„Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez“ – deutscher Kolonialismus in Samoa und China

Sprengel-/Samoastraße

Warum gibt es im Wedding eine Samoastraße und einen Pekinger Platz? Aktuell wird in den Medien viel über deutschen Kolonialismus und Rassismus debattiert. Daher lud das Interkulturelle Gemeinwesenzentrum „Sprengelhaus“ in der Sprengelstraße 15 am 17. Juni zur Führung „Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez“ ein. Unsere Autorin war mit von der Partie.

Der Weddingmarkt feiert den Sommer

(C) WeddingmarktAm Sonntag, den 3. Juli findet der Weddingmarkt das dritte Mal in diesem Jahr statt und präsentiert von 11 bis 19 Uhr die Vielfalt der kreativen Szene des Viertels. Dabei machen rund 60 Aussteller Lust auf den Sommer und statten die Besucher für den Urlaub oder warme Tage in Berlin aus. Es gibt z.B. interessante Strandlektüre vom Kulturverlag Kadmos, illustrierte Postkarten von „Robert Richter“, Strandtaschen aus Kork von „CORKAIN“, strategisches Brettspiele von „weekeewachee“ und handgemachter Schmuck von „süssmädchen“.

Unendliche Geschichte: die S 21 und der Sprengelkiez

Stand Februar 2015
Stand Februar 2015

Auf Moabiter Seite wachsen die Brückenbauwerke für die neue S-Bahn-Linie über die Fennstraße und in Richtung Hauptbahnhof sichtbar in die Höhe. Ursprünglich sollte die Strecke Ende 2017 eröffnet werden. Doch auf Weddinger Seite passiert an der Baustelle: nichts. Die Piraten-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat daher die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im Rahmen einer schriftlichen Anfrage¹ gebeten, den aktuellen Sachstand zu erläutern. Bleibt der Sprengelkiez durch die geplante neue Straßenführung vom Durchgangsverkehr verschont? Das Wichtigste zuerst: der verkehrsberuhigte Pekinger Platz bleibt für Autos gesperrt.

Lesermeinung: Eine doppelte Auszeit

Café Auszeit

Da bahnt sich was an. Im Sprengelkiez dreht sich gerade alles um das Auszeit. Dieses wirklich gut gelegene Restaurant und Café war seit neun Jahren fester Bestandteil des Prenzelweddings und hat den Anwohnern so manch wunderbare Mittagspause in der Sonne oder auch eine lauschige Feierabend-Stimmung verpasst. Die einen loben die Burger in den siebten Himmel, wenden sich aber vom Kaffee ab – die anderen empfinden es genau umgekehrt. Eben für jeden was dabei. Und daher so beliebt.

Nordufer: Immer am Kanal lang – die entspannteste Straße im Wedding

Nordufer Schiffahrtskanal TorfstraßenstegDer Name deutet es schon an – das Nordufer liegt am Wasser. Kaum eine andere Weddinger Straße deckt ein so breites Spektrum an ungewöhnlichen Bauwerken ab: von einer Schleuse über ein historisches Freibad, eine Krankenhausstadt, ein Mausoleum für einen weltberühmten Forscher, über eine denkmalgeschützte Wohnanlage bis hin zu einem „Café Achteck“.

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße