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Aktualisiert

Am Eingang zum Strandbad:
Ein Fahrradtraum am Plötzensee

Eine Fahrrad Service Station am Fahrradparkplatz des Strandbads

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Fahrrad Station Plötzensee
Ben­ja­min Weißstern an sei­nem Werk­statt-Con­tai­ner. Foto: Hensel

Es gibt Geschäfts­ideen, die lie­gen eigent­lich auf der Hand. Doch manch­mal dau­ert es etwas, bis jemand auf den Gedan­ken kommt. So ist das mit dem neu­es­ten Zugang im Strand­bad Plöt­zen­see. Ben­ja­min Weißstern wird das Strand­bad ab 1. Mai mit sei­ner Fahr­rad Sta­ti­on ergän­zen. Plöt­zen­see-Bade­strand-Rad­tour-Fahr­rad Ser­vice Sta­ti­on. In weni­gen Wochen fügt sich zusam­men, was als Gedan­ke im Kopf eines Lebens­künst­lers begann und auf der Wed­ding­wei­ser Pinn­wand sei­nen Lauf nahm.

Wer regel­mä­ßig auf der Wed­ding­wei­ser Pinn­wand auf Face­book unter­wegs ist, der kennt den Namen Ben­ja­min Weißstern gewiss. Er ist zur Stel­le, wenn jemand Hil­fe sucht, ein Werk­zeug aus­lei­hen möch­te oder eine Repa­ra­tur fürs Fahr­rad benö­tigt. Oft hat er sei­ne Hil­fe bei Pro­ble­men ange­bo­ten, oft konn­te er dann wirk­lich hel­fen. Und genau so soll es auch im Strand­bad Plöt­zen­see blei­ben. „Ich will nicht super­reich wer­den. Ich will ein­fach ver­nünf­ti­ge Arbeit machen in einem guten Umfeld“, sagt Ben­ja­min Weißstern. Die­ses Umfeld habe er mit dem Strand­bad gefun­den. „Ich pas­se hier per­fekt rein. Alles hier ent­spricht mei­ner Ideo­lo­gie“, sagt er. Mit Ideo­lo­gie meint er den Wunsch, unkom­pli­ziert anpa­cken zu kön­nen, etwas auf­zu­bau­en im Zusam­men­spiel mit ande­ren zupa­cken­den Men­schen. Ehr­li­che Arbeit, ehr­li­che Menschen.

Vom Container zur Werkstatt

Fahrrad Station Plötzensee

Sei­ne Fahr­rad Ser­vice Sta­ti­on hat Ben­ja­min Weißstern in den ver­gan­ge­nen Wochen direkt neben dem Ein­gang des Strand­bads auf­ge­baut. Sie besteht aus einem umge­bau­ten Con­tai­ner. Fens­ter sind inzwi­schen drin, eine Tür, der Innen­aus­bau ist in vol­lem Gan­ge. Vor sei­ner Tür: fast 900 Qua­drat­me­ter mit Fahr­rad­stän­dern. Eine per­fek­te Lage, könn­te man sagen. Ben­ja­min Weißstern möch­te den Radler:innen, die zum Strand­bad kom­men, aber auch den Rad­wan­de­rern einen Repa­ra­tur­ser­vice anbie­ten. Schließ­lich führt der Rad­fern­weg von Ber­lin nach Kopen­ha­gen direkt an sei­nem Con­tai­ner vor­bei. Dabei gehe es ihm nicht dar­um, teu­re Ersatz­tei­le an den Mann oder die Frau zu brin­gen. „Vie­le Men­schen sind genervt von Fahr­rad­lä­den, in denen tech­ni­kaf­fi­ne Selbst­dar­stel­ler arbei­ten. Sie haben ein Pro­blem mit dem Rad und wol­len, dass es besei­tigt wird“, beschreibt er sei­ne Beob­ach­tung. Genau das möch­te er anbie­ten: Rei­fen fli­cken, Brem­sen nach­zie­hen, das Licht repa­rie­ren – Fahr­rä­der ein­fach wie­der funk­ti­ons­fä­hig machen.

