Genau 80 Jahre nach ihrem Tod im KZ Ravensbrück wird eine von den Nationalsozialisten verfolgte Frau mit einem Straßennamen geehrt: Der bisherige Nettelbeckplatz heißt künftig Martha-Ndumbe-Platz. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte beschloss die Umbenennung bereits im Januar, am 12. Oktober trat sie offiziell in Kraft. Am Samstag, den 18. Oktober, wird der neue Name in einem öffentlichen Festakt von 14:00 bis 15:30 Uhr gefeiert – mit Redebeiträgen, Musik und einer Einladung an die Nachbarschaft, gemeinsam ein Stück Geschichte neu zu schreiben.

Warum dieser Schritt?
Die Umbenennung wurde angestoßen, weil der bisherige Name koloniale Bezüge hat. Joachim Nettelbeck (1738–1824), der 1884 zum Namensgeber wurde, war Obersteuermann auf Versklavungsschiffen, Kolonialpropagandist und später Symbolfigur des Nationalismus. Seine Rolle als Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien gilt nach den Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz als nicht mehr tragbar.
Für Anwohnende oder Gewerbetreibende ändert sich durch die Umbenennung nichts: Der größte Teil des Platzes gehört postalisch zur Gerichtstraße – niemand hat den Nettelbeckplatz als Adresse.
Wer war Martha Ndumbe?

Martha Ndumbe wurde 1902 in Berlin geboren. Ihr Vater, Jacob Ndumbe, stammte aus Kamerun und kam anlässlich der Ersten Deutschen Kolonialausstellung nach Deutschland, wo er Marthas Mutter, Dorothea Grunwaldt aus Hamburg, kennenlernte. Martha wuchs in Berlin auf und erlebte früh Ausgrenzung und Rassismus. Da schwarzen Menschen damals kaum reguläre Arbeit offenstand, musste sie sich mit Gelegenheitsarbeit, Prostitution und Kleinkriminalität über Wasser halten. Die Nationalsozialisten stuften sie als „asoziale Berufsverbrecherin“ ein. Am 9. Juni 1944 wurde sie ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo sie am 5. Februar 1945 starb.
Ihre Biografie steht exemplarisch für viele Menschen, die aus der öffentlichen Erinnerung lange verdrängt wurden. Mit dem neuen Namen wird ihre Geschichte sichtbar und ein Zeichen gesetzt – gegen rassistische Gewalt, gestern wie heute.

Ein Name, getragen von vielen Stimmen
Die Initiative zur Umbenennung entstand im August 2021 in der BVV Mitte. Über die Beteiligungsplattform meinberlin.de konnten Bürger:innen Namensvorschläge einreichen – mehr als 500 Vorschläge gingen ein. Eine Auswahlkommission wählte drei Namen aus, allesamt von schwarzen Berlinerinnen, über die schließlich die BVV entschied. Das Verfahren gilt als Modell für eine demokratisch getragene Erinnerungskultur.
🗓️ Feierliche Umbenennung
📍 Ehemals Nettelbeckplatz – künftig Martha-Ndumbe-Platz
📅 Samstag, 18. Oktober
🕑 14:00–15:30 Uhr
🎶 Mit Musik, Reden und einem Festakt – organisiert von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis.


An die „Weddingweiserredaktion“
Herr Nettelbeck wird hier als „Verfechter rassistisch-imperialistischen Ideologien“ bezeichnet. Damit lehnt Ihr Euch zu weit aus dem Fenster, für diese Behauptung finde ich keine Belege, und Ihr könnt das i.m.h.o. auch keine liefern.
Das erinnert mich an die vergangene Diskussion bzgl. der Namen im afrikanischen Viertel, als ein Hr. Schaffelder pauschal die betreffenden Namensgeber (i.e. Nachtigal/Lüderitz) als „blutrünstige“ Personen beschrieb, auch eine völlig unzutreffende und nicht belegbare Behauptung.
Ich erwarte mehr seriöse Information vom Weddingweiser, ggf. ein wenig Lektorat, und weniger pauschale Agitation.
Dafür lassen sich sehr wohl Belege finden: zum Beispiel in Büchern mit Titeln wie „Lebensbeschreibung des Seefahrers, Patrioten und Sklavenhändlers Joachim Nettelbeck.“ aber auch das Bezirksamt bezeichnet ihn als „Wegbereiter und Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien“.
siehe https://www.berlin.de/ba-mitte/aktuelles/pressemitteilungen/2025/pressemitteilung.1606457.php
Außerdem stören sich viele an der postumen Erhebung zum Nationalhelden bis hin zum NS-Propagandafilm „Kolberg“ (1945).
Das ist doch kein Beleg. Wenn auch das Bezirksamt schreibt „Wegbereiter und Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien“, dann hat entweder das Bezirksamt vom Weddingweiser oder der Weddingweiser vom Bezirksamt abgeschrieben, aber Beleg (im wissenschaftlichen Sinn) entsteht so nicht, ganz im Gegenteil.
Der Buchtitel „Lebensbeschreibung…“ ist korrekt zitiert, aber ein Beleg ist das natürlich nicht. Wenn es hieße „Lebensbeschreibung eines Verfechters rassistisch-imperialistischen Ideologien“, tja, dann könnte man drüber reden, aber so nicht.
Dass die Nazis den „Seemann“ (wikipedia) Nettelbeck ideologisch vereinnahmt haben – wie auch den Herrn Peters – spricht natürlich für eine Umbenennung, aber „Verfechter rassistisch-imperialistischen Ideologien“ bleibt falsch und ohne Beleg.
Du weißt schon, dass das hier ein ehrenamtlicher Kiezblog ist, keine Dissertation, oder?
Abgesehen davon hat die dpa das auch so formuliert – hast du die auch angeschrieben? Kläre das doch bitte mit deren Fachleuten und wir können über Belege sprechen, die das entsprechend richtig stellen.
Können wir Straßen und Plätze nicht einfach neutral benennen? Oder zumindest wie bisher nur mit Nachnamen versehen?
Ich meine, es schreibt eh keiner Briefe mehr, aber Lüderitzstr. ging doch besser von der Hand als Corenlius-Frederiks-Straße. Den neuen Platz muss ich vermutlich auch jedesmal nachschauen.
Wenn das so weiter geht erzähle ich bald Ortsfremden das sie in die Von-und-zu-hastenichtgesehen-str. links abbiegen müssen und dann in Fernando-Gonzales-Hernandes-Str um über die … Sie wissen hoffentlich worauf ich hinaus will.
Als wenn das leben und die Bürokratie nicht schon schwer genug sind und man nicht Energie und Geld aufwänden könnte wo es wirklich real allen (inkl. der von Kolonianismus betroffenen) helfen würde
Freundliche Grüße, jemand der grade gesagt bekommen hat er müsse 3 Monate auf die Geburtsurkunde seines Sohnes warten.
Morjen
hab mal eine KI befragt…. war Nettelbeck ein Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien
Die Antwort lautet: Johann Nettelbeck, ein deutscher Kaufmann und Politiker aus Lübeck, ist nicht bekannt dafür, ein Verfechter von Kolonialismus, Sklaverei oder rassistisch-imperialistischen Ideologien gewesen zu sein. Seine historische Bedeutung liegt hauptsächlich in seiner Rolle als Verteidiger Lübecks gegen die französische Besatzung während der Napoleonischen Kriege und als Politiker in seiner Heimatstadt.
Hier sind einige wichtige Punkte zu Johann Nettelbeck:
Lebenslauf: Johann Nettelbeck wurde am 24. September 1770 in Lübeck geboren und starb am 24. April 1841 in derselben Stadt.
Beruf: Er war Kaufmann und später Senator in Lübeck.
