Stadtteilvertretung fordert: Ein Rathausvorplatz für alle!

Die Stadtteilvertretung ‚mensch.müller‘ zeigt sich entsetzt über die Beschilderung des neu gestalteten Rathausvorplatzes. Auf mehreren Infostelen wird die neue Platzordnung angezeigt – die vor allem durch die vielen Verbote auffällt. Wir hatten im Juli schon einmal darüber berichtet.  Wir geben hiermit die Stellungnahme der Stadtteilvertretung wieder.

Séraline de Martinique: Schätze von der Insel

Manchmal muss man auf die Dinge, die den Wedding besonders machen, aufmerksam gemacht werden. Leser Sebastian Trommsdorff schrieb dem Weddingweiser: „Meinen Laden gibt es nun schon seit sechs Jahren im Wedding, wann schreibt ihr mal etwas darüber?“ Und tatsächlich ist sein Séraline de Martinique, ein Rum-Kontor in der Fehmarner Straße, außergewöhnlich. Vielleicht ist es sogar weltweit einzigartig.

5 Getränke aus Weddinger Herstellung

Wer beim Wort „Lokal“ nur an eine Kneipe denkt, liegt in diesem Fall nicht völlig daneben. Uns geht es aber hier ausnahmsweise mal um lokal produzierte Getränke mit Wedding-Bezug. Die Bierkultur im Wedding hatte bis vor ein paar Jahren schließlich schwer zu leiden. Los ging’s mit dem noch immer nicht beendeten Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Dabei hat bei uns die Kunst der Bierherstellung doch eine echte Tradition; gab es doch von 1891 – 1982 die Hochschul-Brauerei an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in der Seestraße 13. Und nicht nur Bier kommt aus dem Wedding – auch Hochprozentiges wird hier gebrannt und Mate-Tee hergestellt….

„Preußische Spirituosenmanufaktur“: Hundertprozentig hochprozentig

Mit verstaubten Exponaten hinter Vitrinen lassen sich Geschmacksrichtungen schlecht erlebbar machen. Wenn aber mit museumsreif aussehenden Kupferkesseln, seltsam anmutenden Destillierapparaturen und Steinkrügen nach 140 Jahre alten Rezepten Spirituosen von Hand hergestellt werden, die man probieren und käuflich erwerben kann, handelt es sich um eine besonders kuriose Form der Traditionspflege im Berliner Stadtteil Wedding.

Preußische SpirituosenmanufakturWer den unscheinbaren Zweckbau im Hof der Seestraße 13 betritt, erwartet an dieser Stelle ganz bestimmt keine Sammlung origineller technischer Geräte. Zur Sicherheit steht an der Klingel der Spirituosenmanufaktur im Treppenhaus eine Telefonnummer, denn die Destillateure könnten sich ja im Kellergewölbe befinden, wo die Destillation stattfindet. Bereits im Jahr 1874 wurde die Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation eingerichtet – der preußische Staat dachte damals ganz praktisch an die Weiterverwertung eventueller Kartoffel- oder Getreideüberschüsse in Form von Alkohol. Der auf die Tradition weisende Schriftzug „Institut für Gärungsgewerbe“ prangt jedenfalls noch heute auf dem über hundert Jahre alten Backsteingebäude, zur verkehrsumtosten Seestraße hin.

Preußische SpirituosenmanufakturDas Institut gibt es in anderer Form noch immer, doch seine historischen Apparaturen werden seit 2008 von einem Vier-Personen-Betrieb verwendet, der „Preußischen Spirituosen-Manufaktur“ (PSM). Die Räumlichkeiten des kleinen, aber traditionsreichen Betriebs kann man übrigens nach Voranmeldung und gegen Eintritt besichtigen, und eine Verkostung einiger Spirituosensorten gehört selbstverständlich zum Besuchsprogramm. Schon der erste Institutsleiter, Max Delbrück, stellte mit seinen Studenten Liköre und Obstbrände her und verewigte die Ergebnisse seiner Experimente im „Brevier der flüssigen Freuden“.

Historische Rezepte, neu interpretiert

Preußische SpirituosenmanufakturÜber 80 Rezepte, darunter das Urrezept für den „Adler-Gin“ und den „Adler-Wodka“, und auch viele Apparaturen stammen aus dieser Zeit. Doch die beiden Betreiber der Manufaktur, Ulf Stahl, Professor für Mikrobiologie, und Gerald Schroff, langjähriger Barmann, prägen die geerbten Rezepturen für die Verfeinerung traditioneller hochprozentiger Getränke mit ihrem eigenen Sachverstand. Eine Destillateurin und ein Auszubildender komplettieren das Experten-Quartett.

Die Bandbreite der von Hand hergestellten Spirituosen ist enorm: Kräuter-, Obst-, Rosen- und Zimtliköre, Magenbitter, Danziger Goldwasser, Getreidekümmel, Wodka – und der Delbrücksche Adler Gin in der charakteristischen Flasche. Da traf es sich gut, dass die beiden Geschäftsführer ausgesprochene Liebhaber des Wacholderschnaps‘ Gin sind –  ihr gemeinsames Interesse haben sie allerdings erst nach einem schmerzhaften Zusammenstoß auf einer Skipiste abends an einer  österreichischen Hotelbar entdeckt. Das Ergebnis dieses Crashs war ein Glücksfall für den Wedding.

Preußische SpirituosenmanufakturLogo_ManufakturenDer Alkohol als Grundlage wird in der PSM übrigens nicht selbst hergestellt. Dort konzentriert man sich eher auf die Herstellung der Pflanzenessenzen, Mazerate und Destillate. Etwa 200 verschiedene „Drogen“ stehen für die Weiterverarbeitung zur Verfügung. Durch Hinzugabe von Alkohol entstehen daraus die 35 verschiedenen Spirituosen, die die PSM im Angebot hat.

Die Tradition im Wissenschaftsviertel zwischen Amrumer Straße und Seestraße bleibt uns hoffentlich noch eine Weile erhalten!

Preußische Spirituosenmanufaktur

Seestr. 13 (Hof, links), 13353 Berlin

Tel.: 030 – 450 28 537, Fax: +49 30 – 450 28 539

Spirituosenverkauf: Mo-Fr 9-19 Uhr, bzw. nach Vereinbarung

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