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Traditionssport neu bei Viktoria Mitte:
Cricket – jetzt mit Basis im Wedding

Als 2015 vie­le Geflüch­te­te nach Ber­lin kamen, hat­ten eini­ge von ihnen auch ihre Lie­be zum Cri­cket-Sport im Gepäck. Man­che Fans der Sport­art haben inzwi­schen bei Rot-Weiß Vik­to­ria Mit­te einen neu­en Hei­mat­ver­ein gefun­den. Wie Cri­cket funk­tio­niert und wie sich Inter­es­sier­te zum Pro­be­trai­ning anmel­den kön­nen, erklärt Kiez­Sport­Lot­sin Susan­ne Bürger.

Rahimullah „Rahim“ Rasooli spielt Cricket bei Viktoria Mitte. Foto: Viktoria Mitte
Rahi­mul­lah „Rahim“ Raso­o­li spielt Cri­cket bei Vik­to­ria Mit­te. Foto: Vik­to­ria Mitte

Cri­cket ist ein Schlag­ball­spiel. Der Sport wird in Eng­land min­des­tens seit dem 16. Jahr­hun­dert betrie­ben und war einst der rei­chen Ober­schicht vor­be­hal­ten. Durch die Kolo­nia­li­sie­rung ver­brei­te­te sich Cri­cket über den Erd­ball. Vor allem in den soge­nann­ten Com­mon­wealth-Län­dern ist es noch immer eine der popu­lärs­ten Sport­ar­ten. Eng­li­sche Tra­di­tio­nen wir­ken bis heu­te nach. Der in Lon­don ansäs­si­ge „Marylebo­ne Cri­cket Club“ ist bei­spiels­wei­se die obers­te Regel­hü­te­rin und ver­gibt welt­weit die Schiedsrichterlizenzen.

Wie funktioniert Cricket?

Ein Cri­cket­team besteht aus elf Spie­lern. Die Schlag­mann­schaft kann Punk­te (Runs) erzie­len, die Feld­mann­schaft ver­sucht, das zu ver­hin­dern. Die Mann­schaft mit mehr Punk­ten gewinnt das Spiel.

Cri­cket wird auf einem ova­len Feld von etwa 137 bis 150 Meter Durch­mes­ser gespielt. In der Mit­te des Fel­des befin­det sich die „Pitch“: ein 3,05 Meter brei­ter Strei­fen, an des­sen Enden etwa 20 Meter von­ein­an­der ent­fernt die „Wickets“ ste­hen. Wicket lässt sich am bes­ten mit „Klei­nes Tor“ über­set­zen. Ein Wicket besteht aus drei senk­rech­ten Stä­ben, auf denen zwei klei­ne Quer­stä­be lie­gen. Tra­di­tio­nel­ler­wei­se ist das Wicket aus Holz gefer­tigt, im Pro­fi­sport wird inzwi­schen aber eher Kunst­stoff ver­wen­det, die Stä­be sind sogar mit LED-Leuch­ten versehen.

Das Spiel­ge­sche­hen kon­zen­triert sich haupt­säch­lich auf die Pitch. Hier ste­hen zwei Schlag­män­ner, die soge­nann­ten Bat­ter, einem Wer­fer (dem Bow­ler) gegen­über. Die Bat­ter der Schlag­mann­schaft ste­hen vor jedem der bei­den Wickets. Hin­ter dem Wicket, in des­sen Rich­tung der Bow­ler wirft, steht noch der Wicket-Kee­per, eine Art Tor­hü­ter. Der Bow­ler wirft den Cri­cket­ball in einer beson­de­ren Tech­nik, näm­lich mit gestreck­tem Arm. Das sieht erst mal lus­tig aus. Doch es gibt spe­zia­li­sier­te Bow­ler, die den Ball ent­we­der mit einer star­ken Rota­ti­on oder mit einer Geschwin­dig­keit von bis zu 160 Kilo­me­ter pro Stun­de wer­fen. Die­se Tech­ni­ken sol­len es dem Schlag­mann erschwe­ren, den Ball kon­trol­liert ins Feld zu schlagen.

Die Feld­spie­ler haben die Auf­ga­be, den weg­ge­schla­ge­nen Ball zu fan­gen und in Rich­tung der Wickets zurück­zu­wer­fen. Die Bat­ter kön­nen Punk­te erzie­len, indem sie gleich­zei­tig zur gegen­über­lie­gen­den Sei­te von der Pitch bis zur Schlag­li­nie lau­fen. Sie ent­schei­den selb­stän­dig, ob genü­gend Zeit zum Los­lau­fen ist, wenn der Ball weg­ge­schla­gen ist. Meis­tens gelin­gen ein bis drei Runs. Sie stop­pen ihren Lauf, wenn die Feld­spie­ler den Ball erkenn­bar unter Kon­trol­le haben.

