Prinzinger – eine ganz normale Bar

PrinzingerDie Kreuzung Osloer Straße/Prinzenallee ist heute hauptsächlich als verstopfter Verkehrsknoten bekannt. Früher gab es hier noch das Präpeleck, eine Eckkneipe, wie sie im Buche steht: große Schultheiss-Werbung, vergilbtes Intérieur und eine Kundschaft, die schon viele Jahre dort ihre Gewohnheiten pflegte. Ins Präpeleck habe ich mich nur am Tag des Abschieds getraut, zu fremd war mir diese Kneipe bis dahin.

Heute ist es schon fast ein Jahr her, dass Inhaber Jens mit dem „Prinzinger“ das Erbe angetreten und alles von Grund auf umgebaut hat. Die Spelunken-Klassiker wie Spielautomat, Billigfusel und Stammtischfähnchen sind nun weg, Wände, Boden, Tresen – alles wurde erneuert – doch es fällt kaum auf, denn es sieht nun fast wieder aus wie früher.

Tagsüber wirkt das Prinzinger verschlossen, wie versteckt unter der alten verstaubten Hülle. Doch wenn es langsam Abend wird, erwacht die Bar zu neuem Leben. Im Winter leuchtet es dann warm aus den beschlagenen Fenstern, die gemütliche, dunkle Einrichtung gefällt einem auf Anhieb. Das Ganze wirkt nicht besonders schick, sondern echt und ganz bewusst normal – Wedding halt.

Auf dem handgeschriebenen A4-Blatt, das als eine Art Karte dient, gibt es die obligatorischen Moscow-Mule, Gin-Tonic und weitere Klassiker. Zusätzlich hält die Bar eine ansehliche Auswahl an feinen Flaschen bereit. Bier vom Fass gibt es natürlich auch – standesgemäß aus dem Wedding (Eschenbräu).

Um mich herum sitzen heute hauptsächlich Studenten, doch eigentlich gibt es hier eine gute Mischung von jung bis alt, wie so oft in Berlin. Es darf geraucht werden, was trotz Schummerlicht und Lüftung manchmal – nicht nur für Nichtraucher – herausfordernd sein kann. Zum Glück gibt es ja im Sommer die Plätze draußen.

Schnell finde ich meinen Lieblingsplatz im hinteren Raum. Ich nippe an meinem 43-Sour und genieße die gute Musik – ehe ich Platz für die Jüngeren mache… bis bald!


 Text/Fotos: S. Orsenne

Prinzinger, Prinzenallee 72/73, geöffnet Mo-Do 17-2 Uhr, Fr/Sa 17-3 Uhr, facebook.com

 

 

 

 

 

 

2 comments

  1. Moritz Berger

    Ins Präpeleck habe ich mich nur am Tag des Abschieds getraut, zu fremd war mir diese Kneipe bis dahin.

    Na wat denn Angst vor Eckkneipen 🙂

    Wie wäre es denn mit dem Magendoktor

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: