht: Eine hohe Strafe wirkt nur, wenn Verursachende tatsächlich beobachtet und ermittelt werden.

Bei uns ist das Thema ebenfalls ständig präsent. In den Kommentaren beim Weddingweiser zeigt sich ein anderes Bild. Mehrfach wird von Meldungen berichtet, die als „erledigt“ erscheinen, obwohl der Müll noch auf der Straße liegt. Häufig bedeutet der Status lediglich, dass das Ordnungsamt den Fall an die BSR weitergeleitet hat. Andere weisen darauf hin, dass Sperrmüll ohne Auto kaum zu einem Recyclinghof gebracht werden kann. Und im Wedding gibt es keinen solchen Hof.

Die Befragten verlangen keineswegs nur mehr Härte. Jeweils rund zwei Fünftel wünschen sich mehr Straßenreinigung, zusätzliche Papierkörbe und häufigere Leerungen. Kontrolle kann illegales Abladen erschweren. Sie ersetzt aber weder eine schnelle Abholung noch erreichbare Möglichkeiten zur legalen Entsorgung.

Fünf Sekunden bis zur Meldung

Eine Weddinger Lösung setzt bei der umständlichen Meldung an. Der im Brüsseler Kiez entwickelte Dienst trash-cam.com funktioniert als einfacher Zugang zum offiziellen Meldesystem: Müll fotografieren, Standort bestätigen, abschicken. Die Meldung wird an das Ordnungsamt übermittelt und auf einer Karte sichtbar.

Das verhindert keine neue Matratze am Straßenrand. Es senkt aber die Hürde, eine Ablagerung zu melden, und dokumentiert wiederkehrende Problemstellen. Wenn an derselben Ecke immer wieder Müll liegt, entsteht eine Datenspur, die sich schwerer ignorieren lässt.

Trash-Cam zeigt zugleich die Grenze digitaler Lösungen: Auch die einfachste Meldung hilft wenig, wenn sie nur weitergeleitet und erst Wochen später bearbeitet wird.

Die Kieztage funktionieren

Die zweite konkrete Lösung gibt es bereits länger: die BSR-Kieztage. Dort können private Haushalte Sperrmüll und Elektrogeräte kostenlos im eigenen Kiez abgeben; Brauchbares wird für die Wiederverwendung gesammelt. 2025 fanden in Mitte 31 Kieztage statt. Rund 15.000 Menschen brachten mehr als 228 Tonnen Sperrmüll und etwa 25 Tonnen Re-Use-Material vorbei.

Diese Zahlen sind ein Erfolg, aber auch ein Warnsignal. Sie zeigen, wie groß der Bedarf an wohnortnaher Entsorgung ist. Gerade Menschen ohne Auto profitieren davon, wenn der BSR-Wagen am Zeppelinplatz, im Soldiner Kiez oder an einem anderen wechselnden Standort im Wedding steht. Die Kieztage sollten deshalb häufiger stattfinden und stärker an bekannten Müllschwerpunkten ausgerichtet werden. Oder noch besser: Sperrmüll sollte wieder kostenlos abgeholt werden.

weddingweiserredaktion

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Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

3 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Umdenken nützt!

    So wie beim Winterdienst (wo bleibt eigentlich der dazu angeforderte Bericht, der bereits zum Beginn des Juni 2026 vorliegen sollte und auf Mitte Juli 26 verschoben wurde?) kann man auch beim Müll umdenken. In der heutigen Zeit gibt es mehr Fluktuationen im Leben, und es fällt mehr Müll bei Möbel und Hausrat an: warum nicht in jedem Kiez eine verkehrsgünstige garagengroße Hütte zum Entsorgen anbieten, die regelmäßiger von den Mülautos angefahren und bedient wird?

    Im übrigen kann man Möbel auch aus Stecksystemen fertigen, so dass der Müll handhabbarer wird, oder?

  2. Das Hauptproblem sind mal wieder wie so oft die Autos. Man muss sich nur mal die Müllstellen im Dohnagestell und an der Seestraße vor dem Kombibad anschauen. Straßen die nachts unbeobachtet sind weil keine Wohnhäuser. Komplett zugemüllt. Immer. Das Dohnagestell sollte eigentlich komplett zugemacht und entsiegelt werden, es gibt keinen Grund warum hier irgendwer mit dem Auto rein muss. Die Transvaalstr. eigentlich auch. Die Seestr. -und Afrikanischen Straße könnten den zusätzlichen Verkehr locker aufnehmen und zerschneiden nicht einen Stadtpark.

    • Das Problem sind nicht die Autos. Das Problem ist, wie immer, der Mensch. Ich bin vor einem halben Jahr vom Wedding nach Wilmersdorf gezogen. Auch hier fahren Autos. Müll liegt hier allerdings nicht herum.

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