Sehr auf­re­gend wird es, wenn sich ein Bat­ter ver­schätzt und ein Feld­spie­ler das Wicket trifft, bevor der Bat­ter die Schlag­li­nie wie­der erreicht hat. Dann ent­schei­det der Schieds­rich­ter auf „Out“, der Bat­ter schei­det aus und wird vom nächs­ten Spie­ler ersetzt. Der Bat­ter kann auch aus­schei­den, wenn ein Feld­spie­ler den weg­ge­schla­ge­nen Ball aus der Luft fängt. Sobald zehn der elf Schlag­leu­te aus­ge­schie­den sind, wech­selt das Schlag­recht oder das Spiel ist zu Ende.

Das Herrenteam von Viktoria Mitte spielt in der Cricket-Bundesliga mit. Foto: Viktoria Mitte
Das Her­ren­team von Vik­to­ria Mit­te spielt in der Cri­cket-Bun­des­li­ga mit. Foto: Vik­to­ria Mitte

Zuschauer brauchen Geduld

Cri­cket ist sehr tak­tisch. Es kann lan­ge dau­ern, bis dem Bat­ter ein guter Schlag gelingt und sich die übri­gen Spie­ler hek­tisch bewe­gen. Ansons­ten sieht man nur den Bow­ler beim Anlauf zum Wurf ren­nen. Umso emo­tio­na­ler wer­den gelun­ge­ne Aktio­nen wie das Umwer­fen des Wickets beju­belt. Die­ser Spiel­ab­lauf erklärt, war­um ein nor­ma­les Cri­cket-Spiel vier Stun­den dau­ert. Dabei ist dies schon eine ver­kürz­te Ver­si­on des tra­di­tio­nel­len „Test-Cri­cket“, bei dem die Spiel­län­ge sogar meh­re­re Tage beträgt.

Bei knap­pen Situa­tio­nen hilft im Pro­fi­sport ein Video­be­weis. Ansons­ten gilt es als unsport­lich, über Ent­schei­dun­gen des Schieds­rich­ters zu dis­ku­tie­ren oder sie anzu­zwei­feln. Bri­ti­sche Höf­lich­keit eben.

Cricket bei Viktoria Mitte

Das Team im Brun­nen­vier­tel fand Anfang 2022 sei­ne Hei­mat beim SV Rot-Weiß Vik­to­ria Mit­te. Um den aus Afgha­ni­stan stam­men­den Rahi­mul­lah „Rahim“ Raso­o­li hat­te sich zunächst eine lose Grup­pe von ambi­tio­nier­ten Spie­lern aus ver­schie­de­nen Län­dern gebil­det. Doch sie woll­ten an regu­lä­ren Liga­spie­len teil­neh­men und such­ten des­halb einen Hei­mat­ver­ein. „Ich hat­te eini­ge Sport­ver­ei­ne gefragt. Vik­to­ria Mit­te signa­li­sier­te sofort Bereit­schaft zur Zusam­men­ar­beit“, fasst Rahim die Anfän­ge sei­nes Teams im Brun­nen­vier­tel zusammen.

Etwa 30 Spie­ler sind inzwi­schen Mit­glied im Ver­ein. Das Män­ner-Team spielt in der Bun­des­li­ga des Ost­deut­schen Cri­cket­ver­bands. Trai­niert wird auf dem Sport­platz der Hein­rich-Sei­del-Grund­schu­le (Swi­ne­mün­der Straße/Ecke Rüge­ner Stra­ße) und auf dem Mai­feld am Olym­pia­sta­di­on, der ein­zi­gen rich­ti­gen Cri­cket-Anla­ge in ganz Ber­lin. Auf den bei­den Spiel­fel­dern fin­den sowohl Trai­nings als auch Liga­spie­le der ins­ge­samt zehn Ver­ei­ne in Ber­lin statt. „Wir wün­schen uns sehr eine zwei­te Anla­ge und mehr Unter­stüt­zung für den Cri­cket­sport in Ber­lin,“ fasst Rahim sei­ne Hoff­nun­gen für die Zukunft zusam­men. Inter­es­sier­te sind zum Pro­be­trai­ning herz­lich willkommen!

Schnelle Fakten: Cricket bei Viktoria Mitte

–> Trai­ning: Frau­en und Kin­der ab 8 Jah­ren, Wett­kampf: Jun­gen ab 16 Jah­ren
–> Kos­ten: Ver­eins­bei­trag, Kos­ten für das per­so­na­li­sier­te Spie­ler­tri­kot. Die übri­ge Aus­rüs­tung (Cri­cket­schlä­ger, Bein­schutz, Hand­schu­he) wird vom Ver­ein gestellt.
–> Kon­takt: E‑Mail: [email protected], Tele­fon: (030) 88 06 23 00
–> Web­sei­te: www.viktoriamitte.de

Der Text ist zuerst im Kiez­ma­ga­zin “brun­nen” erschie­nen. Autorin ist Kiez­Sport­Lot­sin Susan­ne Bür­ger. Die Fotos wur­de von Vik­to­ria Mit­te zur Ver­fü­gung gestellt. Mehr über das Kiez­ma­ga­zin und die ehren­amt­li­che Bür­ger­re­dak­ti­on, die es pro­du­ziert, gibt es auf dem Redak­ti­ons­blog www.brunnenmagazin.wordpress.com. Vie­len Dank!

Mehr unge­wöhn­li­che Sport­ar­ten im Wed­ding Teil 1 / Teil 2

Gastautor

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