Im Wedding haben Eichenprozessionsspinner in diesem Sommer für gesperrte Sportflächen und Probleme in Grünanlagen gesorgt. Bald verwandeln sich die Raupen in harmlose Nachtfalter. Ganz vorbei ist die Gefahr damit allerdings noch nicht.

Wer mit den feinen Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung kommt, kann noch lange etwas davon haben. Die Härchen können starken Juckreiz, Hautausschläge, gereizte Augen und in manchen Fällen Atemwegsbeschwerden verursachen. Im Wedding und in Gesundbrunnen hat sich der Befall in diesem Jahr besonders stark bemerkbar gemacht. Unter anderem mussten Bereiche im Volkspark Rehberge sowie mehrere Sportanlagen zeitweise gesperrt werden.
Nun nähert sich die Raupensaison ihrem Ende. Die Tiere befinden sich bereits in der Verwandlung zum Schmetterling, erklärte der Wildtierexperte der Berliner Umweltverwaltung, Derk Ehlert, dem „Tagesspiegel“. Abhängig vom Wetter dürfte es noch etwa zwei bis drei Wochen dauern, bis aus den Raupen Nachtfalter geworden sind. Diese sind für Menschen ungefährlich.
Alte Gespinste weiter meiden
Entwarnung bedeutet die Verwandlung allerdings nicht sofort. In den Gespinstnestern bleiben zahlreiche Brennhaare zurück. Sie können noch längere Zeit wirksam sein, vom Wind aufgewirbelt und in der Umgebung verteilt werden. Regen hilft dabei, die Härchen von Wegen, Bänken und anderen Flächen abzuspülen.
Auch leere Nester sollten deshalb nicht berührt oder eigenständig entfernt werden. Das gilt besonders für Bereiche unter befallenen Eichen. Absperrungen und Warnhinweise sollten weiterhin beachtet werden.
Das Problem wird größer
Im kommenden Jahr beginnt der Kreislauf von Neuem. Fachleute rechnen damit, dass der Eichenprozessionsspinner Berlin auch in Zukunft verstärkt beschäftigen wird. Warme und trockene Sommer bieten den Tieren gute Bedingungen. Der Klimawandel könnte deshalb dazu beitragen, dass sich die Art weiter ausbreitet.

Die Berliner Bezirke fordern vom Senat mehr Unterstützung bei der Bekämpfung. Gewünscht werden zusätzliches Geld, eine zentrale Koordinierung und mehr Möglichkeiten, frühzeitig gegen die Raupen vorzugehen – etwa mit biologischen Mitteln oder Nematoden. Ein Krisentreffen mit der Landesregierung im Juni brachte aus Sicht der Bezirke bislang jedoch keine ausreichende Lösung.
Ein bisschen fühlt man sich an den Winter erinnert: Die Böllerei an Silvester wird Jahr für Jahr achselzuckend akzeptiert, geht ja wieder vorbei. Gegen die schlechte Räumung der Gehwege bei Schnee und Eis musste man nur das Tauwetter abwarten. Auch dieses Problem ging vorbei. Und jetzt ist eben der Eichenprozessionsspinner. Einfach abwarten…

