Abschied von der alten „Tante Tegel“

I love Tegel Tasse, Tante Tegel - Foto: Samuel OrsenneUpdate Himmlische Ruhe am Himmel! Neue Lebensqualität in der Einflugschneise. Doch so einfach ist es mit der Tegel-Schließung dann doch nicht. Denn fragt man die Weddinger nach ihrer Meinung zum Thema, bekommt man meist eine zwiespältige Aussage. Wir haben die Leserkommentare zu unserem Beitrag zu diesem Thema einmal zusammengefasst.

„Hätte gerne einen Abschied“

Immer wieder wird Tegel als „Flughafen der Herzen“ verklärt, doch zwei Herzen schlagen – ach!– in des Weddingers Brust.

„Ich werde Tegel vermissen, auch wenn ich die Ruhe genieße, weil keine Flieger mehr über meinem Schlafzimmer starten“, schreibt Sabine. „Ich war bei der Eröffnung dabei und hätte gerne eine Abschiedsfeier erlebt.“ Ähnlich ambivalent auch die Aussage von Sabrina: „Ich habe mein ganzes Leben im Wedding verbracht. Verhasst war TXL bei mir nie. Ich muss aber zugeben, dass diese Ruhe wirklich himmlisch ist. Das weiß ich jetzt erst zu schätzen.“

Ein Symbol

Genau diese zwei Seiten der Medaille sind es, die das Verhältnis der Weddinger zum 1973 eröffneten Flughafen Tegel kennzeichnen. Gemeinsam mit Tempelhof war der seinerzeit moderne Airport für die eingemauerte Inselstadt West-Berlin das Tor zur Welt. Auf dem Landweg musste man nach Grenzkontrollen durch die DDR, ein zeitraubendes und für manche auch unüberwindbares Hindernis. Aufgrund seiner historischen Bedeutung ist Tegel also kein „normaler Airport“, daher hängen so viele Erinnerungen an ihm. Sowohl Schönefeld als auch der BER liegen jedoch in Brandenburg. „Ich finde es unmöglich, dass Berlin dann keinen Flughafen mehr hat!“, empört sich Manuela.

Immer nah

Und dieser Hauch von Freiheit, von Urlaub und schönen Erinnerungen, das alles lag mit Tegel einfach nah am Wedding. Kaum zehn Minuten dauert die Fahrt über den Kurt-Schumacher-Damm am Weddinger Westrand zum Airport. „Ab demnächst haben wir Münchner Verhältnisse mit einer Anreisezeit jenseits von 45 Minuten“, ärgert sich Vielflieger Hauke. Weil er so nah lag, haben auch viele Weddinger am Flughafen gearbeitet oder sind wegen der Arbeit in den nahen Wedding gezogen. „Ich bin in der Fliegerei mit TXL aufgewachsen, habe hier meine ersten Schritte gemacht“, erinnert sich Thorsten. „Ich habe tolle Kolleg:innen gehabt, die noch die gute alte Zeit bei PanAm kennengelernt haben. Ich werde meine Tante Tegel vermissen!“

Flugzeugeschauen

Wer sich vom Fluglärm nicht stören ließ (und daran konnten sich viele einfach gut gewöhnen), hatte oft Spaß am Beobachten der Flugzeuge. „Wie schön war immer das Sitzen auf dem Parkdeck vom CLOU-Einkaufszentrum, wenn die Flieger drüber flogen. Bin sehr traurig“, schrieb uns Beate. Und Manuela findet es „so sad. Die Fluggeräusche und die Bilder gehören für mich zum Wedding.“

Eine Institution aus dem Wedding sehnt die Schließung von Tegel jedoch herbei: Die von Raumnot geplagte Beuth-Hochschule wird ein zweites Standbein im Terminalgebäude (Campus TXL) eröffnen, und so geht der Flughafen den Weddingern vielleicht doch nicht so ganz verloren. Und auf die neue Wohn-, Gewerbe- und Erholungsgebiete auf dem Rollfeld dürfen wir uns auch jetzt schon freuen!

UPDATE : Wegen steigender Fluggastzahlen hat die Flughafengesellschaft am 3. Juni bekannt gegeben, dass der Flughafen Tegel erst am 8. November schließen wird. 


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