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Beats, Sound & Synthesizer:
Wie aus einer Idee die miniBOOTH wurde

13. Mai 2026

Am 16. und 17. Mai wird das FEZ Berlin in der Wuhlheide wieder zum Treffpunkt für Kinder, Teens, Familien, Nerds, Musikmenschen und neugierige Besucher:innen: Die miniBOOTH 2026 geht in ihre vierte Runde. Wir stellen euch den Weddinger vor, der das Event mitgegründet hat.

Die miniBOOTH versteht sich dabei als kindgerechtes und niedrigschwelliges Pendant zur legendären SUPERBOOTH – mit Fokus auf Beats, Sound & Synthesizer für Kinder, Jugendliche, Teens und Familien. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist kostenlos. Erwachsene zahlen 10 Euro.

Mitgegründet und mitorganisiert wird das Format von dem in Wedding lebenden Tim Joppien – Berliner Projekt- und Eventmanager, Kulturschaffender und Netzwerker. Mit Formaten wie der miniBOOTH bewegt sich Tim Joppien in einem Feld, das längst nicht mehr nur Berlin betrifft: an der Schnittstelle zwischen Musik- und Kreativwirtschaft, kultureller Bildung, community-basierten Formaten und persönlichem Engagement.

Eine Arbeit, die oft gleichzeitig Organisation, Vermittlung, Netzwerk, Kulturarbeit und kreative Produktion bedeutet — und die zeigt, wie stark viele Projekte heute aus Gemeinschaften, Szenen und persönlichem Einsatz heraus entstehen.

Aufgewachsen in Berlin-Steglitz, zog es Tim mit Anfang 20 in die Triftstraße – die ersten Studienjahre verbrachte er zwischen Freya Fuchs, Göttlich, dem Stattbad, Studio 8, dem Anita Berber und der PANKE. „Einmal konnte ich sogar zu Moby am Pool des Stattbads tanzen“, sagt er. Zum Alltag gehörten damals wie heute auch die Wege über die Müllerstraße – vorbei an kleinen Bäckereien. „Simit, Pide, Börek und Baklava lernte ich da echt zu schätzen“, sagt Tim. Vor zwei Jahren zog es ihn nach weiteren Stationen zurück in den Wedding, diesmal an die Panke in der Nähe des U-Bhf Pankstraße.

Was Tim schon immer besonders am Wedding mag, ist die Verbindung aus Natur und Wasser hier in Wedding, Gesundbrunnen und darüber hinaus. Gerade Orte wie die Rehberge, der Plötzensee oder Bereiche rund um die Panke zeigen, wie viele Möglichkeiten es hier gibt, draußen zur Ruhe zu kommen, durchzuatmen und neue Energie zu sammeln. Genau dieser besondere Mix aus Parks, Gewässern und Rückzugsorten bedeutet ihm viel.

Genau das Weddinger Umfeld spielt auch bei der miniBOOTH eine Rolle. Denn das Projekt entstand nie isoliert, sondern auch aus Netzwerken, Freundschaften und Szenen heraus – unter anderem aus dem Umfeld des Jenseits von Millionen, aus dem ebenfalls Menschen stammen, die im Wedding wohnen beziehungsweise arbeiten.

Tim Joppien im Gespräch mit Michelle Moog-Koussa, der Tochter von Robert Moog, einem der bedeutendsten Pioniere des modernen Synthesizers und Wegbereiter der kommerziellen Synthesizer-Entwicklung. Entstanden ist das Foto auf der Superbooth 2026 im FEZ Berlin.

Im Gespräch beschreibt Tim Joppien den Ursprung des Formats so: „Aus dieser Grundidee der damaligen Verantwortlichen des FEZ und der SUPERBOOTH entwickelte sich schließlich die miniBOOTH. Für die praktische und konzeptionelle Umsetzung kamen Julius Liljeberg und Tim Joppien dazu.

Die SUPERBOOTH gibt es nun seit zehn Jahren, seit einigen Jahren ist sie im FEZ, dem Freizeit- und Erholungszentrum, das 1979 in der DDR als Pionierpalast Ernst Thälmann eröffnet und eigentlich für Kinder, Jugendliche, Teens und Familien gebaut wurde.

Wenn vor allem Erwachsene aus der ganzen Welt dort so neugierig mit Synthesizern ,spielen‘, zusammen neue technische Entwicklungen entdecken, connecten und transformieren, wäre es traurig gewesen, wenn man für jüngere Generationen nicht auch eine eigene Landschaft genau dafür gebaut hätte.“

Damals war die Idee allerdings noch komplett auf dem Reißbrett. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, ob das Ganze überhaupt funktionieren würde. Kommen Leute? Verstehen Familien das Konzept? Interessiert sich außerhalb der klassischen Synthesizer- oder DJ-Szene überhaupt jemand dafür?

Die Idee zur miniBOOTH entstand 2022, die erste Umsetzung folgte 2023. Und direkt beim ersten Aufschlag kamen ungefähr 1.000 Gäste pro Tag.

Von Anfang an war klar: Es soll kein Raum werden, der nur für Technik-Nerds oder Produzent:innen funktioniert. Stattdessen ging es darum, elektronische Musik niedrigschwellig erfahrbar zu machen – für Kinder, Familien, Freund:innen und Menschen ohne Vorwissen.

Ein wichtiger Gedanke dahinter: Viele Kinder, die mit elektronischer Musik aufwachsen, haben keinerlei Berührungsängste mit Geräten. Synthesizer, Controller oder Drum Machines stehen bei ihnen teilweise ganz selbstverständlich im Wohnzimmer oder Studio der Eltern herum „Musikalisches Spielzeug“ beschreibt diesen Zugang wahrscheinlich am besten.

Genau diese Mischung prägt die miniBOOTH bis heute: spielerisch, offen und gleichzeitig tief genug für Menschen, die sich intensiver mit Sound beschäftigen wollen.

Das Programm entstand dabei nicht nur aus dem eigenen Umfeld. Über einen Open Call, unter anderem in Richtung Sound Studies, wurde das Format bewusst geöffnet. Ein wichtiger Schritt, denn darüber kamen weitere Künstler:innen, Musiker:innen und Vermittler:innen dazu, die das Projekt mitgeprägt und weitergetragen haben.

2026 entwickelt sich die miniBOOTH nun erneut weiter. Da ihr bisheriger Co-Organisator inzwischen Vater geworden ist, gibt es einen Teamwechsel. Neu dazugekommen ist Yannick Weineck, der die diesjährige Ausgabe gemeinsam mit Tim Joppien co-kuratiert und produziert.

Der Fokus liegt diesmal noch stärker auf Bewegung, Körperlichkeit und interaktiven Zugängen. Mit dabei ist unter anderem Tanzen3000 mit Tanzworkshops und angeleiteten DJ-Sets im Foyer. Außerdem gestaltet Jesterfield ein Rave-Format im kleinen Wäldchen.

Dazu kommen zahlreiche Workshops und Installationen rund um Beats, Sound & Synthesizer:

  • DJ-Workshops u. a. mit Femquency
  • Sampling, Recording und modulare Synthese
  • Spatial Sound Playground
  • DIY- und Bastelstationen
  • Klangexperimente und audiovisuelle Formate

Besonders haptisch wird es bei einer Arbeit von tarxun und Saba Arat: Ein Teppich mit eingewobenen leitenden Materialien macht Musik durch Berührung spielbar.

Einen anderen Zugang eröffnet Germaine Png aus dem Umfeld von Cashmere Radio. In ihrem Workshop entwickeln Kinder eigene Hörspiele und nehmen hörbare Geschichten auf – nicht nur auf Papier, sondern direkt als Audioformat. Die Workshops finden im Kontext vom Programm PopToGo des BV-Pop – im Rahmen von “Kultur macht Stark – Bündnisse für Bildung” statt, gefördert vom Ministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Auch über die Veranstaltung hinaus gibt es Verbindungen zur aktuellen Synthesizer-Kultur in Deutschland: Sowohl Tim als auch der Autor dieses Textes, Sebastian Wischmann, sind Teil des Lenkungskreises für das Instrument des Jahres 2027 – den Synthesizer – gemeinsam mit dem Landesmusikrat Berlin, der Berlin Music Commission, dem Deutschen Musikrat, weiteren Landesmusikrät:innen, tollen Musiker:innen bzw. Künstler:innen, dem Musicboard, der Club Commission Berlin, SuperBOOTH, Schneiders Laden sowie weiteren Institutionen.

Tim Joppien

Auch diese Geschichte rund um die miniBOOTH zeigt, wie groß der kulturelle und soziokulturelle Impact der Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen im Bezirk Mitte gerade in den vergangenen Jahren geworden ist — lokal, national und international. Unzählige diverse, progressive, subkulturelle und alternative Communities, Initiativen, NGOs, Kreativ- und Musikwirtschaft, Kulturarbeit, diverse Bildungsformate sowie gemeinschaftliche Projekte greifen hier intersektionell ineinander. Die Strahlkraft dieser beiden Stadtteile lässt sich inzwischen problemlos mit ganzen Berliner Bezirken vergleichen — insbesondere im kunst-, kultur- und soziokulturellen Bereich weit über die Kiezgrenzen hinaus.

Sa 16. + So 17. Mai 2026, 12-18 Uhr, FEZ Wuhlheide

Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren ist der Eintritt kostenfrei.

Bei gutem Wetter draußen, bei schlechtem Wetter drinnen – stattfinden wird es auf jeden Fall.

https://fez-berlin.de/veranstaltungen2026/minibooth

Text/Fotos: Sebastian Wischmann

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