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Wegner Armin (1850-1917): Verlegung der Stettiner Eisenbahn zwischen Pankow und Berlin, Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen (1895-1897)

Auf große Umsteigerzahlen ausgelegt:
So war der Bahnknoten Gesundbrunnen einmal

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fuhr ein Zug nach dem anderen am zentralen Verkehrsknotenpunkt des Berliner Nordens vorbei. Viele Züge hielten auch und machten den Gesundbrunnen zu dem Umsteigebahnhof überhaupt.

Zeitsprung ans Ende der 1980er-Jahre. Da war der Bahnhof Gesundbrunnen nur noch ein Schatten seiner selbst. Es gab gerade mal zwei S-Bahn-Linien, die dort an einem einsamen Bahnsteig hielten, und unter der Erde gab es noch den U-Bahnhof der U8.

A. Wegner (1850-1917): Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen (1895-1897)

Ringbahn, Nordbahn, Stettiner Bahn

Die Station wurde eingerichtet, als 1872 die Ringbahn den Betrieb aufnahm. 1877 war auch die Berliner Nordbahn fertiggestellt und Züge fuhren vom Gesundbrunnen weiter zum Stettiner Bahnhof und zum damaligen Nordbahnhof an der Eberswalder Straße. Erst nachdem auch die Stettiner Bahn 1897 von der Grüntaler Straße auf die heutige Trasse verlegt wurde, entstanden zwei Empfangsgebäude im neogotischen Stil nach Entwürfen von Armin Wegner – ein größeres an der Badstraße/Behmstraße und ein kleineres an der Brunnenstraße. Beide waren durch eine Eisenkonstruktion verbunden, die mit Übergängen zu den Gleisen versehen war. Die Badstraßenbrücke aus Backstein war, anders als heute, noch eine freistehende Brücke.

Der Bahnhof Gesundbrunnen war aber kein Endpunkt, sondern eine Zwischenstation aller von der Ostsee kommenden Züge auf den beiden Bahnstrecken Berlin-Stettiner Eisenbahn und Nordbahn. Diese endeten alle am Stettiner Bahnhof, der sich neben dem heutigen S-Bahnhof Nordbahnhof befand (heute heißt der Vorplatz Elisabeth-Schwarzhaupt-Platz). Die Güterzüge hingegen fuhren über den Gleimtunnel zum Güterbahnhof Eberswalder Straße – ein Gelände, auf dem sich heute der Mauerpark erstreckt. Erst am 18. Mai 1952 endete am Bahnhof Gesundbrunnen der Personenverkehr von Zügen aus dem Norden, während der Güterverkehr noch bis 1961 bestehen blieb. D-Züge fuhren – im Gegensatz zu den Vorortzügen – meistens am Gesundbrunnen durch.

Schaut man sich den Gleisplan aus den 1950er-Jahren an, erkennt man – verglichen mit heute – eine andere Anordnung der Gleise aus den verschiedenen Richtungen. Ganz außen auf der Nordseite lagen die S-Bahn-Gleise der Nord-Süd-Linien, die von Oranienburg, Bernau und Kremmen Richtung S-Bahn-Tunnel führten. Neben dem S-Bahnsteig C lag der Bahnsteig B, der für die Fern- und Regionalbahnzüge von und nach Stralsund bestimmt war. Erst dann kam der Ringbahnsteig. Ganz im Süden lagen dann auch noch vier Gütergleise. Ein weiteres Industriebahngleis zweigte dann zum AEG-Gelände ab. Auf der Ostseite des Bahnhofs nahe Ramlerstraße und Graunstraße befand sich ein Rangierbahnhof mit mehreren Lokomotivschuppen, außerdem gab es zwischen den nach Norden führenden Gleisen und der Ringbahn auch einen Wasserturm, der übrigens 1961 eine historische Rolle spielen sollte.

Treppauf, treppab beim Umstieg

Wer früher von der Ringbahn zu anderen Nord-Süd-Linien wechseln wollte, musste also über Treppen umsteigen und den mittleren Bahnsteig auf einem Übergang überqueren. Heute sind die S-Bahn-Gleise fahrgastfreundlicher angeordnet: In Richtung Süd und Westring halten die S-Bahnen am nördlichen Bahnsteig, dann kommt ein Bahnsteig Richtung Nord und Ostring und dann noch drei Fernbahnsteige, wo auch zahlreiche Regionalbahnen halten. Die Neuorganisation der S-Bahn-Gleise hat den Vorteil, dass man nur die Bahnsteigseite wechseln muss, wenn man beispielsweise aus dem Osten kommend Richtung Friedrichstraße umsteigen möchte.

Alle historischen Relikte des Bahnhofs sind verschwunden: Weder das Zugangsgebäude noch das Häuschen, das früher den Ringbahnsteig an der Brücke zierte, sind geblieben. Bahnsteige und Abfertigungshäuschen sowie der alte Übergang – alles ist abgerissen worden. Die früheren Lagerflächen zwischen Bahnhof und Behmstraße, wo sich auch Kneipen befanden, sind schon 1995 dem Gesundbrunnen Center gewichen. Nichts am Bahnhof Gesundbrunnen erinnert, außer dem Namen, noch an den alten Bahnhof. Nur das Zugangsgebäude zur U-Bahn aus dem Jahr 1930 und die Swinemünder Brücke über dem östlichen Gleisvorfeld haben die vielen Abrisse überlebt.

Max Missmann (Wikimedia Commons)

Heute herrscht an der gleichen Stelle ein völlig anderes Bild. Immerhin fahren viel mehr S-Bahnen, aber auch andere Zugarten bedienen den Bahnhof in dichten Abständen. Was die Wichtigkeit des Bahnhofs angeht, ist somit der alte Zustand also wiederhergestellt.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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