Weddinger Wiesel auf der Suche nach Lösungen

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Sporthalle Wiesenstraße 56-58 wurde Notunterkunft - Foto Andrei Schnell
Die Sport­hal­le Wie­sen­stra­ße 56–58 wur­de Not­un­ter­kunft. Foto: And­rei Schnell

Die Sport­hal­le in der Wie­sen­stra­ße 56–58 wur­de vor zehn Tagen vom Senat beschlag­nahmt und in eine Not­un­ter­kunft für 199 Geflüch­te­te umge­wan­delt. Die Hal­le wur­de bis zu die­sem Tag für den Sport­un­ter­richt der Her­bert-Hoo­ver-Schu­le genutzt. Am Nach­mit­tag und am Wochen­en­de trai­nier­te dort haupt­säch­lich der Bas­ket­ball-Ver­ein Wed­din­ger Wie­sel. In der Wie­sen­stra­ße wie­der­holt sich das, was an vie­len Orten im Land der­zeit geschieht. Wäh­rend so für die Geflüch­te­ten zumin­dest eine vor­über­ge­hen­de Not­lö­sung gefun­den wird, beginnt für die bis­he­ri­gen Nut­zer die schwie­ri­ge Suche nach Lösungen.

Susanne Bürger als Kampfrichterin, als noch Basketball gespielt wurde - Foto Dominique Hensel
Susan­ne Bür­ger als Kampf­rich­te­rin. Foto: Domi­ni­que Hensel

Fol­gen für die Wiesel
Susan­ne Bür­ger ist die Ver­eins­vor­sit­zen­de der Wed­din­ger Wie­sel. Sie hat Ver­ständ­nis für die Not der Geflüch­te­ten. Sie ver­steht den Druck des Senats, Men­schen im Win­ter nicht auf der Stra­ße ste­hen las­sen zu kön­nen. Die Ent­wick­lung des von ihr mit­ge­grün­de­ten Ver­eins Wed­din­ger Wie­sel ist ihr aber auch nicht egal. Vor­ran­gig zu schaf­fen macht den Wie­seln jetzt, ob es ihnen gelin­gen wird, den Nach­wuchs beim Ver­ein zu hal­ten. Es ist zu befürch­ten, dass die Kin­der die rela­tiv lan­gen Wege in ande­re Hal­len nicht mit­ma­chen wer­den. Schwer zu orga­ni­sie­ren sind auch alter­na­ti­ve Trai­nings­zei­ten. Durch das Feh­len der Wie­sen­hal­le müs­sen die Wie­sel als ein­zel­ner Ver­ein den Ver­lust der Hälf­te ihrer Trai­nings­zei­ten ver­kraf­ten. Dar­über hin­aus war die Sport­hal­le Wie­sen­stra­ße die ein­zi­ge Hal­le im Gesund­brun­nen, die die Anfor­de­run­gen der obe­ren Bas­ket­ball-Ligen erfüllt.

Es braucht Regeln für die Beschlagnahmung
Die Wed­din­ger Wie­sel ver­ste­hen, dass es sich bei der Unter­brin­gung der Geflüch­te­te um eine Not­la­ge des Senats han­delt. Trotz­dem ent­ste­hen Fra­gen. “Es gibt ein­fach kei­nen Plan”, ärgert sich die Ver­eins­vor­sit­zen­de über den Senat. Nach wel­chen Kri­te­ri­en ent­schei­det der lan­des­wei­te Koor­di­nie­rungs­stab Flücht­lings­ma­nage­ment (LKF), wel­che Sport­hal­len ent­ge­gen den Wil­len der Bezir­ke beschlag­nahmt wer­den? “Es gibt auch gar kein Wie­der­ein­stiegs­kon­zept”, wun­dert sich die Wie­sel-Che­fin. Was wird mit den nicht zu ver­mei­den­den Beschä­di­gun­gen der Hal­le und des Mobi­li­ars? Wird die Hal­le über­haupt noch für den Sport nutz­bar sein? In wel­cher Rei­hen­fol­ge wer­den die Hal­len im Bezirk wie­der in die Sport­nut­zung zurückgegeben?

Soli­da­ri­tät der Ver­ei­ne untereinander
Susan­ne Bür­ger muss nun orga­ni­sie­ren, ver­han­deln, alter­na­ti­ve Hal­len suchen. Ihr liegt es am Her­zen, den vie­len Bas­ket­ball-Ver­ei­nen für die Unter­stüt­zung zu dan­ken. “Weni­ge Tage nach der Beschlag­nah­mung hat­ten wir die regu­lä­re Liga­kon­fe­renz. Was wir da an Unter­stüt­zung erfah­ren haben, hat uns sehr gehol­fen.” Susan­ne Bür­ger sieht aber auch die Gefahr, dass die Ver­ei­ne in die Fal­le gehen wer­den und irgend­wann gegen­ein­an­der statt mit­ein­an­der kämp­fen wer­den. “Die gro­ßen Ver­ei­ne mit ihren Netz­wer­ken in die Poli­tik hin­ein ret­ten sich auf Kos­ten der klei­nen Ver­ei­ne”, befürch­tet sie. Sie wünscht sich: “Es darf nicht zum Prin­zip Ver­drän­gung kommen!”

Die gro­ßen Ber­li­ner Sport­ver­ei­ne tref­fen sich auf Ein­la­dung des Lan­des­sport­bun­des am Mon­tag, 21. Dezem­ber. Sie wol­len “Maß­nah­men und Akti­vi­tä­ten fest­le­gen, …, um den Ber­li­ner Sport nicht zum Erlie­gen kom­men zu lassen.”

Reak­ti­on des Bezirksbürgermeisters
Bezirks­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke sieht die Belas­tung des Schul­sports und der Sport­ver­ei­ne. Sport­hal­len, die für Schu­len und Sport­ver­ei­ne wich­tig sind, will er dem Senat nicht mel­den. Er sagt: “Wir haben als Bezirk auch seit Mona­ten immer wie­der aktua­li­sier­te Lis­ten mit alter­na­ti­ven Immo­bi­li­en an den LKF gesandt.” (LKF steht für lan­des­wei­ter Koor­di­nie­rungs­stab Flüchtlingsmanagement.)

Die Not der Geflüch­te­ten ist groß. Die Behör­den auf Lan­des­ebe­ne sind auf die Situa­ti­on noch immer nicht ein­ge­stellt. Doch es wird lang­sam Zeit, dass Ver­wal­tung und Poli­tik das tun, was von einer Büro­kra­tie erwar­tet wer­den kann: Plä­ne und Ver­fah­ren erstel­len. Am bes­ten fai­re und nach­voll­zieh­ba­re. Die Zustän­dig­keit für die Ver­sor­gung der Geflüch­te­ten geht nun nach und nach an die Bezir­ke über. Was dem Senat nicht gelun­gen ist, muss nun auf jedem Fall auf Bezirks­ebe­ne gelin­gen: Regeln und Kri­te­ri­en sind gefragt. Bezirks­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke hat am 8. Dezem­ber die “Steue­rungs­run­de Geflüch­te­te Mit­te (SrGM)“ instal­liert. Es bleibt zu hof­fen, dass dort nicht nur über neue Per­so­nal­stel­len nach­ge­dacht wird. Wich­tig sind jetzt Trans­pa­renz und Offenheit.

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Lan­des­sport­bund lädt Ver­ei­ne ein
Wed­din­ger Wiesel

Autor: And­rei Schnell; Fotos: And­rei Schnell und Domi­ni­que Hensel

Der Text wur­de nach­träg­lich bear­bei­tet (20.12., 13 Uhr).

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Politik sehe ich mir an wie den Sport. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich noch erwähnen.

1 Comment

  1. Das gehol­fen wer­den muss, steht für mich außer Fra­ge – aber wer denkt sich den bit­te eine der­ar­ti­ge Lösung auf dem Rücken von Schü­lern und Sport­ver­ei­nen aus? Hat Wed­ding so wenig Ar… in der Hose, um sich dem zu ver­wei­gern? Gibt es etwa nicht genug leer­ste­hen­de Gebäu­de im Wed­ding? In Ber­lin ganz zu schwei­gen. Oder BER!!!!? Es schei­nen fie­ber­haft immer neue Mög­lich­kei­ten gesucht zu wer­den um Kunst, Kul­tur und Bil­dung zu unter­gra­ben. Wie gesagt, es muss gehol­fen wer­den – aber nach­den­ken und Lösun­gen fin­den scheint nicht gera­de zum poli­ti­schen All­tag in Ber­lin zu gehören.

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