Es ist schön geworden, das neue Kino Arsenal in der renovierten Westhalle des Silent Green-Kulturquartiers. Geradezu umwerfend schön. Ein echtes Juwel für den Wedding. Noch vor einem Jahr war die Halle eine Baustelle, der man die ursprüngliche Nutzung als Aufbahrungshalle für Verstorbene noch anmerkte. Jetzt ist hier ein einmaliger Kinosaal mit bis zu 180 Plätzen entstanden, der in Berlin seinesgleichen sucht.

Spektakulär ist auf den ersten Blick die rhombenförmige Akustikverkleidung unter der spitz zulaufenden Decke. Diese, an eine Kirche erinnernde Form war in dem denkmalgeschützten Saal von 1937 vorgegeben und findet sich auch in einer Reihe von Wandnischen wieder. Es ist als hätte man eine Kulisse aus einem expressionistischen Stummfilm mit einem Raumschiff gekreuzt. Dr. Caligari meets Raumpatroullie, um es mal für Filmfreunde zu beschreiben. Auch bei der Technik sind alt und neu vereint. Als eines der wenigen Berliner Kinos hat das Arsenal Projektoren, mit denen analoge Filme von 8 bis 70 mm vorgeführt werden können, manche entstammen dem über 10 000 Filme umfassenden Arsenal Archiv. Gleichzeitig ist 4K-Vorführtechnik und ein Dolby Atmos-Tonsystem installiert.


Fotos: Rolf FIscher
Aus dem alten Arsenal-Kino am Potsdamer Platz übernommen wurden auch die jetzt neu bezogenen, stramm gepolsterten Sitzreihen mit viel Beinfreiheit, die „Zurücklehnen und aktive Teilnahme ermöglichen“, wie die künstlerische Leiterin des Arsenal Filminstituts, Stefanie Schulte Strathaus es bei der Test-Vorstellung für die Vereinsmitglieder beschrieb.
Und damit passten sie genau zu dem anspruchsvollen Programm mit historischen und aktuellen Filmen jenseits des Mainstreams, das das Arsenal in den 63 Jahren seines Bestehens pflegt. Kein Platz für Popcorn-Kino. Dafür genug Raum für schöne Abende. Durch eine Tür im Foyer kann man auf das Gelände des Silent Green und des Restaurants MARS gelangen. Ein schmaler Vorhof zur Plantagenstraße macht auch kleine Open-Air-Veranstaltungen möglich.


Bilder: Rolf Fischer
Ermöglicht wurde das Bauvorhaben durch die Projektentwickler Jörg Heitmann und Bettina Ellerkamp, die das Silent Green gemeinsam aufgebaut haben und leiten, sowie durch die großzügige Unterstützung des Beauftragten für Kultur und Medien (BKM).
Der BKM scheint ein großes Herz für den Wedding zu haben. Unterstützung gibt es nicht nur für das neue Arsenal-Kino. Nachrichten melden auch eine Beteiligung des BKM bei dem geplanten Umbau des ehemaligen französischen Soldatenkinos L’Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm in ein Berliner „House of Jazz“.)
Offiziell wird das Kino Arsenal am 3. Mai 2026 um 18 Uhr eröffnet.
Der barrierefreie Haupteingang befindet sich auf der Nordseite des Gebäudes in der Plantagenstraße 30 und damit mitten im lebendigen Anton-Kiez. Die Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Wedding hatten die Gelegenheit, an einer Probevorstellung teilzunehmen. Das Interesse war groß, der Saal war voll. Und auch für die Eröffnung gibt es kaum noch Plätze. Ab 20 Uhr wird ein kostenloses Kurzfilmprogramm gezeigt.
Mit der Eröffnung startet das Film- und Diskussionsprogramm „Raumgeben“.
Das Programm will einen ersten Einblick geben in die vielen Möglichkeiten, die das neue Haus bietet. Es will aber auch die Verbindung zwischen den Inhalten der Filmsammlung des Arsenal und neuen filmischen Arbeiten herstellen. Mit Einführungen und Diskussionen macht es erfahrbar, „welche Bedeutung das Kino für die Reflektion aktueller Fragestellungen hat“, heißt es im Programmheft.
Plantagenstraße 30, 13347 Berlin
Info: Das Arsenal Filminstitut e.V. gehört zu den wichtigsten Orten für anspruchsvolles Kino in Berlin. Nach Jahrzehnten am Potsdamer Platz endete 2024 die Zeit im Sony Center, weil der Mietvertrag auslief.
Die Zukunft des Instituts liegt im Wedding. Erstmals sind hier alle Bereiche des Arsenal Filminstitut räumlich vereint: Berlinale Forum, Forum Expanded, Distribution, Papier- und Filmarchiv, Campus und Kino. Mit dem neuen Kino wird die Praxis des Instituts fortgesetzt, Filmerbe, zeitgenössisches Kino und Gegenwartsthemen im engen Zusammenhang zu denken.



Ich kenne das „Arsenal Kino“ noch aus meiner FU-Studentenzeit in den 1970ern, als es in der Welserstraße (nahe KadeWe, vis a vis „Romy Haag“) beheimatet war. Damals gab es – so erinnere ich mich – noch monatliche große Programmseiten, die international und nach Länderherkunft sortiert waren.
Das ist eine erfreuliche Nachricht – diese Perle der Kinokultur und der Wedding in enger Verbindung, eine große Chance! Welches Geschenk. Ich will hin!
Fehlt mir noch die Möglichkeit, die Infos über das Programm oder Filmstarts als E-Mail-Newsletter zu abonnieren.
Wir werden versuchen, diese auch in unseren Kinoweiser (Teil des Weddingweiser-Newsletters am Donnerstag) zu integrieren.
Ihr seid Spitze!
Toll! Danke!