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Staatsbesuche:
Staatenlenker im Weddingwinkel

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Die gro­ße Poli­tik streift und streif­te den Wed­ding stets am Ran­de. Staats­be­su­che fin­den meist an sym­bol­hal­ti­gen Orten wie dem Bran­den­bur­ger Tor oder an zen­tra­len Stra­ßen wie dem Ku’­damm oder vor dem Schö­ne­ber­ger Rat­haus statt. Doch beim Stö­bern in alten Zei­tun­gen fin­den sich doch ein paar Ver­mer­ke von Stipp­vi­si­ten ein­fluss­rei­cher Staats­män­ner. Hier die Lis­te der Kanz­ler und Prä­si­den­ten, die den Wed­ding beachteten.

Giscard
Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Gis­card auf der Schul­stra­ße. Foto: Lutz Röhrig
Frank-Walter Steinmeier
Der Bun­des­prä­si­dent am Debat­ten­tisch. Foto And­rei Schnell

15. Juni 2019: Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er nimmt sich mehr als eine Stun­de Zeit, um beim Tag der offe­nen Gesell­schaft im Hof der Wil­helm-Hauff-Grund­schu­le mit Bür­gern zu reden.

Juni 2018: Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel besucht den Sport­ver­ein Vik­to­ria Mit­te im Brunnenviertel.

März 2017: Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel besucht das Paul-Gerhard-Stift.

Angela Merkel
Mer­kel. Foto: Ronald Rogge

25. Novem­ber 1986: Bun­des­kanz­ler Hel­mut Kohl redet bei Eröff­nung der neu­en Fabrik von Heinz Nix­dorf (dem deut­schen Elon Musk der 1980er Jah­re) in der Brun­nen­stra­ße. Der Regie­ren­de Bür­ger­meis­ter Eber­hard Diep­gen steht mit dabei.

1. Janu­ar 1986: Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­sä­cker weiht das Deut­sche Herz­zen­trum Ber­lin (DHZB) auf dem Gelän­de des Virchow-Kran­ken­hau­ses ein.

Giscard
Foto: Lutz Röhrig

29. Okto­ber 1979: Der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent Valé­ry Gis­card d’Estaing zeigt sich bei einem Ber­lin-Besuch in der Schul­stra­ße, geht ein paar Schrit­te zu Fuß.

1966: Bei der Grund­stein­le­gung der bis dato größ­ten Hal­le Euro­pas (175 Meter lang, 45 Meter breit und 26 Meter) auf dem AEG-Gelän­de ist der US-ame­ri­ka­ni­sche Jus­tiz­mi­nis­ter Robert F. Ken­ne­dy dabei. Die Hal­le wur­de 1986 abgerissen. 

26. Juni 1963: “Isch bin ain Bär­li­ner”. Für den Wed­ding glück­li­che Zufäl­le füh­ren dazu, dass John F. Ken­ne­dy bei sei­nem berühm­ten Ber­lin­be­such um 10.33 Uhr die Mül­ler­stra­ße erreicht. Er ist unter­wegs vom Flug­ha­fen nach Schö­ne­berg. Die BZ berich­te­te: “Mül­ler­stra­ße, Afri­ka­ni­sche Stra­ße, See­stra­ße – es geht durch das Herz des Wed­ding. Und die Kolon­ne wird immer lang­sa­mer, denn in den Stra­ßen ste­hen Him­mel und Men­schen. Der Jubel ist unbeschreiblich.” 

22. August 1961: Bun­des­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er besucht die gera­de errich­te­te Ber­li­ner Mau­er. “Im tra­di­tio­nell sozi­al­de­mo­kra­tisch wäh­len­den Nord­ber­li­ner Arbei­ter­be­zirk Wed­ding hat­ten sich wie­der­um Kanz­ler­geg­ner dies­seits der Sek­to­ren­gren­ze zusam­men­ge­rot­tet und emp­fin­gen den ver­blüff­ten Regie­rungs­chef mit dem Ruf: Wil­ly, Wil­ly! [gemeint war Wil­ly Brandt]. Es dau­er­te eini­ge Zeit, bis die Ber­li­ner ent­deck­ten, daß ihr Favo­rit zum ers­ten­mal seit Über­nah­me sei­nes Amtes als Regie­ren­der Bür­ger­meis­ter von Ber­lin den Kanz­ler nicht auf sei­ner Fahrt beglei­te­te.” Bericht des Nach­rich­ten­ma­ga­zins Der Spie­gel von 1961.

1958: Das Staats­ober­haupt von Gha­na Kwa­me Nkru­mah besucht den Wed­ding. Dem Anlass zu Ehren erhält im Okto­ber 1958 die Gha­na­stra­ße ihren Namen.

18. Juli 1954: Bun­des­prä­si­dent Theo­dor Heuss weiht die Ernst-Reu­ter-Sied­lung im Brun­nen­vier­tel ein.

Dankeskirche
(Foto gemeinfrei9

3. Janu­ar 1884: Die Zeit­schrift für Bau­we­sen ver­merkt zur ursprüng­li­chen Dan­kesk­ri­che auf dem Wed­ding­platz: “… sodass am 3. Janu­ar 1884 die fei­er­li­che Ein­wei­hung in Gegen­wart der Aller­höchs­ten und Höchs­ten Herr­schaf­ten erfol­gen konn­te.” Also mit dem Kai­ser? Vermutlich.

PS: Ein paar Spit­zen­po­li­ti­ker woh­nen oder wohn­ten auch im Wed­ding. Hier sol­len nicht alle auf­ge­zählt wer­den. Aber den Hin­weis Nor­bert Blüm (“Denn eins ist sicher: Die Ren­te”), der zeit­wei­se nahe des Hum­boldt­hains eine Woh­nung nutz­te, sol­le hier dann doch nicht fehlen. 

Ihr wisst von wei­te­ren hohen Besu­chen? Schreibt uns!

Leicht auf­blä­hen lie­ße sich die Lis­te, wenn Besu­che der Mau­er­ge­denk­stät­te in der Ber­nau­er Stra­ße mit­ge­zählt wer­den. Die­se steht streng genom­men auf Wed­din­ger Gebiet, ist aber eher eine zu Alt-Mit­te gehö­ren­de Einrichtung.

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

1 Comment

  1. Hal­lo

    22. August 1961:.… Bin kein Staats­mann 🙂 und auch kein Poli­ti­ker (ein glück)!!

    …aber an den Tag des Mau­er­baus kann ich mich bis heu­te erin­nern… es war ein trü­ber Tag , vor­mit­tags… saß beim Vater auf der Schul­ter , schau­te über ein Meer von Hüten ( damals trug Mann Hut )… auf höhe vom Axel-Sprin­ger-Haus stand ein Panzer…oder war es auf der lin­ken Sei­te der Kochstraße!!??

    Was da Geschah hab ich natür­lich nicht ver­stan­den mit mei­nen 4 Jah­ren und 3Monaten aber die Erin­ne­rung bleibt 

    Son­ni­ges Wochenende

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