Panke-Hochwasser: Weddingern steht das Wasser bis zum Hals

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(Arti­kel im Ber­li­ner Abend­blatt, Aus­ga­be Wed­ding vom 1. Sep­tem­ber 2012:)

Die Nacht zum 22. August wer­den die Bewoh­ner der Kunkel‑, Ravené- und Schön­wal­der Stra­ße nicht so schnell ver­ges­sen: Nach­dem es schon eini­ge Stun­den gereg­net hat­te, trat die Pan­ke über ihre Ufer, über­flu­te­te die Stra­ßen und Haus­ein­gän­ge. Kel­ler lie­fen im Nu voll, Autos stan­den bis zur Motor­hau­be unter Was­ser. „Wir haben hier einen Mini-Tsu­na­mi erlebt. Die Wel­le roll­te knie­tief durch die Stra­ßen“, berich­tet Anwoh­ne­rin Anja Aust.

Am nächs­ten Tag wird das Aus­maß der Schä­den sicht­bar: In den Kel­lern ist nichts mehr brauch­bar. Haus­ei­gen­tü­mer stel­len Con­tai­ner bereit, damit die Mie­ter ihre rui­nier­ten Hab­se­lig­kei­ten aus­räu­men kön­nen. An den Haus­wän­den ist die Flut­li­nie zu erken­nen, das Was­ser stand dort etwa 20 Zen­ti­me­ter hoch. Die Kel­ler waren bis zur Decke voll­ge­lau­fen – nicht aus­zu­den­ken, was pas­siert wäre, wenn die Flut am Tag gekom­men wäre und Mie­ter im Kel­ler über­rascht hät­te. Am schlimms­ten ist der Gestank“, sagt Manu­el Schnei­der, der beim Auf­räu­men hilft. „Und vor­hin habe ich einen Rat­ten­schwanz gesehen.“

Das verstopfte Gitter sorgte für den Rückstau

Wie konn­te es zu der Über­flu­tung kom­men? „Die Pan­ke ist das ein­zi­ge Gewäs­ser in Ber­lin, das als hoch­was­ser­ge­fähr­det gilt“, sagt Ste­fan Natz, Spre­cher der Ber­li­ner Was­ser­be­trie­be. In der Nacht vom 21. auf den 22.August habe es im Nor­den Ber­lins 50 Liter Nie­der­schlag pro Qua­drat­me­ter gege­ben. „Das ist so viel wie in einem durch­schnitt­li­chen August.“ Die­sen Was­ser­mas­sen war die so genann­te Rechen­an­la­ge in der Schul­zen­dor­fer Stra­ße nicht gewach­sen. „Rechen bedeu­tet hier so viel wie Har­ke. Git­ter­stä­be sor­gen dafür, dass Müll, Zwei­ge und sons­ti­ges Schwemm­gut hier hän­gen blei­ben.“ Ein auto­ma­ti­scher Räu­mer schiebt alles in einen Con­tai­ner, der regel­mä­ßig von der BSR abge­holt wird. „Auf­grund des star­ken Regens war die Rechen­an­la­ge bin­nen Minu­ten verstopft.Wir hät­ten auf der Stel­le zehn star­ke Män­ner gebraucht, um sie wie­der frei­zu­krie­gen“, sagt Natz. Die Rechen­an­la­ge in sol­chen Situa­tio­nen zu öff­nen, sei nicht möglich,weil dann die sper­ri­gen Gegen­stän­de den unter­ir­di­schen Süd­arm der Pan­ke ver­stop­fen könn­ten, mit noch schlim­me­ren Fol­gen, so Natz. Die­se Erklä­rung macht die Anwoh­ner stut­zig. Die Süd­pan­ke wird näm­lich seit fünf Jah­ren über­haupt nicht mit Was­ser beschickt, weil dort, wo sie fließt, rie­si­ge Bau­stel­len sind, etwa die für den Bundesnachrichtendienst.

Zweifel an der offiziellen Version

Aus Sicht der Anwoh­ner ist das nicht der ein­zi­ge Wider­spruch in den Erklä­run­gen der Behör­den. „Schon Wochen vor dem star­ken Regen ist mir auf­ge­fal­len, dass die Pan­ke immer höhe­res Was­ser führt und lang­sa­mer fließt“, sagt Anja Aust. Am 8. Juli hat sie des­halb bereits bei der zustän­di­gen Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung nach­ge­fragt. In der Ant­wort vom 11. Juli hieß es, dass der Panke­pe­gel über ein Wehr in der Schul­zen­dor­fer Stra­ße regu­liert wer­de. Dabei han­delt es sich um ein „Schlauch­wehr“, das bei Stark­re­gen auto­ma­tisch in sich zusam­men­fal­le. Dann flie­ße die gesam­te Was­ser­mas­se Rich­tung Nord­ha­fen ab.

Ob die­ser Mecha­nis­mus funk­tio­niert hat, war bis Redak­ti­ons­schluss nicht zu erfah­ren. Für die Anwoh­ner hängt eine Men­ge davon ab: Wenn die Regu­lie­rungs­an­la­gen nicht funk­tio­niert haben, wäre das Land Ber­lin scha­dens­er­satz­pflich­tig. Han­delt es sich um eine Natur­ka­ta­stro­phe, gehen sie leer aus.

(Arti­kel im Ber­li­ner Abend­blatt, Aus­ga­be Wed­ding vom 1. Sep­tem­ber 2012)

Mehr zur Süd­pan­ke bei panke.info

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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