Ben­ja­min Weißsterns Geschich­te als Fahr­rad­schrau­ber begann vor lan­ger Zeit. „Ich bin schon als klei­ner Jun­ge fahr­rad­be­geis­tert gewe­sen, habe alte Oma­rä­der aus dem Sperr­müll geret­tet und sie repa­riert“, sagt er. Damals war er 13 Jah­re alt. Sei­ne Räder waren pink und lila lackiert und waren ech­te Hip­pie-Räder. Ende der 1980er Jah­re kam Ben­ja­min Weißstern aus Baden-Würt­tem­berg nach Ber­lin. Hier schlug er sich als Stra­ßen­händ­ler durch und kam wie­der aufs Rad, die­ses Mal aufs Drei­rad. Die damals noch neu­en Las­ten­rä­der, die heu­te jeder kennt, waren frü­her noch unbe­kannt: „Ich war total begeis­tert von den Rädern. Per­fekt für Stra­ßen­händ­ler wie mich oder auch für Fami­li­en, dach­te ich“. Ab den 1990er Jah­ren ver­trieb er als Pio­nier der Bran­che die bekann­ten Chris­tia­nia-Las­ten­rä­der aus Däne­mark in Deutsch­land und star­te­te mit viel Enthu­si­as­mus. Doch sei­ner Zeit war er wohl vor­aus. Die Räder ver­brei­te­ten sich damals nicht wie erhofft: „Ich war Pio­nier, hab viel Geld rein­ge­steckt. Es war die fal­sche Zeit.”

Doch Lebens­künst­ler wie Ben­ja­min Weißstern fin­den immer einen neu­en Weg. In sei­nem Fall führ­te der in den IT-Bereich, in die Tür­kei, wie­der zurück nach Deutsch­land, in den Wed­ding und schließ­lich auf die Wed­ding­wei­ser Pinn­wand. „Ich merk­te, dass Fahr­rä­der noch immer mein Ding sind. Ich möch­te an Fahr­rä­dern schrau­ben und mit Men­schen zu tun haben“, sagt er.

Der Fahrrad Station auf die Sprünge helfen

Fahrrad Station Plötzensee
Ein Teil von Ben­ja­min Weißsterns Werk­zeug zur Fahr­rad­re­pa­ra­tur. Oben rechts: Fahr­rä­der repa­rie­ren will er ab 1. Mai im Con­tai­ner am Plöt­zen­see. Fotos (2): privat

Das neue Kapi­tel im Leben das rüh­ri­gen und unkon­ven­tio­nel­len Unter­neh­mers beginnt im Mai im Strand­bad Plöt­zen­see. Vor­her hat er aber noch viel zu tun, damit der Werk­statt-Con­tai­ner ein­satz­be­reit ist, in dem er dann ganz­jäh­rig tätig sein möch­te. Bei der Finan­zie­rung sei­ner Idee setzt er auf sein Netz­werk und die Wed­ding­wei­ser Pinn­wand. Dort hat­te er eine Crowd­fun­ding-Kam­pa­gne gestar­tet. Er ver­kauf­te Fahr­rad­war­tun­gen im Vor­aus und möch­te so das nöti­ge Geld für den Start zusammenbekommen.

Neu­er­dings hat der Fahr­rad Ser­vice Sta­ti­on Plöt­zen­see auch eine eige­ne Face­book-Sei­te. Dort kön­nen alle, die sich für die­ses neu­es­te Puz­zle in der ste­tig wach­sen­den Strand­bad-Fami­lie inter­es­sie­ren, den Fort­gang des Pro­jekts ver­fol­gen. Ben­ja­min Weißstern dankt dort Spen­dern, ver­öf­fent­licht Fotos von der Lie­fe­rung des Werk­statt-Con­tai­ners, vom Aus­bau und von wei­te­ren geplan­ten Facet­ten sei­nes Fahr­rad­traums am Plötzensee.

Öff­nungs­zei­ten: Mo-Sa 13 – min­des­tens 18 Uhr

Web­sei­te; E‑Mail, Tele­fon (0163) 9 10 95 76

So sieht der Con­tai­ner aus, seit er von einem Künst­ler gestal­tet wurde

Dominique Hensel

Dominique Hensel lebt und schreibt im Wedding. Sonntags gibt sie hier den Newsüberblick für den Stadtteil, fotografiert dort für unseren Instagram-Kanal (Freitag) und hat hier und da einen aktuellen Text für uns - gern zum Thema Stadtgärten, Kultur, Nachbarschaft und Soziales. Hyperlokal hat sie es auf jeden Fall am liebsten und beim Weddingweiser ist sie fast schon immer.

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