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Erinnerungen an den Leo: Pizza, Döner, eine Zwiebel

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Die Kol­le­gen wun­der­ten sich, als ich mit dem Leo­pold­platz um die Ecke kam als „Sta­ti­on mei­nes Lebens“. Ich sei doch eher der Typ Baye­ri­scher Platz. So ändern uns die Zei­ten. Der Leo­pold­platz ist für mich per­sön­li­che Ber­lin-His­to­rie, aber auch ‑Gegen­wart, denn ich bin mei­nem Kiezarzt dort seit 32 Jah­ren treu und rad­le von Zeit zu Zeit hin. 

Seit 1988 “im Kommen”

Als ich 1988 nach Ber­lin kam – nicht auf der Suche nach der gelob­ten Stadt, für Bochum hat­te der Noten­schnitt nicht gereicht –, stand die Mau­er fest und der Wed­ding war sehr Wed­ding, obwohl schon im Kom­men, angeb­lich. Unbe­se­hen hat­te ich zuge­sagt, als das Zim­mer im Wed­din­ger Stu­den­ten­wohn­heim frei wur­de, so vie­le Ange­bo­te gab es nicht. Die Linie 9 trug mich Rich­tung FU zum Stu­die­ren, die Linie 6 Rich­tung Kreuz­berg zum Fei­ern, unterm „Osten“ hin­durch. Die Men­sa der TFH (heu­te Beuth-Hoch­schu­le, bald zum Glück nicht mehr), die Bäcke­rei Vat­an, der Kar­stadt, die Piz­za- und Döner-Läden sicher­ten die Nah­ver­sor­gung. Und die Gemü­se­händ­ler: Der eine, eher deutsch, reagier­te mür­risch, wenn ich eine Zwie­bel kauf­te. Für den ande­ren, eher tür­kisch, war das kein Pro­blem. Beim einen war zur Laden­schluss­zeit alles schon ein­ge­räumt, so dass nichts mehr ging. Der ande­re fing zu dem Zeit­punkt ganz ent­spannt an, sei­ne Kis­ten rein­zu­tra­gen und bedien­te wei­ter­hin freund­lich. Der eine mach­te bald dicht, der ande­re flo­rier­te wei­ter. Zum Mau­er­fall sta­pel­te er Bana­nen­kis­ten auf dem Geh­weg vorm Laden.

Unterschätzt und verhunzt

Unse­re Sei­te vom Leo­pold­platz war eher bier­se­lig, auf der ande­ren, im Brüs­se­ler Kiez, gab es schon damals Wein- und Buch­lä­den oder auch das Restau­rant „L’Escargot“. Sogar eine städ­te­bau­li­che Sehens­wür­dig­keit hat der Kiez am Leo­pold­platz zu bie­ten, stets unter­schätzt, schließ­lich ver­hunzt: In den Sech­zi­ger­jah­ren bekam das alte Rat­haus Wed­ding einen auf­ra­gen­den Anbau von Fritz Bor­n­e­mann, Archi­tekt der Deut­schen Oper und der Frei­en Volks­büh­ne. Von der für Bor­n­e­mann-Gebäu­de cha­rak­te­ris­ti­schen Kie­sel­fas­sa­de sind heu­te nur noch ein paar Plat­ten erhal­ten, das Hoch­haus selbst – inzwi­schen Job­cen­ter – wur­de ver­schlimm­bes­sernd getüncht. Ansons­ten ist die Platz-Neu­ge­stal­tung am Rat­haus mit neu­en Bän­ken und ein biss­chen Grün ganz gut gelun­gen. Am Früh­stück­sca­fé Simit Evi, zwi­schen­zeit­lich vor der Ver­drän­gung bewahrt, sit­ze ich gern. Nach der Jahr­tau­send­wen­de trieb mich ein womög­lich nost­al­gi­sches Gefühl noch ein­mal zum Woh­nen nach Wed­ding, Dach­ge­schoss in der Brüs­se­ler Stra­ße. Doch so wur­de ich dort nicht wie­der hei­misch. Irgend­wann war’s dann Schö­ne­berg, auf zum Baye­ri­schen Platz.

Autor: Mar­kus Hesselmann

Mar­kus Hes­sel­mann ist beim Tages­spie­gel für die Leu­te-News­let­ter aus den Ber­li­ner Bezir­ken zustän­dig. Gibt’s hier: leute.tagesspiegel.de Der Bei­trag erschien im gedruck­ten Tages­spie­gel auf den “Mehr Berlin”-Seiten in der Rei­he “Sta­ti­on mei­nes Lebens”.

Die Luxemburger Straße Richtung "Leo"
Die Luxem­bur­ger Stra­ße Rich­tung “Leo”

 

 

Gastautor

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2 Comments

  1. Hal­lo Herr Faust,
    wis­sen Sie Genaue­res war­um die Poli­zei eine Geden­kak­ti­on für Eli­se und Otto Ham­pel am Ort der ent­fern­ten Ste­le auf­ge­löst hat und wel­che Gewerk­schaft das war??
    MfG S.Ringel

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