Politische Rolle: Nettelbeck war ein führender Vertreter der Lübecker Bürgerschaft und setzte sich für die Unabhängigkeit und Souveränität der Stadt ein.
Verteidigung Lübecks: Er spielte eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung Lübecks gegen die französische Besatzung im Jahr 1806. Seine Bemühungen trugen dazu bei, die Stadt vor der Plünderung und Zerstörung zu bewahren.
Es gibt keine historischen Belege, die darauf hinweisen, dass Johann Nettelbeck aktiv für Kolonialismus, Sklaverei oder rassistisch-imperialistische Ideologien eingetreten ist. Seine historischen Aktivitäten und sein Einfluss konzentrierten sich auf die lokale Politik und Verteidigung seiner Heimatstadt Lübeck.
Falls Sie weitere Informationen über Johann Nettelbeck oder die Geschichte Lübecks benötigen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Falls das stimmen sollte , wäre es genau mein Humor. Genau was sich jetzt nach der Umbenennung der Mohrenstr herausgestellt hat
in diesem Sinne
Vielleicht sollte man aufhören, Straßen und Plätze nach Menschen zu benennen…
Aber die KI ist trotzdem sehr schlecht informiert. Nettelbeck hat sich eher in Kolberg hervorgetan. Und Wikipedia sagt: „Nettelbeck (verlegte) seinen Wohnsitz nach Kolberg. Eine Kapitänsstelle bekam er nicht. Stellungslos geworden, heuerte Nettelbeck 1771 in Amsterdam auf einem holländischen Sklavenschiff als Obersteuermann an. Es befuhr im Dreieckshandel die Route Europa – Guinea – Surinam – Europa, wovon er später in seinen Lebenserinnerungen ausführlich und anschaulich berichtete. Nettelbeck kommandierte ein großes Beiboot, das dicht an der afrikanischen Küste entlang fuhr, um bereits versklavte Menschen bei einheimischen Anbietern gegen Waffen, Schießpulver, Tabak, Schnaps, Textilien und Krimskram zu erhandeln. Er nutzte das Privileg des Obersteuermanns, selbst einen Gewinn durch den Handel mit Goldstaub zu erzielen.“- Ganz schlimmer Finger.
WTF?! Vielleicht ist ein Internetführerschein ja eine sinnvolle Idee. Das kann ja noch abenteuerlich werden mit der KI. Es geht nicht um Johann(?) Nettelbeck und auch nicht um Paul, Sandra oder Uwe und auch nicht um die Prignitz. Aber Hauptsache einfach mal losblöken, statt nachzudenken.
Sorry, aber das war jetzt echt zu viel Ignoranz auf einmal.
Wir können ja mal einen Wettbewerb machen, wer weiß, wie man Weddinger Straßennamen richtig ausspricht. Die Malplaquetstraße wäre mein erster Kandidat. Oder die Guineastraße. Vom Englischen Viertel ganz zu schweigen – oder besser: zur reden.
Da die deutsche Sprache keine einheitlichen Regeln für Aussprache kennt, kann es jede Person aussprechen, wie sie es möchte.
Fürchterlich. Den Namen kann man nicht mal aussprechen. Was soll das??? Was hat man gegen Nettelbeckplatz??
Was man gegen Nettelbeck hat, steht doch klar und deutlich im Text. Und dürfen nur Leute mit europäischen Namen geehrt werden? Für seinen Namen kann doch niemand etwas.
Straßennamen haben aber nicht den Zweck Leute zu ehren (auch wenn die Idee ehrenhaft ist), sondern sollen der Orientierung dienen. Dann schicken wir jetz wohl Leute zu nem -N-Dumben-Platz oder so. Ich weiß ja nicht ob das förderlich ist.
Hallo Gabriele
ganz einfach /ndu:m’be/ einfach mal ganz unaufgeregt das www befragen… viel Spass beim üben
schöne Woche noch