Gedeih & Verderb: Stammkneipe an der Prinzenallee

Der Wed­ding hat eine ver­lo­ren geglaub­te Loka­li­tät wie­der zurück. Das ehe­ma­li­ge Prin­zin­ger ist mitt­ler­wei­le das “Gedeih & Ver­derb” und immer noch genau­so urig und ori­gi­nal Ber­lin wie schon vor hun­dert Jah­ren. Wir haben mit einer von zwei Betrei­bern – Nata­lie über unse­re neue Stamm­knei­pe unten an der Prin­zen­al­lee gesprochen. 

 Wer steckt hin­ter dem „Gedeih und Verderb“?

Nata­lie: Wir haben uns lan­ge Zeit gelas­sen mit der Namens­ge­bung und etli­che Ideen geprüft und wie­der ver­wor­fen. Der Name ist ein sehr wich­ti­ges Merk­mal für eine Bar. Er soll­te den Spi­rit des Ortes bereits wie­der­ge­ben, bevor man ihn betre­ten hat. Die Wahl fiel dann auf „Gedeih & Ver­derb“. Der Name iro­ni­siert ein wenig den Trend, zwei Begrif­fe durch ein „und“ zu ver­bin­den, da gibt es vie­le Bei­spie­le in der Gastr­o­sze­ne in Ber­lin. „Gedeih & Ver­derb“ ist jedoch auch ein fest­ste­hen­der Begriff und drückt Bedin­gungs­lo­sig­keit und Ver­bind­lich­keit aus, es schwin­gen jedoch auch Ver­we­gen­heit, Risi­ko und ein wenig Fata­lis­mus mit.

Wie seid ihr auf die Idee gekom­men, zusammenzuarbeiten?
Nata­lie:
Wir ken­nen uns jetzt seit eini­gen Jah­ren und hat­ten schon manch­mal gemein­sam dar­über nach­ge­dacht, etwas Gemein­sa­mes auf die Bei­ne zu stel­len. Wir woll­ten noch­mal einen Raum im Wed­ding gestal­ten, und hat­ten Lust, das im Team zu machen. Tom macht ja schon seit fünf Jah­ren die Ani­ta Ber­ber und ich das Oh! Cal­cut­ta. Wir schmei­ßen die bei­den Läden jeweils allei­ne. Wenn man im Team arbei­tet, hat man auch dop­pelt so viel Input und kann ein­fach mehr Ideen umsetzen.

War­um war es euch wich­tig, die Ideen im Wed­ding auszuprobieren?

Nata­lie: Wir mögen den Wed­ding. Wir leben und arbei­ten hier und wir iden­ti­fi­zie­ren uns mit der Geschich­te und Diver­si­tät. Der Wed­ding ist immer noch sehr ent­spannt, er hat nichts Prä­ten­tiö­ses und will kei­ner Hip­ness suchen­den Crowd gefal­len. Ich kom­me mir jetzt ein wenig alt­ba­cken vor, wenn ich sage: Hier kennt man sich. Ist aber so. Auch die meis­ten Bar­be­sit­zer ken­nen sich unter­ein­an­der und wir mögen und unter­stüt­zen uns gegen­sei­tig. Das macht ein­fach Spaß und gibt ein gutes Gefühl.

Was reizt euch an der eigent­lich recht unspek­ta­ku­lä­ren Ecke?
Nata­lie:
Wir fin­den die­se Ecke nicht unspek­ta­ku­lär. Abge­se­hen davon, dass sie ein wun­der­vol­les und diver­ses Ange­bot zum Essen und Trin­ken bie­tet (Kami­ne und Wein, El Pepe, Mal­ör, la Fiam­ma, BAK, Cur­ry & Chi­li und nun auch Gedeih & Ver­derb) ist die­se Ecke auch eine Ach­se zwi­schen Pan­kow, Prenz­lau­er Berg und Gesundbrunnen/Wedding. Direkt gegen­über befin­det sich in dem ehe­ma­li­gen Umspann­werk aus den Zwan­zi­ger­jah­ren das Ate­lier­haus Chris­tia­nia und ein paar Meter die Oslo­er Stra­ße rauf ist die Fabrik Oslo­er Stra­ße mit vie­len Ange­bo­ten für Fami­li­en und Kin­der. Die­ser Stand­ort hat für uns defi­ni­tiv einen sehr guten Vibe.

Wird es auch Live-Musik wie im alten Prin­zin­ger bezie­hungs­wei­se Par­ties geben oder ist es eine rei­ne Bar?
Nata­lie:
Wir wer­den auch hin und wie­der Ver­an­stal­tun­gen machen. Wir haben auch bereits unser ers­tes Kon­zert ver­an­stal­tet, und es war sehr, sehr schön. Ich bin mir nicht sicher, ob es im Prin­zin­ger Par­ties gege­ben hat, da das eigent­lich in dem Haus wegen der Nach­barn nicht geht. Also, nein, es wird kei­ne Par­ties geben, aber auf jeden Fall Ver­an­stal­tun­gen ver­schie­dens­ter Art.

Was macht das Gedeih und Ver­derb aus? Was ist das Besondere?
Nata­lie: Wir fin­den, dass bereits die alte Bau­sub­stanz sowie das ori­gi­na­le Rück­buf­fet, das seit hun­dert Jah­ren dort steht, Allein­stel­lungs­merk­mal sind. Die meis­ten die­ser wirk­lich alten Ber­li­ner Eck­knei­pen sind ja lei­der in den letz­ten Jahr­zehn­ten ent­we­der kaputt reno­viert wor­den, oder wur­den gleich ganz besei­tigt. Die Atmo­sphä­re in solch authen­ti­schen Räu­men ist an sich schon unver­gleich­lich und kann nicht ein­fach so an belie­bi­gen Orten her­ge­stellt werden.

Bezüg­lich des Ange­bots wol­len wir in Zukunft auch unse­re Cock­tail­kar­te wei­ter aus­bau­en und in dem Bereich etwas ganz Beson­de­res anbie­ten. Das wird aber sicher noch ein wenig dau­ern. Dass wir, wie auch der Vor­be­sit­zer, das Pan­ke Gold von Eschen­bräu anbie­ten, ist natür­lich im Wed­ding nicht ein­zig­ar­tig, in der Nach­bar­schaft jedoch schon.

Habt ihr viel an dem Laden geän­dert, reno­viert, rausgeschmissen?
Nata­lie:
Wir haben zwei Mona­te lang umge­baut. Vie­le Arbei­ten fal­len jedoch nicht gleich ins Auge, wenn man her­ein­kommt und die Bar mit dem Prin­zin­ger ver­gleicht. Wir fin­den es toll, dass der Vor­be­sit­zer so behut­sam und geschickt mit der Sub­stanz umge­gan­gen ist, und pro­fi­tie­ren natür­lich davon, da dem Gan­zen optisch nicht mehr so viel hin­zu­ge­fügt wer­den muss­te. Aller­dings war eini­ges reno­vie­rungs­be­dürf­tig und muss­te instand­ge­setzt werden.Die Toi­let­ten haben wir aller­dings kom­plett umge­baut bzw. erweitert.

Was erhofft ihr euch von der Zukunft mit dem neu­en Laden?
Nata­lie:
Wei­te­re hun­dert Jah­re Kneipe!

Gedeih & Ver­derb, Prin­zen­al­lee 72, 13357 Ber­lin, Face­book-Sei­te Gedeih und Ver­derb, Di-Do ab 18 Uhr– open end, Fr, Sa ab 20 Uhr– open end

Fotos: Anto­nia Meissner


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