Es ist einer dieser Morgen im Sommer, in denen die Luft von der Nacht noch angenehm frisch ist. Auf den ersten paar Metern durch die schattigen Häuserschluchten ist mir noch ein bisschen kühl an den Fingern, doch durch das Radeln wird mir schnell warm. Am Ende der Togostraße, wo die Seestraße kreuzt und mich die Bettel-Ampel zum Anhalten zwingt, hat die Sonne schon die Luft erwärmt und es ist schlagartig warm. Nach dem Überqueren der Straßenbahngleise heißt es noch mal Anhalten und die nächste Grünphase erbetteln. Wie gewohnt stehen die Autos im Rückstau von der Seestraßenbaustelle mitten auf dem Übergang. Auf einmal winkt mir jemand von dem Späti zu und ruft „Morgen!“ Verwundert schauen wir uns an, aber ich kenne die Person nicht. Da wird mir klar: Direkt neben mir steht eine junge blonde Frau, die dem Rufer signalisiert, dass sie ihn gehört hat.

Doch jetzt wird die Kommunikation absurd. Der Mann zeigt der Frau den Mittelfinger. Für einen Moment fürchte ich, dass das keine freundschaftliche Geste mehr sein soll. Ich schaue gespannt an meine Seite, wie die Frau reagiert. Sie erwidert die Handbewegung ihres Bekannten – ebenfalls mit einem ausgestreckten Mittelfinger. Dann lacht sie. Und das Gegenüber auf der Antwerpener Straße auch.
Dann wird die Ampel endlich grün und wir schlängeln uns zwischen den Autos durch.

