Das preisgekrönte Rathausumfeld gefällt nicht jedem

Fußweg
Der Fußweg zwischen Lesegarten und Bibliothek

Die Neugestaltung des Platzes am Elise-und-Otto-Hampel-Weg („Rathausumfeld Wedding“) hat eine Auszeichnung in der Kategorie „Landschaftsarchitektur im Detail“ des Landschaftsarchitekturpreises 2019 des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) erhalten. Die Gestaltung des Platzes gefällt aber nicht allen Weddingern.

Weddingwoche #34: Treffpunkt Jobcenter

Das neue Jobcenter im ehemaligen Rathausturm als Treffpunkt für Müßig- und andere Spaziergänger auf und an der Müllerstraße? 

Rathausvorplatz WeddingNein, das ist kein Witz, das soll bis 2015 Realität werden. Das zumindest besagt der Entwurf von Annabau, einem Berliner Büro für Landschaftsgestaltung und Architektur, das den landschaftsplanerischen Wettbewerb für das Rathausumfeld gewonnen hat. Zum Projekt gehört unter anderem ein Lesegarten, der direkt vor der neuen Stadtteilbibliothek entstehen soll. Ziel der 2,1 Millionen teuren Maßnahme ist es auch, den Platz und das Gelände bis zur Beuth Hochschule als attraktiven Treffpunkt für alle Weddinger umzugestalten.

Eine tolle Idee! Auf diese Weise können die im Turm residierenden Jobcenter-Agenten ihre Schäfchen in Zukunft zur Weiterbildung in den Lesegarten schicken, lockerleicht die Anwesenheit kontrollieren und bei Bedarf und per Zuruf ins Büro zitieren.

Hat hier irgend jemand noch Befürchtungen, der neue Rathausplatz würde kein durchschlagender Erfolg werden?

Autor: Ulf Teichert

Unsere Kolumne „Weddingweisers Woche“ erscheint jeden Samstag in der Bezirksausgabe Wedding des Berliner Abendblatts.

Mehr zum Entwurf

Rathaus und Hochhaus bekommen ein vorzeigbares Umfeld

Rathausvorplatz Wedding
heutiger Zustand

Ein Straßenschild vor dem Alten Rathaus, direkt vor der Galerie Wedding, mit der Aufschrift „Limburger Straße“ zeigt in Richtung eines tristen Platzes mit überwucherten Freiflächen, überkommenen Stadtmöbeln und einer Gruppe von hoch gewachsenen Pappeln. Eine Straße ist da nicht mehr zu erkennen. Zumal mitten in der Sichtachse ein gläserner Verbindungsgang zwischen den Verwaltungsgebäuden verläuft, die sogenannte „Beamtenlaufbahn“…

Das soll sich neuesten Umgestaltungsideen zufolge ändern. Am 18. Juni entschied nämlich ein Preisgericht unter dem Vorsitz der Landschaftsarchitektin Gabriele Pütz, welcher Entwurf der Planung zugrundegelegt werden soll. Der erste Preis mit 9.000 Euro Preisgeld ging an das Berliner Landschaftsplanungsbüro ANNABAU. Der klar gegliederte Entwurf sei „eine Arbeit, der es gelingt, eine angemessene Verbindung zwischen Leopoldplatz und Beuth-Hochschule anzubieten“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Zentraler Ort für den Wedding

Planung Rathaus-Umfeld
Quelle: ANNABAU

Wesentliches Ziel des von der Senatsverwaltung ausgelobten Wettbewerbs ist es, einen urbanen Platz als zentralen Identifikationsort und vielseitig nutzbare Freiflächen zu schaffen. Der Ort hat nämlich viel Potenzial: die den heutigen (namenlosen) Platz umgebenden Gebäude werden bald ihre Funktion und ihr Gesicht stark verändern – so wird Ende 2014 in den sanierten Hochhausturm von 1964 das Job-Center Mitte einziehen und die mit Raumnot kämpfende Schillerbibliothek erhält einen aufsehenerregenden Neubau an der Brandwand auf der Südseite.

Eine Verbindung zwischen Genter und Müllerstraße

Der Clou am Gewinnerentwurf ist die Verbindung zwischen der eher etwas steinlastigen Müllerstraßen-Seite und der wesentlich grüneren Rückseite des Hochhausturms: eine Art „Lesegarten“ vor der neuen im Bau befindlichen Bibliothek und direkt neben dem zukünftigen Job-Center-Hochhaus macht die bislang ziemlich unwirtliche und unzugängliche Fläche überhaupt erst zu einem öffentlichen Raum.

(Quelle: ANNABAU)
Quelle: ANNABAU

Die Bau- und Realisierungskosten werden mit 2,1 Mio € für ca. 14.700 m² Freiraum aus dem Bund-Länder-Städtebauförderprogramm ‚Aktive Stadtzentren‘, sowie aus Städtebaufördermitteln des Bezirkes finanziert. Geplant ist die weitestgehende Fertigstellung des Umfeldes 2014/2015.

Übrigens bleibt die Pappelgruppe vor der heutigen Bibliothek (im ehemaligen Sitzungssaal der BVV) erhalten – sie sollen nämlich an den Rummelplatzbetreiber und Artisten „Onkel Pelle“ erinnern, der an dieser Stelle Anfang des 20. Jahrhunderts einen Vergnügungspark betrieb.

Unter der Voraussetzung, dass die Mittel dafür zur Verfügung stehen, soll der die Blickachse verstellende Verbindungsgang zwischen Rathausaltbau und dem zukünftigen Job-Center abgerissen werden. An der dadurch wieder wahrnehmbaren „Limburger Straße“ entsteht statt dessen ein baumbestandener beleuchteter Fuß- und Radweg – in der Hoffnung, dass die Beuth-Hochschule und der ganze Brüsseler Kiez eine grüne Wegeverbindung zur Müllerstraße erhält und dieser Übergangsbereich ganz neu belebt wird.

Sieht gut aus für den Wedding

Sollte die neue Bibliothek genau so spektakulär aussehen wie auf den Visualisierungen, sollte durch die Sanierung des Rathausturmes und des BVV-Saals die Eleganz der Sechzigerjahre-Architektur wieder erkennbar sein und sollten die neu gestalteten Freiflächen Lust darauf machen, an diesem Ort länger zu verweilen als unbedingt nötig – es wäre ein Gewinn für den ganzen Wedding und ziemlich gut investiertes Geld.

Link zum Wettbewerbsergebnis

Der erste Spatenstich ist am 9. Mai 2015 erfolgt.