Mastodon

Eingabehilfen öffnen

Straßennamen im Wedding:
Nach diesen Frauen sind im Wedding Straßen benannt

25. Juli 2026

Straßennamen sind meistens einfach da. Man läuft daran vorbei, verabredet sich dort, tippt sie ins Navi, wartet auf den Bus. Dabei hängen an manchen Schildern ganze Lebensgeschichten. Im Wedding und in Gesundbrunnen erinnern inzwischen mehrere Straßen, Wege und Plätze an Frauen, die Widerstand geleistet, Menschen gerettet, Politik gemacht oder lange verdrängte Geschichte sichtbar gemacht haben.

Louise-Schroeder-Platz

Louise Schroeder war eine der prägenden Berliner Politikerinnen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sozialdemokratin war Reichstagsabgeordnete, Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt und von 1947 bis 1948 amtierende Oberbürgermeisterin von Berlin. Damit stand erstmals eine Frau an der Spitze der Stadt. Der Louise-Schroeder-Platz (bis 1958: Oskarplatz) erinnert an eine Politikerin, die in einer zerstörten Stadt Verantwortung übernahm.

Anna-Mungunda-Allee

Anna Kakurukaze Mungunda lebte in Namibia und gehört zur Geschichte des antikolonialen Widerstands. Am 10. Dezember 1959 wurde sie bei Protesten gegen das Apartheidsregime in Windhuk erschossen. Die Anna-Mungunda-Allee im Afrikanischen Viertel ersetzt seit 2024 einen Teil der früheren Petersallee. Der neue Name erinnert daran, dass Kolonialgeschichte nicht nur aus deutschen Namen besteht.

Bärbel-Bohley-Ring

Bärbel Bohley war Künstlerin und Bürgerrechtlerin in der DDR. Sie gehörte zu den Gründerinnen von „Frauen für den Frieden“, der Initiative Frieden und Menschenrechte und des Neuen Forums. Nach 1990 setzte sie sich weiter mit DDR-Unrecht auseinander. Der neu angelegte Bärbel-Bohley-Ring seit 2016 erinnert an eine Frau, die sich nicht gut mit Schweigen und Wegsehen arrangieren konnte.

Franziska-Bereit-Platz

Franziska Bereit lebte im Wedding, in der Malplaquetstraße 38. Während der NS-Zeit versteckte sie Mitglieder der jüdischen Familie Silbermann in ihrer Einzimmerwohnung. Drei Menschen überlebten durch ihre Hilfe. Der zuvor namenlose Franziska-Bereit-Platz an der Ecke Malplaquetstraße/Utrechter Straße erinnert seit 2026 an eine Nachbarin, die in höchster Gefahr nicht wegsah.

Elise-und-Otto-Hampel-Weg

Elise Hampel wohnte mit ihrem Mann Otto in der Amsterdamer Straße. Zwischen 1940 und 1942 verteilten beide Postkarten und Handzettel gegen Hitler und den Krieg. Sie wurden denunziert, vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 8. April 1943 in Plötzensee ermordet. Der Elise-und-Otto-Hampel-Weg erinnert seit 2018 an Widerstand, der nicht laut war, aber lebensgefährlich.

Ursula-Hirschmann-Platz

Ursula Hirschmann wurde in Berlin geboren und musste vor den Nationalsozialisten fliehen. Sie engagierte sich gegen Faschismus und für ein demokratisches, föderales Europa. 1943 war sie Mitgründerin der Europäischen Föderalistischen Bewegung, später gründete sie „Femmes pour l’Europe“. Der 2026 neu entstandene Ursula-Hirschmann-Platz an der Ruheplatzstraße/Plantagenstraße trägt den Namen einer überzeugten Europäerin.

Martha-Ndumbe-Platz

Martha Ndumbe war eine schwarze Berlinerin, Tochter einer Hamburgerin und eines Kameruners. In der NS-Zeit war sie rassistischer Verfolgung ausgesetzt, wurde 1944 ins KZ Ravensbrück deportiert und starb dort 1945. Der frühere Nettelbeckplatz trägt seit Oktober 2025 ihren Namen. Damit erinnert der Wedding nun an eine Frau, deren Geschichte lange kaum sichtbar war.

Manga-Bell-Platz

Der Manga-Bell-Platz erinnert an Rudolf und Emily Duala Manga Bell, das Königspaar der Duala in Kamerun. Emily Duala Manga Bell unterstützte den Widerstand gegen die deutsche Kolonialpolitik, die Enteignung und Vertreibung bedeutete. Der frühere Nachtigalplatz trägt seit 2022 den neuen Namen. Auch hier wurde der Stadtplan umgeschrieben – weg vom Kolonialherrn, hin zu den Menschen, die sich ihm widersetzten.


Straßennamen ändern nicht die Geschichte. Aber sie verändern, woran im Alltag erinnert wird. Wer durch den Wedding geht, begegnet auf Schildern inzwischen Frauen, die sich eingemischt haben: in Berlin, in Namibia, in Kamerun, in der DDR, im Widerstand gegen die Nazis und in der Idee eines anderen Europas. Man muss nur kurz stehen bleiben und hinschauen.

Foto: Samuel Orsenne bearbeitet: Weddingweiser
weddingweiserredaktion

weddingweiserredaktion

Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Nicht nur zufällig gut

MastodonWeddingweiser auf Mastodon
@[email protected]

Wedding, der Newsletter. 1 x pro Woche



nachoben

Auch interessant?