Das war euer Kiez früher einmal (Teil 2)

Bei Neubauprojekten stößt man im Wedding bestimmt nicht auf die Grundmauern römischer Villen. Doch was befand sich eigentlich ursprünglich an den Stellen, wo ihr heute wohnt, arbeitet oder ausgeht?

Gerichtstraße/Gartenplatz: Der Galgen

1837 diente die unwirtliche Gegend nördlich Berlins zuletzt als Ort des „Gerichts“ – als der Platz, wo am dreifüßigen Galgen Todesurteile vollstreckt wurden. Heute befindet sich dort die majestätische St. Sebastianskirche und auch der Name „Gartenplatz“ verschleiert, welchem Zweck der Richtplatz einst tatsächlich diente. Nur der Name Gerichtstraße, obwohl diese zu keinem Gerichtsgebäude führt, erinnert noch den Kenner an den gruseligen Zweck des Geländes. Mehr…

Koloniestraße

Kolonistenhaus
Koloniestraße 57-59.

In das sumpfige Gebiet an der Panke ziehen 1782 die ersten Familien. Es waren Bauern, die der preußische König Friedrich der Große aus dem Ausland angeworben hatte, um die Bevölkerung von Berlin mit Obst und Gemüse zu versorgen. Es stellte sich jedoch als schwierig heraus, Bewohner für die Gegend zu finden, aus Kiefernwäldern, Dünen und Sumpfgebieten bestand. Die 13 Familien, die dem Aufruf Folge leisteten, bekamen jeweils ein bescheidenes Häuschen von 14 Quadratmetern geschenkt.  Eines dieser Kolonistenhäuser steht bis heute in der Koloniestraße 57 und wird als Wohnzimmer und Küche von dem Hausprojekt PinkePanke genutzt. Mehr…

Fast vom Winde verweht

Weddinger Stadtnatur: Die Eiszeitdüne in der Scharnweberstraße. Foto: Hensel
Foto: Hensel

Der Norden des Wedding ist auf Sand gebaut. Davon zeugt die vom Wind angeschüttete Düne Wedding, die größte innerstädtische Binnendüne aus der Eiszeit (vor 18.000 Jahren). Heute liegt die Düne auf dem Gelände der Gartenarbeitsschule (Schul-Umwelt-Zentrum Mitte). Der ursprünglich geplante Wohnungsbau auf dem Gelände der Düne wurde nach dem Krieg nicht realisiert.  Mehr…

Rund um den Schillerpark: Dünen im Wind

Foto: M.Nakoinz

Der Schillerpark hingegen ist eine andere Art des Umgangs mit Flugsand: durch Anlegen von Parks auf Schutthalden und windexponierten Sandflächen wird die Sanderosion verhindert. Seit 1898 wurde über den Park diskutiert, 1903 wurde seine Anlage beschlossen und 1905 wurde Schiller anlässlich seines 100. Todestags zum Namenspaten des Parks. 1913 wurde die zweigeteilte Grünfläche dann eingeweiht. Mehr…

Landwirtschaft an der Panke

An der Stelle, wo die Badstraße die Panke überquert, befand sich schon früh eine Mühle. Später wurde diese zu einer Papiermühle. In Jahre 1766 kam es dort zum Bau der Bade- und Trinkkurheilanstalt des Arztes Dr. Behm. Später übernahm er auch das Vorwerk Wedding, das aber als landwirtschaftlicher Betrieb an Bedeutung verlor. Im Jahr 1817 schließlich erwarb die Stadt Berlin das Vorwerk. Da Berlin auch große Wald-, Heide- und Moorflächen in der Gegend gehörten, war ein Großteil der Ländereien im Wedding direkt im Besitz Berlins. Die Stadt parzellierte das Land und verkaufte bis 1827 die einzelnen Parzellen vor allem an Handwerker, Gärtner und kleine Kaufleute. Heute ist vom Vorwerk nichts mehr zu sehen.

Teil 1 der Serie


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